Schon mal von einem 23er Feinputz gehört? Gut, vielleicht heißt der Putz auch etwas anders. Aber es hat doch irgendwie etwas Schönes, wenn jemand wegen einer gut verputzen Wand in einer Unterführung ins Schwärmen gerät. Aber da seien ja auch noch die vier Meter hohen Wände und die Breite, wie Loomit erzählt. Eine „Unterführung Deluxe“.
Klingt so, als hätten der bekannte Street-Art-Künstler und seine mehr als zehn bayerischen Mitstreiter den Jackpot gezogen. Aber so ist es wohl fast immer, wenn man als Street-Art-Künstler Wände zum Besprühen findet. Aktuell sind das die von gleich zwei Unterführungen am Ende der Theresienwiese, durch die es zur Hans-Fischer-Straße und zur Theresienhöhe geht.
Genau dort findet am Samstag, 13. Juli, das „Festival Urbane Kultur“ statt. Von 12 Uhr an gibt es DJs, einen Biergarten und Food Trucks, die aber nur das Beiwerk für das Eigentliche sind: die Street Art, die Künstler aus München, Augsburg, Nürnberg und Würzburg drei Tage lang geschaffen haben.
Loomit ist einer davon. Er hat das Festival kuratiert. Organisiert hat es Tobias Sehr von der Galerie Munich Art, in Kooperation mit dem Kunstlabor und dem Verein zur Förderung urbaner Kunst. Der Freistaat und die Stadt München haben es finanziell gefördert. Die Idee: Den „Spirit“ der „vielfältigen freien Kunstszene“ aufzuzeigen, wie es der bayerische Kunstminister Markus Blume in einem Statement zum Festival formuliert.

Dass der vor 40 Jahren in München entfachte Street-Art-Spirit in vielen Städten da ist, aber nicht überall gleich gefördert wird, war zwei Tage zuvor von den Künstlern zu erfahren. Etwa von Lea und Resek aus Augsburg, die beim Gespräch gerade eine Kohlmeise und eine Mona Lisa mit einem Kurzschwanzkänguru-Gesicht sprühen und beide dem Graffiti-Verein „Die Bunten“ angehören. Die Lage in Augsburg? Da gäbe es sogar mehr verfügbare Flächen und statt wie in München einer gleich sechs „Halls Of Fame“. Das habe aber auch viel mit dem Verein zu tun, den es seit 2011 gibt und der sich auch sehr für den Nachwuchs einsetze, sagt Resek.
In Nürnberg? Nun, da sei man weniger organisiert und es gebe weniger Flächen, wie Cris und Hannah erzählen. Aber auch da mache man „gemeinsame Aktionen“, so Hannah, wie etwa das parallel am 13. Juli in Nürnberg-Langwasser stattfindende Streetart-Festival „Betonliebe“ zeigt. Hannahs Arbeit? Eine anamorphe Darstellung des Gerhard-Richter-Zitats: „Art is the highest form of hope.“ Wie es mit der Betonliebe in Würzburg aussieht? Nun, das Duo ATE-Crew war leider schon weg und ihr leicht an den Jugendstil erinnerndes Frauenporträt schon fertig. Die ATE-Crew sei auf jeden Fall sehr aktiv, so Loomit, während es Würzburg sonst wohl etwas an städtischer Unterstützung mangelt.

Aus München sind Pyser, Kürls, Cassie Tumlinson und Miriam Ganser dabei. Pyser deswegen, weil er eine der Wände schon vor Jahren mit einem Wiesn-Motiv besprüht hatte. Jetzt hat er es abstrakt übermalt, hat aber ein paar Reste stehen lassen. Cassie Tumlinson hat in ihr Schlangenmotiv ebenfalls vorhandene Sprüche und Motive integriert. Cassie Tumlinson stammt aus Kalifornien, ist eigentlich Malerin und 2022 durch Loomit bei der Street Art gelandet. Miriam Ganser besprüht seit etwa zehn Jahren Wände und ist sonst als Designerin aktiv. Ihre Wand in der Unterführung war beim Besuch noch leer. Wie sie geworden ist, davon kann man sich am 13. Juli überraschen lassen.
Festival Urbane Kultur, Samstag, 13. Juli, 12 bis 22 Uhr, Unterführungen „Theresienhöhe“ und „Hans-Fischer-Straße“

