Im Millionenstreit um den Grundstücksverkauf eines großen Münchner Sportvereins hat die klubinterne Opposition am Montagabend eine schwere Niederlage erlitten. Die Mitgliederversammlung der Turnerschaft Jahn von München 1887 (TS Jahn) lehnte mehrere Anträge, die etwa auf eine Rückabwicklung des Kaufvertrags und den Rückzug aus einem Rechtsstreit vor dem Bundesgerichtshof (BGH) zielten, nahezu geschlossen ab.
Von 237 anwesenden Mitgliedern stimmten nur etwa zehn für die Anträge der Opposition. Insgesamt hat die TS Jahn mehr als 5000 Mitglieder und ist damit einer der größten Sportvereine der Stadt.
Peter Wagner, Präsident der TS Jahn, zeigte sich tags darauf zufrieden mit den Ergebnissen. Es sehe eben nur ein sehr kleiner Teil des Vereins den 2018 erfolgten Verkauf eines Grundstückes in Freimann für 25 Millionen Euro an die Bayerische Hausbau kritisch. Wagner schilderte den Verlauf der mehr als fünfstündigen Versammlung, die erst nach Mitternacht endete, als „hitzig und mit teilweise persönlichen Angriffen“. Nun hoffe er „auf eine Befriedung“.
Damit allerdings ist wohl vorerst nicht zu rechnen. Tilman Steiner, der seit Jahrzehnten Vereinsmitglied ist und als Rechtsanwalt die Opposition vor Gericht vertritt, sagt zwar über den Verlauf des Abends: „Wir sind komplett untergegangen.“ Allerdings macht er das Präsidium für eine teils feindselige Stimmung verantwortlich, es sei „keinerlei Argumentieren gegen die hergestellte Stimmung möglich“ gewesen, so Steiner, zu dessen Gruppe auch der Stadtrat Dirk Höpner (München-Liste) gehört.
Ihr Hauptkritikpunkt ist, dass der Verkauf des gut vier Fußballfelder großen Grundstücks an der Freisinger Landstraße für einen laut Vertrag „geschätzten endgültigen Kaufpreis“ von 25,3 Millionen Euro zu niedrig erfolgt sei, zumal die Bayerische Hausbau noch Planungs- und Erschließungskosten auf den Kaufpreis anrechnen kann. Das Unternehmen plant auf dem ehemaligen Jahn-Grundstück und benachbarten Flächen ein neues Quartier mit insgesamt 600 Wohnungen, es läge direkt am Garchinger Mühlbach und nahe dem Englischen Garten.
Die Opposition verweist auf ein im Jahr 2021 eingeholtes unverbindliches Angebot eines anderen Immobilienunternehmens für 40,2 Millionen Euro. Vereinspräsident Wagner hält den erzielten Kaufpreis für angemessen, das hätten mehrere „gutachterliche Einschätzungen“ ergeben.
In den Jahren 2018 und 2021 haben Mitgliederversammlungen dem Verkauf zugestimmt. Die Kritiker haben aber die Gültigkeit dieser Beschlüsse angefochten. In einem Fall haben sie vom Oberlandesgericht (OLG) München recht bekommen. Dagegen hat das Vereinspräsidium Revision beim BGH eingelegt. Eine zweite OLG-Entscheidung ist für den 2. Mai angekündigt. „Es wird also der BGH das letzte Wort sprechen“, sagt Tilman Steiner.
Das Vereinspräsidium und die Bayerische Hausbau vertreten allerdings die Rechtsauffassung, dass es auf diese Entscheidung letztlich nicht mehr ankomme, weil der Kaufvertrag inzwischen wirksam geworden sei. Sie beziehen sich dabei auf ein weiteres OLG-Urteil von 2022.
Für das Szenario einer Rückabwicklung sieht Präsident Wagner die Gefahr einer Insolvenz des Vereins. Teile des Verkaufserlöses sind bereits in die Erweiterung des Jahn-Standorts an der Weltenburger Straße im Stadtbezirk Bogenhausen geflossen. Doch dieses Szenario ist nun abgewendet, zumindest vorerst.

