Am 25. November, dem Tag, an dem knapp 1000 Münchner Jüdinnen und Juden bei Kaunas von den Mordkommandos der Nazis hingerichtet wurden, werden um 18 Uhr auch im Gedenken an sie 20 Stolpersteine am Gebäude des katholischen Medienhauses Sankt Michaelsbund verlegt. Konkret sollen die zehn mal zehn Zentimeter großen Gedenkquader an die 20 Jüdinnen und Juden erinnern, die in dem Haus an der Herzog-Wilhelm-Straße 5 einst gelebt haben und von den Nationalsozialisten gedemütigt, verschleppt und ermordet worden sind.
Vier der Hausbewohner waren am 20. November 1941 bei der ersten großen Deportation aus München dabei, als jüdische Menschen eingepfercht in einen Zug der Reichsbahn in die 1300 Kilometer entfernte Stadt verschleppt – und dort wenige Tage später erschossen wurden: Babette Sommer, 43, und ihre 18-jährige Tochter Sofie, hatten es nicht mehr geschafft, zum Ehemann und Vater nach Amsterdam zu fliehen; die „Kleinrentnerin“ Frieda Hamburger, 58, sowie Elsa Wolfsheimer, 44, deren Mann im Haus ein Geschäft für Kurz- und Strumpfwaren hatte.
Stolpersteine tragen immer eine Inschrift mit Namen und biografischen Daten der Menschen an ihrem letzten, frei gewählten Wohnort. Der Initiator der Stolperstein-Initiative in München, Terry Swartzberg, bezeichnet es in einem Podcast des Medienhauses zum Thema als „Verpflichtung“, die Gedenkveranstaltung am 25. November zu veranstalten.
In München ist die Verlegung der Stolpersteine nur auf Privatgrund möglich. Charlotte Knobloch, Präsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern, hatte die Debatte um das Thema geprägt mit dem Argument, durch die im Boden verlegten Stolpersteine würden die Namen der Opfer buchstäblich mit Füßen getreten. Auf städtischen Grund werden stattdessen Erinnerungszeichen an Häusern und damit auf Augenhöhe angebracht. Zuletzt am 20. November für Anna Caspari an der Brienner Straße 12. Die Kunsthändlerin wurde auch nach Kaunas verschleppt und dort am 25. November 1941 ermordet.

