Münchner Seiten:Neue Wege

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Hofgarten, Finanzgarten, Englischer Garten - Die Zusammenführung der drei Gärten

Wo vor 30 Jahren noch eine mächtige Straßenschneise das Stadtbild bestimmte, entstand eine grüne Verbindung zwischen dem Hofgarten (rechts oben) und dem Englischen Garten (unten).

(Foto: Hansjakob/Schliewa)

Beton und Asphalt können Wunden schlagen im Stadtbild. Das neue Buch des Landschaftsarchitekten Gottfried Hansjakob zeigt, wie man sie heilen kann.

Von Alfred Dürr

Voraussichtlich bis Mitte 2024 dauert es, bis der Altstadtringtunnel, der unter dem Prinz-Carl-Palais und der Ludwigstraße hindurch das Lehel mit der Maxvorstadt verbindet, mit einer neuen Zwischenwand und modernen Sicherheitseinrichtungen versehen ist. Vielen gilt dieses Bauwerk als monströses Beispiel für den Anspruch der Stadtplanung, München von den Sechzigerjahren an autogerecht umzugestalten. Selten wehrte sich die Bürgerschaft heftiger als gegen solch eine Idee.

Es gab und gibt auch Ansätze, Wunden im Stadtbild so gut wie möglich zu heilen. So werden die Freiflächen am Westportal des Altstadtringtunnels neu gestaltet, um hier eine mächtige Straßenschneise zu reduzieren. Im östlichen Gebiet um den Tunnel hatte sich mit dem Neubau der Staatskanzlei schon vor 30 Jahren die Chance eröffnet, die achtspurige Stadtautobahn, die nicht nur Viertel trennte und Verbindungen von bedeutsamen Grünanlagen kappte, zurückzubauen.

Hofgarten, Finanzgarten, Englischer Garten - Die Zusammenführung der drei Gärten

Nach dem Rückbau der Abbiegespuren in die Königinstraße bekam der Englische Garten mehr Platz mit einem neuen Weg zwischen der Stadt und dem Park. Das Foto zeigt die Baustelle aus dem Jahr 1992.

(Foto: Hansjakob/Schliewa)

Das gesamte Gebiet vom Hofgarten über den Finanzgarten und den Englischen Garten wurde nach den Plänen der weit über München hinaus bekannten Landschaftsarchitekten Gottfried und Anton Hansjakob neu angelegt. Statt einer Menge Asphalt, breiten Abbiege-Fahrbahnen und einem System aus dunklen Unterführungen, die für Fußgänger unter den Oberflächen-Barrieren angelegt waren, schufen die Architekten eine Flanierzone zwischen den drei Gärten mit Rasenflächen, neuen Wegen, Brunnen und Bächen sowie einem Wasserfall.

Gottfried Hansjakob beschreibt in seinem gerade erschienenen Buch (Hofgarten, Finanzgarten, Englischer Garten. Die Zusammenführung der drei Gärten, Franz Schiermeier Verlag München, 16 Euro) die Konzeption und die historischen Hintergründe für das bedeutsame Projekt. Zahlreiche Fotos und Pläne zeigen, welche positive Veränderung durch den Zugewinn an Grün- und Freiflächen (vor allem auch entlang der Königinstraße, die verschmälert und zur reinen Anliegerstraße wurde) an der Nahtstelle zwischen der Altstadt und den umgebenden Vierteln erfolgt ist.

Manche Bereiche hätte man mit "moderneren" architektonischen Mitteln planen können, lautete damals die Kritik aus Fachkreisen. Gottfried Hansjakob winkt ab. Aktuellen Gestaltungstrends hinterherzulaufen sei für ihn und seinen Bruder nie ein Thema gewesen: "Wir wollten eine Anlage von zeitloser Qualität schaffen, die alle verbindet."

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