Stadtwerke-Windpark in Norwegen„Grüne Energie ist nicht immer grün“

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Bayerisch-norwegische Windkraft-Kooperation: Die Stadtwerke München und Trønder Energi (Trondheim) treiben die Energiewende voran.
Bayerisch-norwegische Windkraft-Kooperation: Die Stadtwerke München und Trønder Energi (Trondheim) treiben die Energiewende voran. Trønder Energi
  • Die Stadtwerke München betreiben seit 2021 mit einem Anteil von 29 Prozent einen norwegischen Windpark, der laut dem obersten Gericht Norwegens unrechtmäßig auf Sami-Land errichtet wurde.
  • Sami-Vertreter fordern im Münchner Rathaus den Abbau von 45 der 71 Windräder, da diese auf Weideland ihrer Rentierherden stehen.
  • Trotz einer Mediation 2024 mit Ausgleichszahlungen und alternativem Weideland ist dieses Ersatzgebiet noch nicht verfügbar.
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Die Stadtwerke München haben sich in Norwegen in einen Windpark eingekauft, der die Rechte eines indigenen Volks verletzt. Vertreter fordern nun im Rathaus, dass ein Teil der Windräder abgebaut wird.

Von Bernd Kastner

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Es ist ein bemerkenswertes Aufeinandertreffen im Rathaus, das erste dieser Art. An einem großen Tisch sitzen acht Vertreter des indigenen Volks der Sami aus Norwegen und der Münchner Stadtwerke. Die Sami kämpfen um ihr Land in Mittelnorwegen, wo unweit von Trondheim ein Windpark steht, den die SWM mitbetreiben. Dass der Windpark Roan auf der Halbinsel Fosen auf Land der Indigenen errichtet wurde, hat das oberste Gericht Norwegens 2021 als unrechtmäßig und als Menschenrechtsverletzung bezeichnet.

Die Delegation der Sami, die diese Woche nach München gereist ist, beklagt, dass die Verletzung ihrer Rechte weiter andauere. Sie fordern von den Stadtwerken, 45 der 71 Roan-Windräder abzubauen, sie stehen auf Weideland von Rentierherden. Die SWM wiederum betonen, dass sie sehr an einer gütlichen Einigung interessiert seien und der Ausbau der erneuerbaren Energien auf keinen Fall und nirgends Menschenrechte verletzen dürfe.

Organisiert hat das Treffen Christian Schwarzenberger, Stadtrat der Linken. Die meisten aus der Sami-Delegation kommen in traditioneller Kleidung ins Rathaus. Für die SWM spricht Thomas Meerpohl, zuständig für den größten Teil der Erzeugung erneuerbarer Energien. Aus dem Rathaus sind der Einladung nur wenige Stadträte gefolgt, von Grünen, SPD und CSU nimmt niemand teil. Sie verpassen ein trotz des tiefgreifenden Konflikts wertschätzendes und konstruktives Gespräch, das in eineinhalb Stunden immer wieder auf eine große Frage zuläuft: Dürfen grundlegende Rechte Dritter eingeschränkt werden, um grüne Energie zu produzieren und so den Klimawandel zu bremsen?

Besuch im Rathaus: Die Sami wehren sich gegen Windräder auf dem Weideland ihrer Rentiere. Linke-Stadtrat Christian Schwarzenberger hat das Treffen organisiert.
Besuch im Rathaus: Die Sami wehren sich gegen Windräder auf dem Weideland ihrer Rentiere. Linke-Stadtrat Christian Schwarzenberger hat das Treffen organisiert. Robert Haas

Das Urteil vom März 2021 ist für die Sami ein Meilenstein, allein: „Nichts ist seither passiert“, sagt Elisa Årbogen von einer betroffenen Familie, sie ist digital zugeschaltet. Trotz des Siegs vor Gericht fühle es sich an, als hätten die Sami verloren. Beaska Niillas erklärt, dass sein Volk doppelt unter dem Klimawandel leide. Zum einen unter dem Temperaturanstieg, der in Nordeuropa stärker sei als in vielen anderen Gebieten. Und unter der Bekämpfung des Klimawandels, weil Windräder auf ihrem Weideland gebaut würden. Nach und nach werde ihnen Land und Kultur genommen, beklagt Niillas. „Grüne Energie ist nicht immer grün.“ Es sei ein „dunkler Fleck“ auf der Reputation Norwegens, dass ein Windpark wie Roan überhaupt gebaut worden sei.

Er war schon in Betrieb, als sich die Stadtwerke 2021 dort einkauften, seither halten sie nach eigenen Angaben eine Minderheitsbeteiligung von rund 29 Prozent. Die übrigen Eigentümer kommen laut SWM unter anderem aus Norwegen und der Schweiz. Kurz nach dem SWM-Einstieg erklärte das oberste norwegische Gericht den Park für illegal. Angerufen hat dieses Gericht laut SWM-Mann Meerpohl die Betreibergesellschaft, weil sie die Entschädigungszahlungen an die Sami gerne reduziert hätte. Herausgekommen ist das Gegenteil. „Wir kämpfen Tag und Nacht für unsere Kultur“, sagt Niillas. Die Verantwortung dafür, die andauernde Verletzung der Rechte der Sami zu beenden, liege auch in München, bei Stadt und SWM.

Meerpohl sagt, das städtische Unternehmen nehme diese Verantwortung an. Als Minderheitsgesellschafter sei der eigene Einfluss aber begrenzt. Als man eingestiegen sei, habe man nicht geahnt, dass der Park eine so gravierende Verletzung der Rechte der indigenen Bevölkerung darstelle. Er verweist auf die Mediation zwischen Sami, norwegischem Staat und Windparkbetreibern, die in Folge des Urteils 2024 zu einer Einigung geführt habe: Unter anderem solle der Staat den Sami alternatives Weideland zur Verfügung stellen, zudem bekämen sie Ausgleichszahlungen für die erhöhten Kosten. Diese entstünden, weil die betroffenen Rentierherden im Winter in ein Gebiet transportiert werden sollen, das rund 400 Kilometer und damit fünf Lkw-Stunden von Roan entfernt liege. Eine Herde kann mehrere Tausend Tiere umfassen. Noch aber sei dieses Alternativgebiet nicht verfügbar. Zudem befürchten die Sami-Aktivisten, dass es dort zu Konflikten mit den Menschen kommen könnte, die dort bisher Schafe weiden lassen.

Meerpohl sagt, er verstehe, dass es für die Vertreter der Sami frustrierend sei, wenn sie zwei Jahre nach dieser Einigung noch immer kein Ersatzland nutzen könnten. Zugleich verspricht er, aus den Erfahrungen von Roan zu lernen: Bei zwei geplanten Windparkerweiterungen sei man im Dialog mit Sami-Familien.

Am Ende ist es Ayla Gáren Nutti, die den SWM-Vertretern ins Gewissen redet. Ein Windpark wie Roan wirke sich nicht nur aufs unmittelbar angrenzende Weideland aus, sondern „auf ein ganzes Volk für sehr lange Zeit“. Es entstünden diverse Konflikte, sami-intern, mit Schafhaltern oder mit Sami, die keine Rentiere halten. Sie hoffe sehr, dass die Stadtwerke diese Auswirkungen künftig ernster nähmen und in ihre Windenergiepläne einbezögen.

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