bedeckt München 17°

MVG:Warnstreik im Münchner Nahverkehr beendet

Die S-Bahn fährt noch - und die Busse auch, wenn auch nicht so häufig wie sonst: Fahrgäste warten am Bahnhof Laim.

(Foto: Robert Haas)

Die aktuelle Lage:

  • Der Warnstreik der Gewerkschaft Verdi ist seit 18 Uhr beendet. Nach und nach nehmen die U-Bahnen wieder ihren normalen Betrieb auf.
  • Die MVG erwartet, dass es zwei bis drei Stunden dauern wird bis alle Fahrzeuge vollzählig im Einsatz und im gewohnten Takt unterwegs sind.
  • Vereinzelt kann es noch zu Abweichungen kommen. Etwa die Tramlinien 15, 28 und 29 rücken am Dienstagabend nicht mehr aus.

Von Kassian Stroh

Keine U-Bahnen, nur vier Tram-Linien und deutlich weniger Busse als normal: Wegen eines großen Warnstreiks ist der öffentliche Nahverkehr in München an diesem Dienstag schwer beeinträchtigt gewesen. Seit 3.30 Uhr waren alle Fahrerinnen und Fahrer der Münchner Verkehrsgesellschaft (MVG) dazu aufgerufen, nicht zur Arbeit zu erscheinen. Viele sind diesem offenkundig gefolgt. Der Streik dauerte bis 18 Uhr - und bis dahin fuhr auch keine U-Bahn. Bei Bus und Tram war der Verkehr deutlich eingeschränkt. Nicht betroffen vom Streik war die Münchner S-Bahn. Die MVG erwartet, dass es zwei bis drei Stunden dauern wird bis alle Fahrzeuge vollzählig im Einsatz und im gewohnten Takt unterwegs sind. Das teilte ein MVG-Sprecher am Dienstagabend mit.

U-Bahn

Die Befürchtung der MVG war: Sollte sie einzelne U-Bahnen aufs Gleis schicken, könnten viele Menschen versucht sein, doch in einen der U-Bahnhöfe zu gehen - in der Hoffnung, dort einen Zug zu erwischen. Und dann entstünde auf den Bahnsteigen ein gefährliches Gedrängel. Diese blieben daher bis 18 Uhr abgesperrt. Mit dem Ende des Streiks nahmen die U-Bahnen ihren Betrieb wieder auf, im Laufe des Abends kann es vereinzelt noch zu Problemen kommen. Nach Informationen der MVG vor allem auf den Linien U3 und U6.

Bus

Noch die besten Chancen hatte an diesem Dienstag, wer mit einem Bus fahren wollte. Seit etwa acht Uhr morgens gab es auf allen Linien zumindest einen 20-Minuten-Takt. Ein Sprecher sagte, etwa die Hälfte aller Busse seien im Einsatz. Denn im Auftrag der MVG fahren auch private Busunternehmen durch München, und deren Fahrer sind nicht zum Warnstreik aufgerufen. Aktuell verkehren alle Linien zumeist in einem 20-Minuten-Takt. Durch weitere Fahrzeuge wird der Takt nach Informationen der MVG auf zahlreichen Linien erhöht.

Tram

Bei den Trambahnen war das Angebot den ganzen Dienstag über weit dünner: Da laut MVG nur etwa ein Fünftel der sonst verfügbaren Züge einsetzbar war, verkehrten diese nur auf vier Strecken. Zuerst wurde am Morgen die Linie 19 zwischen Pasing und Berg am Laim in Betrieb genommen. Es folgten bis gegen acht Uhr die Bahnen der Linien 16 und 17, die zwischen Neuhausen und Bogenhausen verkehren, sowie die Linie 27 vom Petuelring bis zum Sendlinger Tor. Aktuell fahren die Linien 16,17, 19, 25 und 27 - nach Auskunft der MVG alle zehn bis 20 Minuten. Die Tram-Verstärkerlinien 15, 28 und 29 rücken am Dienstagabend nicht mehr aus. Die übrigen Linien nehmen schrittweise wieder ihren Betrieb auf.

S-Bahn

Die S-Bahn, die von der Deutschen Bahn betrieben wird, war vom Streik nicht betroffen. "Punktuell" seien die Züge am Morgen sicher voller gewesen als sonst, berichtete eine Sprecherin. Insgesamt aber habe es keine größeren Auffälligkeiten gegeben. Ihr Eindruck: Die Fahrgäste hätten sich "gut eingestellt" auf den Nahverkehrs-Streik, viele seien vermutlich zu Hause geblieben. Allein eine Signalstörung auf der S-Bahn-Stammstrecke Richtung Ostbahnhof machte am Morgen zeitweilig Verdruss: In deren Folge verspäteten sich viele Züge.

Die Lage auf den Straßen

Da am Morgen "natürlich mehr Münchner mit dem Auto" unterwegs waren, wie ein Polizeisprecher sagte, war auf den Straßen im Berufsverkehr deutlich mehr los. Insbesondere auf den großen Einfallstraßen nach München hinein und auf dem Mittleren Ring. Dort staute sich der Verkehr zusätzlich wegen einer technischen Panne: Einer der stationären Blitzer an der Landshuter Allee ging um kurz nach sechs Uhr morgens kaputt, wie der Sprecher berichtete, und blitzte jedes Auto, das an ihm vorbeifuhr - unabhängig von dessen Tempo. Die Folge: Viele Fahrer bremsten ab, das ließ den Verkehr noch zäher fließen.

Viel los ist am Dienstagmorgen auf den Münchner Straßen wie hier am Rotkreuzplatz.

(Foto: Robert Haas)

Warum der Streik diesmal so groß war

Der Warnstreik reichte diesmal weiter als vergleichbare Arbeitsniederlegungen in der Vergangenheit. Denn die Fahrerinnen und Fahrer in München werden bislang nach zwei verschiedenen Tarifverträgen bezahlt. Bei früheren Auseinandersetzungen ging es immer nur um einen, also konnte auch immer nur ein Teil des Personals streiken. Der Rest fuhr, so dass die MVG immer einen Gutteil des Angebots aufrechterhalten konnte. Das war diesmal anders.

Der Hintergrund des Warnstreiks

Für die Fahrerinnen und Fahrer der MVG gibt es einen Haustarifvertrag. Ein Teil der Münchner Fahrer ist aber noch bei den Stadtwerken angestellt, der Muttergesellschaft der MVG; für sie gilt der (tendenziell bessere) bayernweite Tarifvertrag für den öffentlichen Nahverkehr. Beide Verträge sind Ende Juni ausgelaufen und werden derzeit neu verhandelt. Die Gewerkschaften, insbesondere Verdi, fordern mehr Geld, als die Arbeitgeber - darunter auch die MVG - zu zahlen bereit sind. Wegen der hohen Einnahmeausfälle infolge der Corona-Krise gebe es da kaum Spielraum, argumentiert die MVG.

Darüber hinaus geht es beim Streik um einen dritten Tarifvertrag, den es noch gar nicht gibt: Die Gewerkschaften versuchen nämlich, einen bundesweit gültigen Rahmentarifvertrag für den Nahverkehr abzuschließen. Mit diesem Ansinnen sind sie bisher gescheitert, die deutschlandweiten Warnstreiks an diesem Dienstag sollen da ein Druckmittel sein. Bei der MVG wiederum hält man das für unverhältnismäßig, da all das, was Verdi für einen bundesweiten Vertrag fordere, in Bayern und München längst schon vereinbart sei.

Weitere Informationen

Die aktuelle Betriebslage findet sich auch auf der Internetseite der MVG, in der App MVG Fahrinfo, auf Twitter oder auf der Facebookseite der MVG.

Wo noch gestreikt wurde

Der bundesweiter Warnstreik hat am Dienstag den öffentlichen Nahverkehr in fast allen größeren Städten in Bayern lahmgelegt. Die Gewerkschaft Verdi sprach von einem vollen Erfolg. In den Betrieben seien 90 bis 100 Prozent der Beschäftigten im Ausstand, sagte ein Gewerkschaftssprecher. In elf bayerischen Städten traten die Beschäftigten von kommunalen Verkehrsbetrieben und privaten Omnibusunternehmen von den frühen Morgenstunden an in den Warnstreik, darunter in München, Nürnberg, Augsburg und Würzburg. "In Augsburg fährt so gut wie gar nichts", sagte ein Sprecher der Stadtwerke. Es seien nur vereinzelt Busse und Straßenbahnen im Einsatz. Die Nürnberger VAG Verkehrs-Aktiengesellschaft hatte einen Streikfahrplan eingerichtet: Statt U-Bahnen und Straßenbahnen fuhren Busse entlang des Nachtliniennetzes. Ab acht Uhr habe es zunehmend Probleme gegeben, weil sich diese mit den Autos auf den vollen Straßen stauten, sagte eine Sprecherin.

© SZ.de/amm/imei
Warnstreiks im öffentlichen Dienst - München

Verkehr in München
:Ausgerechnet jetzt ein Streik?

Der Streik der Gewerkschaft Verdi führt zu Staus auf Straßen und vollen Radwegen. Und viele Münchner fragen sich: Muss das ausgerechnet in der Pandemie sein? Eindrücke aus einer ausgebremsten Stadt.

Von Andreas Schubert

Lesen Sie mehr zum Thema

Zur SZ-Startseite