Vom Grünwalder bis zum Olympiastadion:Die Münchner Fußball-Stadien

Jugendmannschaften und Amateursportler kennen das Problem: Es gibt zu wenig Plätze und Hallen in der Stadt. Doch auch manche Profiklubs sind auf der Suche nach dem richtigen Spielort.

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In der Fröttmaninger Arena spielt nur die erste FC-Bayern-Mannschaft

München bewirbt sich um Champions-League-Finale

Quelle: dpa

Das größte und modernste Stadion in München ist im Gegensatz zum Olympiastadion oder dem Grünwalder in Privatbesitz. Der FC Bayern München als Eigentümer bespielt seine Arena in Fröttmaning, die bei nationalen Spielen 75 024 Besucher fasst, alleine. Das war ursprünglich anders geplant: Mitgebaut und -finanziert hat das Stadion zur Hälfte der TSV 1860 München. Doch dieser veräußerte seine Anteile endgültig im Jahr 2008 an den FC Bayern und zog im Juli 2017 nach dem Abstieg in die Regionalliga auch als Mieter aus. Die Kosten für den Bau gibt der FC Bayern mit 340 Millionen Euro an. Weil zwei Vereine das Stadion nutzten, gab es dazu millionenschwere öffentliche Zuschüsse für die Infrastruktur rundherum. Eröffnet wurde die Arena im Sommer 2005, was zum vorläufigen Ende des Profifußballs im Olympiastadion führte. Die Bayern nutzen das Stadion ausschließlich mit ihrer ersten Mannschaft. Die Frauen und das zweite Männerteam in der dritten Liga spielen an der Grünwalder Straße. Ein neuer Mieter ist nicht in Sicht, sportlich wie finanziell dürfte die Arena zumindest im Moment für alle anderen Münchner Vereine eine Nummer zu groß sein.

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Im Olympiastadion könnte nur die überdachte Tribüne genutzt werden

Rockavaria in München, 2015

Quelle: Florian Peljak

Ein genauer Plan liegt noch nicht vor, wie der Profifußball wieder ins Olympiastadion zurückkehren könnte, der 2005 mit dem Neubau der Arena in Fröttmaning nach 33 Jahren ausgezogen war. Aber es gibt eine Skizze des Büros Albert Speer und Partner, das auch die Erweiterung des Stadions an der Grünwalder Straße untersucht hat. Ihrer Idee zugrunde gelegt haben die Fachleute die Anforderungen der Deutschen Fußball-Liga für die zweite Bundesliga. Dafür müssen zum Beispiel alle Zuschauer unter einem Dach sitzen oder stehen. Das würde im Falle des Olympiastadions eine volle Ausrichtung auf die Haupttribüne bedeuten, da diese wie Teile der Süd- und der Nordkurve vom Zeltdach geschützt ist. Nur dort könnten Fans deshalb Platz finden, die restlichen Kurvenbereiche und die Gegengerade blieben unbesetzt. Diese würde nur für Fernsehkameras und Werbeanlagen genutzt.

Damit die Fans näher ans Spielfeld heranrücken könnten, würde Speer und Partner dieses einfach über die Laufbahn an die Haupttribüne heranziehen. Das sieht im ersten Moment ungewohnt aus, würde aber schlüssig für die Teilnutzung des 1972 für etwa 80 000 Zuschauer gebauten Stadions stehen. Die Olympiapark GmbH wird sich damit nun wie vom Stadtrat beschlossen beschäftigen, sieht jedoch zuerst noch einen weiteren Mitspieler am Zug. Der Denkmalschutz müsste dieser einseitigen Gewichtsverlagerung des Olympiastadions zustimmen. Danach ist zu prüfen, ob sich die nötigen Ein- und Umbauten sowie der Betrieb auch wirtschaftlich stemmen lassen. Als Sportstätte wäre die Rückkehr der Fußballer attraktiv, Großereignisse von dieser Seite sind Mangelware. Doch auch wenn alle Voraussetzungen zu erfüllen sind, stellt sich vor allem eine Frage: Welcher Münchner Verein schafft es auf absehbare Zeit, in die zweite Liga aufzusteigen und würde er in das von Fußballern ungeliebte Stadion überhaupt einziehen? Relevant werden könnte das Olympiastadion vor allem dann, wenn die Pläne für das Grünwalder Stadion scheitern.

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Für die Löwen ist das Grünwalder Stadion Heimat

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Quelle: Robert Haas

Das Stadion an der Grünwalder Straße ist das älteste in München, es wurde im Jahr 1911 eröffnet. Die Fans des TSV 1860 betrachten es als ihre Heimat, und das mit gutem Grund: Die Löwen haben es gebaut und bis 1937 besessen. Danach wurde die Stadt Eigentümerin und blieb es bis heute. In den Hochzeiten feuerten 58 000 Fans die Spieler an, übrigens nicht nur die Blauen. Der FC Bayern feierte seine ersten deutschen Meisterschaften an der Grünwalder Straße, ehe er 1972 ins Olympiastadion umzog. Doch auch der TSV 1860 wurde seiner Heimat zwischendurch untreu, spielte im Olympiastadion und später in der Arena in Fröttmaning. Erst 2017 kehrte der Verein zurück, inzwischen hatten sich aber auch die zweite Mannschaft und die Frauen der Bayern dort angesiedelt. 2012 und 2013 baute die Stadt das Grünwalder drittligatauglich aus, nach einem erneuten Eingriff im vergangenen Jahr finden derzeit 15 000 Fans Platz.

Der Stadtrat hat im Juli 2019 beschlossen, die Kapazität nochmals auf insgesamt 18 060 Besucher zu erweitern und die Zweitligatauglichkeit anzustreben. Dafür setzt er knapp 30 Millionen Euro an. Alle Tribünen sollen überdacht sowie 855 Sponsorensitze und bis zu sechs Logen errichtet werden. Einen Zeitplan gibt es laut Sportreferat noch nicht. Zuerst müsse verbindlich geklärt werden, ob das Baurecht wie in der Studie angegeben die Erweiterung auf 18 060 Plätze hergibt. Dann muss das Planungsreferat für die Genehmigung sorgen. Sollte die Sanierung kommen, wird das Stadion wohl wie bei der letzten Sanierung während der Bauzeit nicht bespielbar sein. Damals war das Grünwalder jedenfalls für ein Jahr gesperrt.

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Die Spielvereinigung Unterhaching will den Sportpark eventtauglich machen

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Quelle: Claus Schunk

Hier ist immerhin mal die deutsche Fußball-Meisterschaft entschieden worden. Der Sportpark Unterhaching, im Mai 2000 Schauplatz einer denkwürdigen Leverkusener Niederlage gegen die hier ansässige Spielvereinigung am letzten Bundesligaspieltag, wäre im aktuellen Zustand nicht mehr für Spiele der obersten beiden Spielklassen zugelassen. Doch Drittligist Haching will hoch hinaus, weshalb Präsident Manfred Schwabl anstrebt, dass der Verein den Betrieb des Stadions von der Gemeinde Unterhaching übernimmt. In Teilen ist das schon passiert, so kümmert sich der Klub jetzt selbst um die Rasenpflege im Stadion, auch die Sanierung der maroden Osttribüne hat man aus Eigenmitteln finanziert.

Um das Stadion jedoch auch nach der für die nächsten drei Jahre anvisierten Rückkehr in die zweite Liga vollumfänglich nutzen zu können, müsste das Flutlicht leistungsfähiger werden, zudem bräuchten alle Tribünen Dächer, auch die Ränge im Süden und Norden, wo die Fans derzeit noch im Freien stehen. Die Kapazität von etwas unter 15 000 Zuschauern reicht dagegen schon jetzt für den obersten Profibereich aus, auch Parkplätze sind ausreichend vorhanden. Aktuell spielt nur die Hachinger Profimannschaft regelmäßig im Stadion, U19- und U 17-Junioren dürfen bei ausgewählten Spielen ebenfalls hier antreten. Doch wenn es nach SpVgg-Präsident Schwabl geht, soll der Sportpark womöglich irgendwann nicht mehr nur dem Fußball vorbehalten sein. Mittelfristiger Plan des seit wenigen Wochen börsennotierten Vereins ist es, aus dem Stadion eine Eventarena mit der Möglichkeit für Konzerte zu machen.

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Die Stadt prüft zwei Varianten, wie das Dantestadion saniert werden soll

Dantestadion in München, 2015

Quelle: Stephan Rumpf

Das Dantestadion will die Stadt ebenfalls in ihre Standortsuche für eine Drittliga-Arena einbeziehen. Derzeit werden dort vor allem eiförmige Bälle gekickt und geworfen, die American Footballer tragen im drittgrößten Münchner Stadion ihre Heimspiele aus. Auch die Leichtathleten nutzen es intensiv. Nach Einschätzung der Stadt wäre ein Fußballbetrieb nur alle 14 Tage möglich, was bedeutet, dass maximal eine Mannschaft einziehen könnte. Als das Dantestadion 1928 fertiggestellt war, fanden auf den Tribünen 32 000Menschen Platz. Baurechtlich genehmigt sind momentan 14 225 Besucher, doch aus Sicherheitsgründen sind nur 7300 Gäste zugelassen.

Die Stadt prüft nun für eine Generalsanierung der Haupttribüne und einen Neuaufbau der stadionumrundenden Tribüne zwei Szenarien: Einmal sollen 4999 Besucher Platz finden, was günstiger und mit weniger Auflagen behaftet wäre. Dann würde sich das Dantestadion aber nur für die Regionalliga eignen. Deshalb sieht die zweite Variante eine Kapazität von 10 001 Plätzen vor, was die Untergrenze für die dritte Liga darstellt. Allerdings wurden schon bei der Vorstellung der Varianten Zweifel der Stadt deutlich: Derzeit besuchten die Spiele der American Footballer bis zu 1900 Fans. Alles was darüber hinausgehe, sei in puncto Verkehr und Lärm kritisch zu sehen, heißt es in der Analyse.

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Die Spielstätte am Bayern-Campus dient vor allem der Nachwuchsarbeit

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Quelle: Robert Haas

Eigentlich steht ein passendes Stadion seit zwei Jahren im Münchner Norden: 2500 Zuschauer Kapazität, gute Erreichbarkeit, ein echtes Schmuckkästchen. Kleiner Schönheitsfehler aus Sicht der Stadt: Es gehört dem FC Bayern München. Schwer vorstellbar, dass der Klub einem Konkurrenten Asyl anbietet, dafür ist die Spielstätte am Bayern-Campus zu stark ausgelastet. Die U17 und die U19 tragen dort ihre Bundesliga-Heimspiele aus, zudem sind die A-Junioren in der Youth League, der Nachwuchs-Champions-League, engagiert. Für die U23, die in der dritten Liga spielt, ist das Stadion wegen der Vorgaben der Deutschen Fußball-Liga (DFL) nicht geeignet, zum Beispiel ist die Zuschauerkapazität zu gering.

Immerhin hat sich der Klub einverstanden erklärt, die Frauenmannschaft für die zweite Saisonhälfte der kommenden Spielzeit aufzunehmen, um eine Entlastung des Grünwalder Stadions zu ermöglichen. Dies soll aber nur eine zeitlich begrenzte Lösung bleiben, der Campus ist Eigentum des Vereins und dient damit neben den restlichen FCB-Abteilungen wie Tischtennis oder Handball zuvorderst der Fußball-Nachwuchsarbeit. Kernaufgabe ist es, Talente für den Profikader zu entwickeln, was seit Längerem allerdings nur mit sehr überschaubarem Erfolg gelingt.

© SZ.de/heff/toe/stga
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