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Sportvereine in der Corona-Krise:Wer die Halle nutzt, muss auch zahlen

Feldkirchen, Sporthalle Richthofen Straße, Sport für alle, ein Mitmachabend

Im Moment werden die Sporthallen wegen Corona kaum genutzt - doch in normalen Zeiten sind die Kapazitäten knapp.

(Foto: Florian Peljak)

Die Stadt erlässt den Vereinen nicht die Nutzungsgebühren für die gesamten zwei Corona-Jahre. Die reagieren verständnisvoll - obwohl die Lage durch Mitgliederschwund und zusätzliche Hygienekosten mancherorts angespannt ist.

Von Linus Freymark

Die Münchner Sportvereine können in der Corona-Pandemie nicht auf ein finanzielles Entgegenkommen der Stadt bauen. Der Sportausschuss hat einen entsprechenden Antrag von CSU und FDP, ihnen pauschal die Nutzungsgebühren für die Sporthallen für die Krisen-Jahre 2020 und 2021 zu erlassen, mit großer Mehrheit abgelehnt. Der Hauptgrund für die Ablehnung: die hohen Belastungen für den ohnehin angeschlagenen städtischen Haushalt.

Dieses Argument stößt selbst bei Vereinsvertretern auf Verständnis. "Wir müssen alle schauen, wie wir durch diese Krise kommen", sagt etwa Feit Hesse, Geschäftsführer des MTV München, des größten Breitensportvereins der Innenstadt. "Auch die Stadt steht finanziell mit dem Rücken zur Wand."

Die Antragsteller hatten ihre Forderung mit der angespannten finanziellen Situation der Vereine in der Corona-Pandemie begründet. Neben den zusätzlichen Ausgaben für Hygienekosten kämpften die Vereine zudem mit Mitgliederschwund, schrieb die CSU-Stadträtin Ulrike Grimm in ihrem Antrag. Die FDP verwies in ihrem Schreiben auf das Vorbild Bochum: Dort habe die Stadt den Vereinen bereits zu Beginn der Corona-Krise die Nutzungsgebühren erlassen. Auch die Stadt München solle den Klubs durch diesen Schritt entgegenkommen.

Um die finanziell angespannte Situation ging es dann auch in der Sitzung - über die der Stadt. Knapp 1,5 Millionen Euro bezahlen die Vereine jährlich an die Stadt für die Nutzung der Sportstätten. Und weil die Hallen wegen der Pandemie im vergangenen Jahr von März bis Ende Juli für den Breitensport geschlossen waren und seit Oktober erneut nicht mehr genutzt werden können, ergäben sich dadurch bereits Einnahmeverluste - denn die Vereine müssen nur für die Zeiträume Miete zahlen, in denen sie die Hallen auch nutzen können. Zudem sei der Gestaltungsspielraum der Stadt gering; als Kommune ist sie verpflichtet, alle Einnahmen, die ihr zustehen, auch einzutreiben, heißt es in der Beschlussvorlage des Referats für Bildung und Sport. Pauschal auf die Nutzungsgebühren zu verzichten, sei folglich nicht ohne Weiteres möglich.

Die Vereine zeigen Verständnis für diese Begründung und loben sogar die bisherige Unterstützung durch die Stadt. "Die Zeiten, in denen wir die Hallen nicht nutzen konnten, haben wir auch nicht in Rechnung gestellt bekommen", sagt etwa Markus Maucher, Leiter der Geschäftsstelle beim ESV Neuaubing. Dass man die Monate, in denen der Sportbetrieb in den Hallen stattfinden konnte, bezahlt, sei "selbstverständlich". Ärgerlich wäre es jedoch, wenn im Nachgang noch eine Rechnung für die Monate komme, in denen die Hallen geschlossen waren, sagt Maucher. Sollte das wider Erwarten eintreten, käme auf die Vereine "ein Batzen zu, der viele in die Knie zwingen würde".

Neue Sportstätten in Planung

Die Stadt München prüft drei neue Standorte für den Bau von Sporthallen. Das hat der Sportausschuss am Mittwoch auf Antrag der SPD/Volt-Fraktion im Rathaus einstimmig beschlossen. Näher untersucht werden soll nun das Gelände an der Schäftlarnstraße neben der Großmarkthalle. Auch das Areal an der Görzer Straße in Ramersdorf kommt für den Bau einer Turnhalle infrage. Gleiches gilt für den Herrmann-von-Siemens-Sportpark in Obersendling.

Mit dem Beschluss des Sportausschusses treibt die Stadt den Ausbau der Indoor-Sportstätten trotz der durch die Corona-Krise entstandenen Löcher im städtischen Haushalt weiter voran. Auf dem Bildungscampus in Freiham sowie jenem in der Messestadt wird bereits gebaut; auch die drei Schulbauprogramme, durch die weitere Hallen entstehen sollen, laufen bereits. Durch diese Maßnahmen sollen insgesamt 35 weitere Sporthallen errichtet werden. Am meisten profitieren davon die Stadtteile Obergiesing-Fasangarten und Untergiesing-Harlaching.

Die begrenzten Kapazitäten in den Münchner Sporthallen beschäftigen die Kommunalpolitik schon seit mehreren Jahren. 429 Indoor-Sportstätten an Schulen und von Vereinen gibt es derzeit in München. Neben dem Schulsport, der vor der Corona-Pandemie am Vor- und Nachmittag stattfand, wurden die Schulhallen in den Abendstunden von einem Großteil der 618 Münchner Sportvereine genutzt. In der Vergangenheit war der Platz in den Hallen knapper geworden, vor allem die Vereine beklagten Überbelegungen. lfr

Beim MTV München hatte man zwar auf einen Erlass der Nutzungsgebühren für 2020 und 2021 gehofft, "es ist immer gut und wichtig für uns, wenn wir finanziell entlastet werden", so Geschäftsführer Hesse. Allerdings sei die dafür fällige Summer nur "ein Tropfen auf dem heißen Stein". Es sei bereits viel für die Vereine getan worden, vor allem die Verdoppelung der Vereinspauschale durch den Freistaat Bayern sei sehr hilfreich gewesen.

Rund 30 000 Euro zahlt der MTV München jährlich an die Stadt. Der weitaus größere Kostenpunkt sind aber die gut 600 000 Euro, die für den Betrieb der vereinseigenen Sportanlagen anfallen. Weil die Gebäude weiter beheizt und ab und an auch ohne laufenden Betrieb saniert werden müssen, seien diese Ausgaben in der jetzigen Situation das weitaus größere Problem. Dass die Stadt keine Gebühren für die Monate erhebt, in denen im vergangenen Jahr die Nutzung nicht möglich war, begrüßt Hesse: "Das ist eine faire Geste."

Auch Markus Maucher vom ESV Neuaubing freut sich mehr über die bisherigen Zuwendungen durch Stadt und Freistaat, als dass er sich über die Ablehnung des Antrags ärgert: "Jede Art von Unterstützung hilft uns."

Ganz endgültig ist die Ablehnung zwar noch nicht; für die endgültige Beschlussfassung ist eine Mehrheit in der Vollversammlung des Stadtrats nötig. Die Beschlussvorlage sowie die Begründungen des Referats fürs Bildung und Sport für die Ablehnung überzeugten am Mittwoch im Alten Rathaus aber sogar die Antragsteller selbst. Sie könne die Gründe sehr gut nachvollziehen, sagte Stadträtin Ulrike Grimm. Nur müsse man dies vielleicht besser an die Vereine kommunizieren, denn: "Ich habe den Antrag ja nicht ohne Grund gestellt."

© SZ vom 16.04.2021/kafe
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