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Stadtsparkasse:"Sollte die EZB den Zins weiter absenken, sind wir gewappnet"

Ein Mann läuft in eine Filiale der Stadtsparkasse.

Ab Oktober bekommen Neukunden der Stadtsparkasse Verträge vorgelegt, in denen auch Strafzinsen für Girokonten nicht mehr ausgeschlossen sind.

(Foto: Stephan Rumpf)
  • Am Mittwoch hat die Stadtsparkasse München bekanntgegeben, dass sie ihren Kunden Tausende Prämiensparverträge kündigen wird.
  • Zudem ist es wahrscheinlicher geworden, dass die Bank in Zukunft auch von privaten Kunden Strafzinsen verlangen wird.
  • Die Stadtsparkasse versucht mithilfe dieser Maßnahmen mit den niedrigen Zinsen klarzukommen.
  • Die Europäische Zentralbank behält den Leitzins seit vielen Jahren auf einem äußerst niedrigen Niveau, seit drei Jahren sogar bei null Prozent.

Wenn die Stadtsparkasse München relativ kurzfristig zu einer Pressekonferenz in ihr Haupthaus im Tal bittet, kann man mittlerweile ahnen, dass es keine guten Nachrichten geben wird. Vor drei Jahren ging es um die neuen Gebühren für Girokonten. Vor zwei Jahren um schließende Filialen - und am Mittwoch gab der Vorstandsvorsitzende Ralf Fleischer bekannt, dass seine Bank ihren Kunden Tausende Prämiensparverträge kündigen wird. Es war einer von vielen Schritten, mit Hilfe derer die Bank versucht, mit den niedrigen Zinsen klarzukommen. Die Stadtsparkasse München ist dabei, ihr Geschäft umzubauen - und damit ist sie noch lange nicht fertig.

Nun muss man sagen, dass an den vielen schlechten Nachrichten im Konferenzraum nicht alleine die Bank selbst Schuld hat, sondern die Europäische Zentralbank ihr das Geschäft auch durchaus schwer macht. Die Zentralbank behält den Leitzins seit vielen Jahren auf einem äußerst niedrigen Niveau, seit drei Jahren sogar bei null Prozent - so viele, beziehungsweise so wenig Zinsen müssen die Banken der Zentralbank bezahlen, wenn sie sich von ihr Geld leihen. Und so viele, beziehungsweise so wenige Zinsen, verlangen die Banken später wiederum von ihren Kundinnen und Kunden, wenn die sich von der Bank Geld borgen.

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Die niedrigen Zinsen ruinieren das klassische Geschäft der Banken: Für geliehenes Geld zahlt eine Bank einen Zins, für verliehenes Geld verlangt sie einen Zins. Die Differenz ist ihr Gewinn. Nur, bei einem Zins von null Prozent ist kaum noch Gewinn zu machen. In den vergangenen Jahren konnte man dabei zusehen, wie die Gewinne der Stadtsparkasse immer kleiner wurden. Zum Ende des vergangenen Jahres blieben zwar noch immer 37 Millionen Euro übrig, aber das waren vier Millionen weniger als im Jahr zuvor.

Es ist wahrscheinlich, dass die Stadtsparkasse auch die nächsten Jahre Gewinn machen wird, von den roten Zahlen ist die Bank noch weit entfernt. Die Frage ist allerdings, ob die Gewinne weiter schmelzen werden und wenn ja, wie stark. Sieht man sich nur das Geschäft mit den Zinsen an, verdiente die Stadtsparkasse München zuletzt sogar neun Millionen Euro weniger als noch ein Jahr zuvor.

Der Vorstandsvorsitzende Ralf Fleischer sagte zu Beginn des Jahres, dass er damit rechne, dass seine Bank in diesem Jahr kein Geld mehr mit den Einlagen ihrer Kundinnen und Kunden verdienen werde - wobei er das auch schon für das vorige Jahr angekündigt hatte. Sicher ist in jedem Fall, dass die Bank kein Interesse daran hat, dass noch mehr Menschen ihr Geld auf ein Konto bei ihr legen.

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Vor allem seit die Europäische Zentralbank im Sommer entschieden hat, den Leitzins auf null Prozent zu belassen. Vor zwei Wochen verkündete die EZB noch dazu, in Zukunft einen Zins von minus 0,5 Prozent von Banken zu verlangen, wenn sie ihr überschüssiges Geld bei der Zentralbank deponieren. Bislang lag der sogenannte Strafzins bei minus 0,4 Prozent.

Deshalb ist nun wahrscheinlicher geworden, dass die Stadtsparkasse in Zukunft auch von privaten Kunden Strafzinsen verlangen wird. Vom 1. Oktober an ist in neuen Verträgen für Girokonten oder sogenannte Cashkonten eine Klausel enthalten, mit der die Bank sich vorbehält, von ihren Kundinnen und Kunden solche Zinsen zu verlangen. Zumindest, wenn jemand mehr als 100 000 Euro auf dem Konto hat, bei Ehepaaren liegt die Grenze bei 200 000 Euro. Nur bei neuen Konten wohlgemerkt. "Sollte die EZB den Zins weiter absenken wollen, sind wir gewappnet", sagte Fleischer am Mittwoch. Der Vorstandsvorsitzende war in den vergangenen Jahren viel damit beschäftigt, sich zu wappnen.

Die Bank hat 200 Stellen abgebaut, 17 Filialen geschlossen, für einen Teil ihrer Firmenkunden schon Strafzinsen eingeführt. Die Stadtsparkasse versucht zu sparen, wo es nur geht, und gleichzeitig mit Neuem Geld zu machen. Die Bank verdient zum Beispiel zunehmend durch die Vermittlung von Bausparverträgen, Wertpapieranlagen oder Versicherungen. Verteilten sich im Jahr 2014 die Gewinne noch etwa zu gleichen Teilen auf das Geschäft mit Einlagen, mit Krediten sowie Provisionen, machen Kredite und Provisionen heute 96 Prozent aus.

Die Einlagen entsprechen nur noch vier Prozent. Nicht verwunderlich also, dass der Vorstandsvorsitzende Ralf Fleischer immer wieder dafür wirbt, dass seine Kundinnen und Kunden ihr Geld doch bitte anlegen sollen: "Ein Verwahrentgelt fällt in keinem Fall an, wenn der Kunde das Geld anlegt. Man tut immer so, als wäre das unausweichlich, aber es gibt Alternativen." Wobei Fleischer mit "Verwahrentgelt" den Negativzins meint - klingt nur nicht so negativ.

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