Münchens Sportpolitiker surfen auf einer Euphorie-Welle, seit die Bürgerinnen und Bürger am Sonntag mit deutlicher Mehrheit einer Olympia-Bewerbung der Stadt für 2036, 2040 oder 2044 zugestimmt haben. Diese Welle wollten sie nutzen, um am Mittwochnachmittag gleich drei weitere Bewerbungen für sportliche Großereignisse auf den Weg zu bringen – doch im Sportausschuss des Stadtrats verebbte der Schwung gleich wieder: Die Frage, ob sich München um die Austragung der Triathlon-Weltserie in den Jahren 2027, 2028 und 2029 sowie eines prestigeträchtigen Eishockey-Turniers im Winter 2028 bemühen soll, wurde erst einmal vertagt.
Der Mehrheit der Ausschussmitglieder kamen die Beschlussvorlagen mit den notwendigen Informationen und Argumentationen zu kurzfristig: Sie wurden erst am Montagabend veröffentlicht, die meisten Stadträte hätten gern mehr Zeit gehabt, um das Für und Wider abzuwägen. Schließlich geht es um Zuschüsse in Millionenhöhe, welche die Stadt zusätzlich aufbringen müsste – und das in einer Zeit, in der der Stadtkämmerer dringend mahnt, Ausgaben zu kürzen.
„Eishockey und Triathlon werden wir noch diskutieren“, sagte Beppo Brem, der sportpolitische Sprecher der Grünen im Stadtrat. Selbst die CSU-Fachfrau Ulrike Grimm monierte die kurzfristig zur Verfügung gestellten Vorlagen; grundsätzlich würde ihre Partei aber „allen drei Bewerbungen zustimmen“, hatte sie vor Beginn der Sitzung gesagt.
Letztlich konnte sich der Sportausschuss nur auf die Zustimmung zu einer Veranstaltung einigen – die Junioren-Europameisterschaften im Schwimmen und Synchronschwimmen, die im kommenden Sommer in der Olympia-Schwimmhalle ausgetragen werden sollen. Im Grunde fordert der europäische Schwimm-Verband für seine Titelkämpfe zwar ein Wasserbecken mit zehn Bahnen; für das Münchner Olympiabad mit seinen acht Bahnen würde er aber eine Ausnahme machen. Vorbehaltlich einer Mitfinanzierung von Bund und Land soll die Stadt für die 15-tägige Veranstaltung bis zu 600 000 Euro bereitstellen. Die formale Entscheidung fällt in der nächsten Vollversammlung am 26. November.
Mit den drei Veranstaltungen wolle München sein Profil als „lebendige Sportstadt“ schärfen und gerade im Hinblick auf die Olympia-Bewerbung „Organisations-Erfahrung auf höchstem internationalen Niveau sammeln“, hieß es in den Begründungen der Beschlussvorlage. Als Gastgeber hochkarätiger Veranstaltungen will München auch beim Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB) punkten. Der DOSB wählt aus aktuell vier Interessenten letztlich die Stadt aus, die er ins Kandidatenrennen beim Internationalen Olympischen Komitee (IOC) schickt. Diese Entscheidung soll im September 2026 fallen.

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Bis dahin kann sich München also allenfalls mit gelungenen Titelkämpfen der Nachwuchs-Schwimmer im Alter von 14 bis 18 Jahren profilieren. „Schwimmen hat auf internationalem Level seit Langem nicht mehr in München stattgefunden“, schreibt Sportreferent Florian Kraus in der Beschlussvorlage; die Junioren-EM sei für die Stadt mithin „ein sichtbarer und glaubwürdiger Beitrag zur olympischen Bewegung“.
Mehr Prestige und mehr globale Aufmerksamkeit hätten freilich die beiden anderen Veranstaltungen eingebracht – die allerdings auch erst nach der Entscheidung über den deutschen Olympia-Bewerber stattfinden würden. Im Triathlon hatte der deutsche Verband angeregt, dass sich München in den Jahren 2027 und 2028 um zwei Rennen des World Cups bewirbt und darauf aufbauend im Jahr 2029 um einen Event der höherwertigen World-Championship-Serie. Als Termin steht jeweils ein Wochenende im September zur Debatte. Geht es nach der Deutschen Triathlon-Union (DTU), soll München über diesen Drei-Jahres-Zeitraum hinaus dauerhaft als Austragungsort von Spitzenevents etabliert werden.
Beim World Cup of Hockey ist angedacht, dass im Februar 2028 die besten Eishockeyprofis der Welt aufeinandertreffen. Das Turnier basiert auf einer früheren Veranstaltungsreihe in Nordamerika, die dort beheimatete Profiliga NHL will es nun über den Kontinent hinaus vermarkten.

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München mit seiner neuen Arena im Olympiapark wäre dem Anschein nach erste Wahl der NHL für Europa, der hiesige Eishockey-Erstligist als Ausrichter soll allerdings schon bis zum 3. November Bescheid sagen, ob Interesse besteht. Diese Dringlichkeit war auch in der Beschlussvorlage hinterlegt, hat den Sportausschuss aber nicht zu einer bevorzugten Behandlung des Anliegens bewogen. Ob das Interesse der NHL an München weiterhin Bestand hat oder ob es nun erlischt, ist ungewiss.
Die Stadt hat sich für die kommenden Jahre bereits einige sportliche Großereignisse gesichert, zum Beispiel das Internationale Deutsche Turnfest im Jahr 2029. Zudem verhandelt die Stadt derzeit über eine Vertragsverlängerung mit der amerikanischen Football-Profiliga NFL für die Jahre 2026 bis 2029. Offenbar geht es nur noch um die Frage, ob in diesem Zeitraum zwei oder vier Partien in München ausgetragen werden.
Dem Vernehmen nach ist ein weiteres Großereignis im Schwange: Der Deutsche Leichtathletik-Verband DLV hat großes Interesse, wieder einmal Weltmeisterschaften in der olympischen Kernsportart Nummer eins auszurichten, am liebsten im Münchner Olympiastadion. Infrage kommen die Jahre 2029 oder 2031, der Weltverband steht dem Vorhaben angeblich sehr aufgeschlossen gegenüber. Auch hier sollen die Gespräche schon weit fortgeschritten sein.

