VerkehrImmer mehr Staus auf Münchens Straßen

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Wer nach München oder ins Umland pendelt, steht öfter mal im Stau.
Wer nach München oder ins Umland pendelt, steht öfter mal im Stau. (Foto: Matthias Balk/dpa)
  • Autofahrer in München und Umland standen 2025 durchschnittlich 32 Stunden im Stau, das Staulevel stieg um fünf Prozentpunkte auf 33 Prozent.
  • Der Verkehr hat sich seit 2019 verlagert: Weniger Spitzen zu Hauptverkehrszeiten, dafür mehr Verkehr in den Nebenzeiten.
  • Tempo 30 auf der Landshuter Allee verlangsamte den Verkehr, machte ihn aber gleichmäßiger und verursachte keine zusätzlichen Staus.
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32 Stunden verloren Fahrerinnen und Fahrer 2025 durchschnittlich im Verkehr – und längst nicht nur zur Rushhour. Wie sich das Aufkommen verschoben und sich Tempo 30 auf dem Mittleren Ring ausgewirkt hat.

Von Andreas Schubert

Autofahren in München ist nicht immer ein Vergnügen. Wer nur mitten in der Nacht unterwegs ist, wird sich nicht über Staus beschweren. Alle anderen, vor allem Pendler, die tagtäglich mit dem Auto vom Umland nach München oder umgekehrt fahren, haben einen anderen Eindruck – und das völlig zu Recht. Der Verkehrsdatenanbieter und Navigationssystem-Hersteller TomTom hat diesen Mittwoch zum 15. Mal seine alljährliche Stau-Statistik veröffentlicht.

München verzeichnete 2025 erneut ein hohes Verkehrsaufkommen. In der Landeshauptstadt inklusive dem Landkreis München lag das durchschnittliche Staulevel bei 33 Prozent und damit fünf Prozentpunkte über dem Vorjahresniveau. Das Staulevel ist nach der Methodik von TomTom die Zeit, die man prozentual länger für eine Fahrt braucht als bei freiem Verkehrsfluss, wie er meistens nachts gegeben ist. In Stunden umgerechnet bedeutet dies, dass die Autofahrenden in München und im Umland im Jahr 32 Stunden im Stau standen. Das ist ein Durchschnittswert, in den auch der Verkehr in weniger stark befahrenen Gegenden eingerechnet ist.

Nähme man die Werte des Gebiets, das nach TomTom-Kriterien als „City Center“ definiert ist, käme man für das Jahr 2024 sogar auf 77 Stunden Stau-Zeit und ein Staulevel von 44 Prozent. Laut TomTom sind die Werte für Stadt und Umland aber repräsentativer, weil die Auswertung das tatsächliche Verkehrsgeschehen auf dem gesamten Straßennetz abbildet – einschließlich innerstädtischer Straßen, Schnellstraßen und Autobahnen.

Betrachtet man die Entwicklung seit dem Vor-Corona-Jahr 2019, als das Staulevel laut TomTom bei 30 Prozent lag, ging der Verkehr während der Pandemie zunächst stark zurück. Doch seit wieder viele nicht mehr im Home-Office arbeiten, sind die Werte über die Jahre gestiegen. Auffällig dabei ist, dass sich der Verkehr 2025 im Vergleich zu 2019 verlagert hat. Damals waren die Spitzenwerte während der beiden Hauptverkehrszeiten morgens und abends zwar höher. 2025 aber war in den Nebenverkehrszeiten mehr los, was auch den höheren Durchschnittswert erklärt.

Auf Anfrage der SZ hat TomTom den Verkehr auf dem Mittleren Ring an der Landshuter Allee analysiert, wo vergangenes Jahr Tempo 30 galt, das erst vor Kurzem wieder aufgehoben wurde. Die Entwicklung für das gesamte Jahr zeigt, dass die Durchschnittsgeschwindigkeit wegen des Tempolimits erwartbar gesunken ist. Staus und Verzögerungen ließen sich nicht auf das Tempolimit zurückführen, sondern auf das hohe Verkehrsaufkommen, Störungen, Baustellen und Engpässe sowie die ohnehin starke Belastung.

Nicht Tempo 30 verursacht die Probleme

Ein Sprecher von TomTom, der die Daten für das Gesamtjahr 2025 ausgewertet hat, kommt zu dem Schluss: Seit Einführung von Tempo 30 sei der Verkehr auf der Landshuter Allee zwar langsamer, aber gleichmäßiger geflossen. „Die alltäglichen Fahrzeiten bleiben dabei erstaunlich stabil“, sagt der Sprecher. „Gleichzeitig zeigen die Daten, dass die stark belastete Strecke weniger Reserven hat, wenn es zu Störungen kommt.“

Der Nachtverkehr sei ruhig geflossen, hier habe sich ein klarer Tempo-30-Effekt gezeigt. In den Zwischenzeiten außerhalb der Rushhour war der Verkehrsfluss gleichmäßiger als zuvor. Hier zeige sich deutlich: Tempo 30 verlangsame den Verkehr, ohne ihn ineffizient zu machen. Der Verkehrsfluss bleibe stabil, Reserven seien vorhanden, extreme Verzögerungen blieben die Ausnahme. Den morgendlichen Berufsverkehr verkrafte die Landshuter Allee weiterhin relativ gut. „Tempo 30 reduziert die Dynamik und wirkt harmonisierend, verhindert aber offenbar kein funktionierendes Vorankommen“, so das Fazit des TomTom-Sprechers.

In der Rushhour am Abend aber zeige sich die strukturelle Grenze der Strecke: „Nicht Tempo 30 verursacht die Probleme“, so die Einschätzung des Sprechers mit Blick auf die per Navigationssystem erfassten Daten. „Vielmehr trifft hohes Verkehrsaufkommen auf eine Straße mit begrenzten Reserven. Tempo 30 wirkt hier nicht destabilisierend, kann aber Belastungsspitzen nicht kompensieren, wenn der Verkehrsdruck sehr hoch ist.“

Im deutschlandweiten Ranking ist München übrigens weit vom unrühmlichen Titel der Stauhauptstadt entfernt. Die Region kommt bundesweit nur auf Platz 13, wie schon im Vorjahr. Ganz vorn liegt Berlin mit einem Staulevel von 40 Prozent, gefolgt von Essen und Hamburg mit jeweils 39 Prozent. Kassel liegt in Deutschland ganz hinten auf Platz 29 mit einem Staulevel von 23 Prozent.

Das sind für Autofahrer im internationalen Vergleich nahezu paradiesische Zustände. In Mexiko-Stadt, der laut TomTom staureichsten Metropole der Welt, benötigen Autofahrende knapp 76 Prozent mehr Zeit, als zu einer idealtypisch errechneten verkehrsarmen Nachtstunde. Dort standen im Jahr 2025 die Autofahrenden 184 Stunden im Stau, also mehr als eine Woche.

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