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Stadtentwicklung:Diese Projekte sollen München im kommenden Jahr verändern

In München soll sich einiges tun. Unter anderem sollen Kinder einen größeren Einfluss in die Politik der Stadt haben.

(Foto: Stephan Rumpf)

Tausende Wohnungen, neue Hochhäuser - und trotzdem mehr Raum für Kinder und Natur: Das Planungsreferat stellt Projekte vor, die die Stadt nachhaltig verbessern sollen.

Von Sebastian Krass

Die Stadtplanung verläuft in langen Linien, viele Projekte ziehen sich über Jahre. Es ist nicht leicht, den Überblick zu behalten. Deshalb hat Stadtbaurätin Elisabeth Merk ihre kleine Tradition fortgeführt, in einer Pressekonferenz mit leitenden Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern ihres Planungsreferats einen Ausblick zu geben, wie sie im kommenden Jahr die Stadt verändern und verbessern wollen. Ein Überblick über sehr große und kleinere Projekte, vom Bauen über Grünanlagen bis zu Ratschlägen von Kindern.

Neuer Stadtteil Bayernkaserne

Preisgericht Bayern-Kaserne

5500 Wohnungen und 15 000 Menschen sollen auf dem alten Areal der Bayernkaserne Platz finden. Simulation: Max Dudler/Hilmer & Sattler

Die wohl wichtigste Aufgabe für das Referat ist es, neuen Wohnungsbau auf den Weg zu bringen. Ein riesiges Projekt, das nun Form annehmen wird, ist das geplante Quartier auf dem städtischen Areal der ehemaligen Bayernkaserne in Freimann mit insgesamt 5500 Wohnungen für bis zu 15 000 Menschen. Den Auftrag für die ersten 750 Wohnungen hat der Stadtrat an die kommunalen Gesellschaften GWG und Gewofag vergeben, "die Bauarbeiten beginnen im nächsten Jahr", sagt Ulrike Klar, Leiterin des Wohnungsbaus im Referat. Zudem werde man Grundstücke des ersten Bauabschnitts für Genossenschaften und Mietshaussyndikate, eine in München bisher noch seltene Form des nicht-profitorientierten Wohnungsbaus, ausschreiben. Dabei gehe es um insgesamt 500 Wohnungen. "Die Genossenschaften sind ganz wild darauf, sich zu bewerben", so Klar. Und man werde Flächen für private Bauträger ausschreiben. Da sie auf Erbpacht für 80 Jahre vergeben werden, könnten dort etwa "gemeinnützige Träger Wohnraum für Beschäftigte in Mangelberufen errichten".

Private Wohnbauprojekte

Auch neue private Wohnbauprojekte will das Referat 2021 entscheidend voranbringen. Das größte ist der "Campus Süd", südwestlich des früheren Siemens-Hochhauses in Obersendling. Ein Eigentümerwechsel und zähe Verhandlungen haben das Projekt um Jahre verzögert. Inzwischen plant das Unternehmen Rock Capital aus Grünwald den Bau von 1300 Wohnungen. Man habe sich mit dem Investor weitgehend über den Zuschnitt des Quartiers geeinigt, berichtet Michael Hardi, Leiter der Stadtplanung. 2021 wolle man dem Stadtrat den Billigungsbeschluss für den Bebauungsplan vorlegen, ein vorentscheidender Schritt für die Schaffung des Baurechts. Als weitere Bebauungspläne, die auf der Zielgeraden seien, nennt Hardi ein Projekt mit 500 Wohnungen an der Eggenfeldener Straße in Zamdorf und eines auf einer ehemaligen Postfläche an der Ecke Pappenheimer Straße/Blutenburgstraße in der Maxvorstadt. "Da entstehen in einer sehr kleinen Baulücke 90 Wohnungen", so Hardi.

Neuer Plan für Frankfurter Ring

Eine mögliche Seilbahn am Frankfurter Ring. Simulation: Bauchplan

Ein Großprojekt wird die städtebauliche Neuordnung des Frankfurter Rings. Diese unwirtliche Gegend in den Bezirken Milbertshofen und Schwabing-Freimann will das Referat mit einem neuen Bebauungsplan attraktiver machen. Der Stadtrat soll dafür im ersten Quartal 2021 den Startschuss geben. Ziel sei es, für das Gewerbegebiet ein "Entwicklungsgerüst" zu erarbeiten. Die Gegend wird weiter von Betrieben geprägt sein, aber die Stadt will Grün- und Freiräume aufwerten und die Mobilitätsangebote verbessern, dabei dürfte auch die Idee einer Seilbahn eine Rolle spielen. Zudem will das Referat Ergebnisse der Hochhausstudie konkretisieren, die in dieser Gegend Potential für Hochhäuser sieht.

Hochhausstudie

Anfang des Jahres stellten die Autoren dieser vom Stadtrat in Auftrag gegebenen Hochhausstudie einen Entwurf öffentlich vor. Die Diskussion darüber mit Bürgerinnen und Bürgern steht noch aus, die Corona-Pandemie hat den Zeitplan durcheinander gebracht. Nun veranstaltet Plantreff, das Kontaktbüro des Referats, digitale Diskussionsveranstaltungen unter dem Motto "Hoch hinaus?". Nach dem Start am 10. Dezember sind die nächsten Termine am 15. Dezember und am 19. Januar, jeweils um 19 Uhr (die Veranstaltungen sind auch im Nachhinein abzurufen, mehr unter www.muenchen.de/plantreff).

Schutz von Grünflächen

2021 will man mit der Schaffung einer Parkmeile im Feldmochinger Anger vorankommen.

(Foto: Munord/CC-by-sa-4.0)

Einerseits muss viel gebaut werden, um zusätzlichen Wohnraum zu schaffen. Andererseits hat der Stadtrat den Klimanotstand aufgerufen. Deshalb hat auch der Schutz von Grünflächen und Freiraum hohe Bedeutung, dazu zählen die Anger in den Außenbezirken. So wolle man 2021 mit der Schaffung einer Parkmeile im Feldmochinger Anger vorankommen, sagt Michael Hardi von der Stadtplanung. Auch den Anger in Neuperlach wolle man aufwerten. "In der Pandemie haben wir gemerkt, dass der Freiraum höheren Stellenwert bekommt als bisher."

Was Kinder wollen

Die Beteiligung von Kindern ist Stadtbaurätin Merk ein besonderes Anliegen für das kommende Jahr, schließlich sei "alles, was wir in der Stadtentwicklung machen, für die nächste Generation gedacht".So werde das Referat 2021 "einen Schulwettbewerb für Ideen zur Stadtentwicklung ausrichten", kündigt Merk an. "Wir sehen auch bei Mini-München immer wieder, welche erstaunlichen Ideen Kinder einbringen: Die einen haben sie nach Denkmälern gefragt, warum die so sind, wie sie sind. Die anderen wollten zusätzliche Wasserzapfsäulen, damit man Plastikflaschen sparen kann". Zudem berichtet Merk, dass sich nach der Kommunalwahl eine Spielraumkommission formiert habe, die unter Leitung von SPD-Stadträtin Lena Odell im zweiten Halbjahr einen "Kriterienkatalog für kinderfreundliche Planung" vorlegen soll. Da könne es etwa um temporäre Spielstraßen analog zu den Sommerstraßen gehen - "oder um die Frage, was Kinder machen können, wenn man in den Ferien nicht weit wegfahren kann".

© SZ vom 11.12.2020/kafe/van
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