Polizei in München:Spurensuche nach dem tödlichen Streit am Stachus

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Die Tat ereignete sich vor einem Drogeriemarkt in der Sonnenstraße. (Foto: Stephan Rumpf)

Bei dem Mann, der am Sonntagmorgen an seinen Stichverletzungen starb, handelt es sich um einen 25 Jahre alten Somalier. In jüngerer Vergangenheit hat es einige aufsehenerregende Messer-Attacken gegeben.

Von Joachim Mölter

Der Mann, der am Sonntagmorgen in unmittelbarer Nähe des Stachus erstochen wurde, ist identifiziert worden: Es handelt sich um einen 25-Jährigen mit somalischer Staatsbürgerschaft, wie die Polizei am Montag mitteilte. Die Feststellung der Identität sei durch den Umstand erschwert worden, dass der Mann bei den hiesigen Behörden unter mehreren verschiedenen Namen beziehungsweise Schreibweisen erfasst gewesen sei.

Die Hintergründe der Tat sind jedoch weiterhin unklar. Auch bei der Tatwaffe hält sich das ermittelnde Kommissariat 11 noch bedeckt. Es ist dort lediglich von einem "spitzen Gegenstand" die Rede, was alles einschließt von Messer, Gabel, Schere, Schraubenzieher bis hin zum Eispickel oder Ähnlichem. Beim Großteil der Untersuchungen stellt sich dann zwar ein Messer als Tatwerkzeug heraus, Berichte, wonach auch in diesem Fall eines verwendet worden sei, wollte Polizeisprecher Andreas Franken jedoch ausdrücklich nicht bestätigen. Gesichert ist bislang nur, dass der Mann an einer Stichverletzung starb. Ob es ein Stich war oder mehrere Stiche zusammenwirkten, konnte Franken nicht sagen, ebenso wenig, wo genau die tödliche Verletzung am Körper des Mannes zu verorten war.

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Den ersten Ermittlungen zufolge war es am Sonntagmorgen gegen sechs Uhr im Umkreis des Stachus zu einem Streit gekommen, bei dem mehrere Personen anwesend waren, die nun als Zeugen gesucht werden. Die tödliche Auseinandersetzung selbst habe sich wohl nur zwischen zwei Männern abgespielt, sagte Franken. Tatort war schließlich vor einem Laden in der Sonnenstraße. Nachdem Passanten Polizei und Rettungskräfte verständigt hatten, wurde das Opfer in ein Krankenhaus gebracht, wo es jedoch wenig später verstarb.

Auch wenn das Tatwerkzeug noch nicht bestimmt ist, so fügt sich der Vorfall doch ein in das Phänomen des "Messerangriffs", wie es in der Kriminalstatistik heißt, oder der "Messerstecherei", wie es umgangssprachlich genannt wird. In jüngerer Vergangenheit hat es einige aufsehenerregende Delikte dieser Art gegeben. Erst am vorigen Donnerstag hatten sich mehr als 20 Mitglieder zweier Großfamilien auf der Maximilianstraße geprügelt. Ein 22-Jähriger erlitt dabei schwere Stichverletzungen am Oberkörper; die Polizei stellte später ein halbes Dutzend Hieb- und Stichwaffen bei Beteiligten oder in deren Autos sicher. Mitte März war ein 18-Jähriger in Milbertshofen erstochen und ein 15-Jähriger durch einen Stich in den Bauch schwer verletzt worden, als zwei Gruppen von Jugendlichen sich eine Auseinandersetzung lieferten.

Der Anteil der jugendlichen Täter steigt

"Wir haben noch keine Steigerung festgestellt", sagte Polizeisprecher Franken in Bezug auf die Zahl der Messer-Vorfälle in diesem Jahr: "Wir führen keine laufende Statistik dazu." In der Münchner Kriminalbilanz werden Messerangriffe erst seit 2020 eigens geführt: Im ersten Jahr registrierten die Beamten 210 "Tathandlungen, bei denen der Angriff mit einem Messer unmittelbar gegen eine Person angedroht oder ausgeführt wird", wie es in der Definition heißt. 2021 sanken diese Delikte zwar auf 167 Fälle, innerhalb dieser Zahl stieg der Anteil von Jugendlichen und Heranwachsenden im Alter bis 20 Jahre jedoch signifikant - auf mehr als ein Drittel, exakt 36,6 Prozent.

Die Täter sind nicht nur männlich, wie ein weiterer Zwischenfall vom Wochenende zeigt: In der Nacht von Freitag auf Samstag hatte ein 17 Jahre altes Mädchen nach einem zunächst verbalen Streit an der S- Bahn Haltestelle Heimstetten ein verbotenes Springmesser gezückt und zwei jungen Frauen im Alter von 23 und 22 Jahren mit dem Tod gedroht. In diesem Fall war die Polizei rechtzeitig zur Stelle, um Schlimmeres zu verhindern.

Auch wenn es keine gesicherten Erkenntnisse gibt, was die zunehmende Messergewalt unter Jugendlichen und Heranwachsenden betrifft, so appellierte Stephan Beer, der Leiter der Münchner Mordkommission, bereits nach dem Tötungsdelikt in Milbertshofen an die besagte Altersgruppe: "Messer sind äußerst gefährliche Gegenstände. Wenn man eins mitführt, wird es oft auch angewendet."

Zum Stachus als möglichem Hotspot von Gewalttaten äußerte sich Polizeisprecher Andreas Franken am Montag ebenfalls zurückhaltend, obwohl es dort immer wieder zu Messerattacken kommt: Im Oktober war beispielsweise einem 16-Jährigen in den Arm gestochen worden, im September einem 23-Jährigen in den Hals. Während Corona sei der Karlsplatz "einer der Orte gewesen, wo sich im Freien viele Leute trafen", räumte Franken lediglich ein. Neben einem überwiegend jungen Feier-Publikum, das sich an Wochenenden spätabends oder frühmorgens dort sammelt, dient der Verkehrsknoten Stachus auch als Anlaufstelle für Kundschaft der nahen Drogenumschlagplätze wie dem Hauptbahnhof.

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