Zwei Wochen lang erstrahlt er schon in neuem Glanz, der Traubereich des Standesamtes München. Nach einem halben Jahr der Umgestaltung fällt auf: Es ist heller als früher, hier oben im fünften Stock der Ruppertstraße 11, eleganter. Die in einem dunkleren Braun gehaltenen, schon ein wenig in die Jahre gekommenen Sofas im Aufenthaltsraum vor den eigentlichen Trauungssälen sind cremefarbenen, bequemeren gewichen. Und auch im Inneren ist die Farbgestaltung mit weißen, hellblauen und -braunen Tönen einladender und frischer geworden.
Nach über einem Vierteljahrhundert sei es an der Zeit für ein moderneres Design des Ortes in der Ruppertstraße gewesen, in dem jedes Jahr etwa 2600 Paare den Bund der Ehe schließen, sagt Gerhard Benedikt, der Leiter der Standesämter München. Für ihn ist es ein besonderer Moment: Nach Jahrzehnten im Dienst des Standesamtes präsentiert er an seinem letzten Arbeitstag vor dem Ruhestand das neue Design. Als langjähriger Leiter kennt Benedikt den Wandel, den die standesamtliche Trauung in der Gesellschaft erfahren hat, nur zu gut. Früher sei die Eheschließung im Standesamt oft als bloßes Muss neben der kirchlichen Eheschließung gesehen worden. Heute heirateten dagegen die meisten Paare nur noch am Standesamt, weiß Benedikt zu berichten.
Die Entwicklung in München spiegelt dabei einen allgemeinen deutschlandweiten Trend wider: Seit Jahrzehnten ist der Anteil der kirchlichen Eheschließungen in Deutschland rückläufig: Nicht einmal mehr jedes fünfte Paar gibt sich noch in der Kirche das Ja-Wort, wie aus Daten des Statistischen Bundesamtes sowie der katholischen deutschen Bischofskonferenz und der evangelischen Kirche in Deutschland für das Jahr 2022 hervorgeht. Was am Standesamt passiert, ist also für viele Paare heute weit mehr als ein Akt zwischen Unterschrift und Urkunde – es ist für viele der bedeutungsvollste Moment.
Dementsprechend sorgfältig wurden die neuen Räumlichkeiten gestaltet. Rund 100 000 Euro investierte das Kreisverwaltungsreferat – und tat dies genau zur rechten Zeit. Denn die Finanzierung erfolgte noch vor Inkrafttreten des neuen städtischen Sparkurses. Kreisverwaltungsreferentin Hanna Sammüller betont, dass sich die Mittel durch effektives Wirtschaften aus dem eigenen Budget hätten beschaffen lassen.


Das verantwortliche Planungsteam hat jedenfalls viele Details im Blick gehabt. Die Sofas sind nicht nur schöner anzusehen, sondern auch bequemer und leichter zugänglich. Erneuert wurden auch das Parkett und der Bistrobereich, in dem Festgesellschaften nach der Eheschließung anstoßen können. Letzterer verfügt jetzt über einen niedrigen Tisch, der für mehr Barrierefreiheit sorgt. Auch wichtig für eine angenehme Atmosphäre ist die Klimaanlage, betont Benedikt. Sie ist zwar nicht neu, leistet aber gerade für die im Sommer beliebten Hochzeiten einen wertvollen Dienst.
Ein besonderes Detail ist das neue Fotomotiv vor den Trausälen: eine stilisierte weiß-blaue Skyline mit Frauenkirche und Olympiaturm, entworfen von Schülerinnen und Schülern der Städtischen Berufsschule für Farbe und Gestaltung. Wer will, kann sich direkt nach der Zeremonie vor dem Wandbild ablichten lassen, wie Sammüller und Benedikt bereitwillig demonstrieren.
Die Rückmeldungen seien bislang durchweg positiv. Paare seien begeistert und schätzten das klare Design und die Modernität, sagt Sammüller. Sie scheinen nicht die Einzigen zu sein: Denn auch die Beamtinnen und Beamtinnen mit der „Lizenz zum Trauen“ seien von der neuen Umgebung sehr angetan, erzählt Benedikt. Jene rund 50 Mitarbeitenden des Standesamtes also, die befugt sind, Paare zu vermählen. Kaum ist oben die Vorstellung des neuen Traubereichs beendet, tritt unten eine Braut samt Trauzeugin ins Gebäude. Der neue Raum wartet schon.

