An den Staatstheatern und Musikhäusern zählen sie jetzt die Tage bis zum Spielzeitende. Die vergangenen Wochen haben Kraft gekostet, wie beim Marathon sind die letzten Kilometer die schwersten, wenn die Beine bleischwer werden, die Energiespeicher leer sind. Auch das Publikum weiß, was es in dieser Saison geleistet hat und schaltet allmählich in einen anderen Modus um. Vorfreude. Ferien. Wir sind dann bald mal weg.
Und weil es ja immer heißt, man solle besser entspannt in den Urlaub gehen, keine Vollbremsung hinlegen, sondern sachte runterfahren, gibt es da ein paar schöne Angebote zum erfolgreichen kulturellen „Ausschleichen“.
An der Bayerischen Staatsoper haben sie in den letzten Tagen der Opernfestspiele wieder Antonín Dvořáks „Rusalka“ im Programm (23. und 25. Juli). Zwar keine leichte tschechische Märchenkost, ganz und gar nicht, schließlich hat hier einer wie Martin Kušej inszeniert und präsentiert allerlei Schockelemente wie Inzest, sexuellen Missbrauch und (künstliche) Rehkadaver. Und doch folgt man der Nixe Rusalka fasziniert auf ihrem Weg aus der Wasserwelt in die Menschenwelt. Wenn die traurige Nymphe dann vor Sehnsucht nach ihrem natürlichen Element in ein Aquarium steigt, ist das ein unvergessliches Bild.
Unberührt von allen Regiestrategien bleibt Dvořáks Musik, die schwedische Sopranistin Malin Byström wird Rusalkas ergreifendes „Lied an den Mond“ interpretieren. Am Pult steht der designierte Generalmusikdirektor der Staatsoper Petr Popelka, der als Tscheche tief in Dvořáks Klanglandschaften beheimatet ist. Apropos: Warum nicht mal die Natur Böhmens, die mährischen Beskiden oder das Altvatergebirge durchwandern?

Wohin ist das Wunderauto „Tschitti Tschitti Bäng Bäng“ unterwegs? Das Gärtnerplatztheater schickt diesen magischen Oldtimer am 24. Juli (Spielzeitpremiere!) wieder Richtung „Vulgarien“. Und weil wir uns in einem Musical – übrigens nach einem Kinderbuch von James-Bond-Erfinder Ian Fleming – befinden, kann die alte Schrottkarre sogar schwimmen und fliegen. Erstens, weil sie der Erfinder Caractacus Potts aufgemotzt hat, und zweitens, weil Staatsintendant Josef E. Köpplinger diesen Musical-Klassiker mitreißend charmant und opulent in Szene setzt. Weitere Vorstellungen gibt es am 25., 26., 28., 29. und 30. Juli. Bleibt nur noch die Frage: Wo liegt dieses Land Vulgarien? Wahrscheinlich ist es eh mit einer Reisewarnung belegt, denn dort, so die Geschichte, leben die Kinder im Untergrund, weil sie vom „Kinderfänger“ auf Geheiß eines finsteren Barons gejagt werden.

Und nun zu etwas völlig anderem: Unterwegs mit klarem Auftrag ist die Ritterschar im Singspiel „Spamalot“, die König Artus um sich schart. Es gilt, was sonst, den Heiligen Gral zu finden. Beim wem es jetzt klingelt: Genau, „Monty Python and the Holy Grail“, deutscher Titel, „Die Ritter der Kokosnuss“! Ausgesucht britischer Anarcho-Humor: Galoppierend hoppelnde Ritter ohne Pferd, gefolgt von ihren Knappen, die mit Kokosnusshälften das Hufgetrappel imitieren. Fiese Franzosen, die Kühe über die Burgzinnen katapultieren. Der verwegene schwarze Ritter, nach einem Duell nur noch ein Fleischtorso, spricht den legendären Satz: „Na gut, einigen wir uns auf Unentschieden!“ Und in der Höhle von Kerbenok haust das bösartigste Nagetier ever, das weiße Killer-Kaninchen.
Zwei Jahre hatte Eric Idle zusammen mit Komponist John du Prez an dem Musical zum Film gearbeitet, ehe er es überhaupt wagte, seinen Python-Kollegen das Script und CDs mit den Musikstücken zu schicken. Der Rest ist Geschichte, seit der Uraufführung 2004 im Shubert Theatre in Chicago, Regie führte Mike Nichols, hopsen Arturs Mannen von Erfolg zu Erfolg auf den Bühnen der Welt.
Nun werden sie ihre Abenteuerreise in Augsburg fortsetzen, inszeniert hat diese wunderbar bekloppte musikalische Rittersaga Anna Weber. Die nächsten Vorstellungen auf der Sommerbühne am Gaswerk sind am 22., 23., 24., 25., 28., 29., 30. und 31. Juli, Beginn jeweils 20.30 Uhr. Und auch hier ist für die Gralssucher der Weg das Ziel.

