Die Bayerischen Staatsgemäldesammlungen haben das Werk „Die Porte Saint Martin in Paris“ von Albert Schwendy an die Erben nach Rudolf Hofmann restituiert – und im Anschluss zurückgekauft. Der Rückkauf des Gemäldes erfolgte wohl weniger wegen der kunstgeschichtlichen Bedeutung des Bildes für die Sammlung. Vielmehr habe einer Sprecherin der Staatsgemäldesammlungen zufolge die umfangreiche Restitutionsgeschichte den Ausschlag gegeben.
Das Bild erzählt nämlich einiges über den Umgang der Staatsgemäldesammlungen mit Kunst- und Kulturgütern, die während der NS-Zeit widerrechtlich entzogen wurden. Mithin ist es ein Stück Münchner Geschichte.
Das Gemälde, entstanden um 1867, wurde 1902 erstmals bei einem Auktionshaus in Berlin gehandelt. Wer es dort eingeliefert hatte, konnte nicht erforscht werden. 1934 tauchte es in der bekannten Münchner Kunsthandlung Hugo Helbing auf, wo es zweimal zur Auktion angeboten wurde. Bei den Novemberpogromen 1938 wurde der jüdische Kunsthändler Hugo Helbig so schwer verletzt, dass er wenig später an den Folgen starb.
1941 wurde die Galerie Helbing durch den Verkauf an Jakob Scheidwimmer zunächst „arisiert“ und im Oktober des gleichen Jahres von der Gestapo enteignet. Auf einer Liste, die dabei angelegt wurde, findet sich unter anderem das Gemälde von Albert Schwendy. Durch Ernst Buchner, Generaldirektor der Bayerischen Staatsgemäldesammlungen, gelangte es 1942 zusammen mit anderen Werken, die als „nichtarischer Besitz“ eingestuft worden waren, in die Staatsgemäldesammlungen.
Der Besitzer, der es bei der Galerie Helbig eingeliefert hatte, war in alten Unterlagen von Helbig als R. Hofmann verzeichnet. Im Zuge der Restitutionsforschung konnte Rudolf Hofmann eindeutig identifiziert werden. Der pensionierte Bankdirektor zog im Mai 1933 mit seiner Familie aus Thüringen nach München. 1938 musste er eine Judenvermögensabgabe leisten und wurde 1941 zu Zwangsarbeit in Milbertshofen verpflichtet. Aufgrund seiner jüdischen Herkunft verlor er sein Haus, seine Kinder wurden einem Vormund anvertraut. 1942 musste die Familie, obwohl seine Frau nicht Jüdin war und ihre Kinder getauft waren, in ein „Judenhaus“ in der Elisabethstraße umziehen. Das Gebäude wurde im Januar 1945 durch eine Fliegerbombe getroffen. Während seine Frau Franziska und sein Sohn Werner überlebten, kamen Rudolf Hofmann und seine Tochter Mathilde ums Leben.
Das Bild „Die Porte Saint Martin in Paris“ von Albert Schwendy soll nach Auskunft der Sprecherin der Staatsgemäldesammlung Gegenstand eines Films des Bayerischen Rundfunks werden in der Reihe „Kunst, Raub und Rückgabe“. Außerdem sei eine Ausstellung zur Provenienzforschung geplant, in der auch dieses Bild, das aktuell nicht ausgestellt ist, zu sehen sein wird.
