Was läuft im MusiktheaterDie Münchner Opernbühnen im Juni

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Schon in Mozarts „Le nozze di Figaro“ begeisterte Bariton Konstantin Krimmel (hier mit Louise Alder als Susanna) das Münchner Opernpublikum. Nun wird er als Don Giovanni zu erleben sein.
Schon in Mozarts „Le nozze di Figaro“ begeisterte Bariton Konstantin Krimmel (hier mit Louise Alder als Susanna) das Münchner Opernpublikum. Nun wird er als Don Giovanni zu erleben sein. Wilfried Hösl

In der Staatsoper gibt es einen neuen „Don Giovanni “, die Pasinger Fabrik zeigt  Rossinis „Der Barbier von Sevilla“, und in der Muffathalle präsentiert  Stardirigent Kent Nagano japanisches Nō-Theater.

Von Jutta Czeguhn

Ein trostloser Containerhafen, ein zitternder, nackter Alter, der Protagonist mit Perücke im Gold-Outfit, Jetset-Partys. Die Premiere von Stefan Kimmigs „Don Giovanni“-Inszenierung 2009 quittierte das Münchner Staatsopern-Publikum noch mit Buhs. Über die Jahre aber hatte man sich an dieses Setting gewöhnt, auch weil sich immer wieder famose Sängerinnen und Sänger heroisch in Kimmigs Regiekorsett zwängten. Nun steht eine Neuinterpretation an, erstmals zu sehen im Nationaltheater am 27. Juni.

Ein Hausdebüt für „Faust“-Preisträger David Hermann, den erfahrenen Opern-Regisseur, der einst bei Hans Neuenfels in die Lehre ging. Mit dem „Don Giovanni“ komplettiert Hermann den neuen Da-Ponte-Zyklus an der Bayerischen Staatsoper. Generalmusikdirektor Vladimir Jurowski steht am Pult, Ensemble-Star Konstantin Krimmel singt die Titelrolle und wird nach seinem wunderbaren Figaro und dem nicht minder souveränen Guglielmo in „Così fan tutte“ beweisen, dass er der Mozart-Bariton der Stunde ist.

Die „Don Giovanni“-Premiere 2009 hatte Kent Nagano dirigiert, damals noch Generalmusikdirektor am Münchner Haus. Das Münchner Publikum erlebt den Amerikaner nun am 23. Juni an ungewohntem Ort. „Spirit of the Moon“ heißt das außergewöhnliche Projekt in der Muffathalle, in dem Nagano sowie Mitglieder des Philharmonischen Staatsorchesters Hamburg mit dem japanischen Nō-Schauspieler Akihiro Yamamoto und dessen Theatergruppe zusammenarbeiten.

Der Geist des Mondes: Dirigent Kent Nagano (links) und der Nō-Schauspieler Akihiro Yamamoto stellen in der Muffathalle ein gemeinsames Projekt vor.
Der Geist des Mondes: Dirigent Kent Nagano (links) und der Nō-Schauspieler Akihiro Yamamoto stellen in der Muffathalle ein gemeinsames Projekt vor. Sachiko Aiba

Nagano nimmt hier Kontakt mit seinen familiären Wurzeln auf; seine Großeltern waren einst von Japan nach Kalifornien ausgewandert. Er selbst, Jahrgang 1951, wuchs auf dem Land auf, sein Vater, eigentlich Architekt, führte die Artischockenfarm des verstorbenen Großvaters fort. Das Nō-Theater-Stück „Spirit of the Moon“ basiert auf der japanischen Fabel vom „Hasen im Mond“, die mit Arnold Schönbergs berühmtem Melodram „Pierrot Lunaire“ von 1912 in Dialog tritt. Karten gibt es über das Muffatwerk.

Der Wiener Arnold Schönberg hatte seinen Lebensmittelpunkt gerade mal wieder in Berlin, als sie dort zur Jeunesse dorée zählten: Francesco und Eleonora von Mendelssohn, Sprösslinge jener berühmten Familie. Sie füllten mit ihren Extravaganzen die Klatschblätter der Zwanzigerjahre und tummelten sich in der Kulturszene. Eleonora, Patenkind der Duse, strebte eine Schauspielkarriere an, Francesco war Cello-Schüler von Pablo Casals und arbeitete als Theaterregisseur mit den Schauspielgrößen seiner Zeit. Die Nationalsozialisten trieben die beiden ins Exil nach New York, wo ihrer beider Leben letztlich ein trauriges Ende fand.

In den Münchner Kammerspielen wird das filmreife Leben dieses schillernden Geschwisterpaares am 4. Juni bei einem theatralen Konzertabend erzählt. Ensemble-Mitglied Anja Signitzer liest Texte von Constanze Nogueira Negwer, die eine fragmentarische Biografie der beiden entwerfen. Das Jewish Chamber Orchestra Munich unter Daniel Grossmann spielt Musik von Felix Mendelssohn und Zeitgenössisches der Zwanzigerjahre, die der junge Münchner Komponist Josef Piras zu einem Gesamtwerk zusammenfügt.

Und jetzt noch mal Klassik klassisch, aber mit eigenwilligem Dreh. Die Kleine Oper der Pasinger Fabrik bringt in diesem Sommer Gioacchino Rossinis „Der Barbier von Sevilla“ auf die Bühne. Inszenieren wird Florian Hackspiel, das achtköpfige Orchester leitet wie stets Andreas P. Heinzmann. Premiere ist am 26. Juni, gespielt wird bis zum 10. August. Besonders begehrt sind wieder die Karten fürs Open Air im Innenhof von Schloss Blutenburg.

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