Theater:Spielziele versus Sparziele

Das Theater Hoch X plant die neue Spielzeit und sorgt sich um künftige Zuschüsse. Kritik an den Kürzungen im Kulturbereich kommt von Kulturstaatsministerin Monika Grütters.

Von Yvonne Poppek, München

Für München hatte Kulturstaatsministerin Monika Grütters bei der Verleihung des Theaterpreises des Bundes am 8. Juli in Berlin klare Worte: "Es war ja wirklich ein bisschen Schock für uns alle, dass sie bereits im November gesagt haben, dass sie um sechs Prozent ihren kommunalen Haushalt kürzen", sagte sie. Die Befürchtung sei immer da gewesen, dass die Kommunen beim Kassensturz nach Corona am Ende auch bei der Kultur sparen würden. Man habe versucht, bei jeder Gelegenheit dagegen zu arbeiten, sagte Grütters. "Und trotzdem kommt ausgerechnet eine so wohlhabende Kommune wie München als erstes mit so einer Botschaft rüber. Das fanden wir schon eine ziemlich schockierende Ansage." In München mussten damals alle Referate 6,5 Prozent einsparen, neue Kürzungen stehen wieder an.

Bevor die Kulturstaatsministerin die kritische Bemerkung in Richtung München schickte, hatte sie an das freie Theater Hoch X einen der elf Theaterpreise des Bundes verliehen, 75 000 Euro Preisgeld sind damit verbunden. Die Auszeichnung betrachten die beiden künstlerischen Leiterinnen Ute Gröbel und Antonia Beermann als einen "Ermutigungspreis". Gleichzeitig machte Gröbel in Berlin doch auch deutlich: "Wir blicken mit Sorge in die Zukunft was die anstehenden Kürzungen im Kulturetat der Stadt München angehen." Eine Sorge, die Gröbel und Beermann bei der Vorstellung des Spielzeitprogramm 2021/22 am Freitag direkt adressieren konnten: an Kulturreferent Anton Biebl, der eigens zur Präsentation ins Hoch X gekommen war. "Ich versuche, die freie Szene von den Einsparungen zu verschonen", sagte Biebl. Allerdings betonte er auch: Alle Bereiche - auch Bildung oder Soziales - werden sparen müssen, "da tu ich mich schwer zu sagen, bei uns nicht".

Das Hoch X hat in jedem Fall viele spannende Projekte für die kommende Spielzeit geplant, von dem man bei jedem einzelnen nur hoffen kann, dass es keiner Kürzung zum Opfer fällt. Eröffnet wird am 15. September mit "Hibernation" der Gruppe O-Team, eine Mischung aus Maschinenperformance, Livekonzert und Bildertheater. Eine Woche später erforscht die kanadische Choreografin Jasmine Ellis in "Skin Hunger" die Folgen von Berührungsmangel. Es folgen weitere Uraufführungen, im Herbst 22 ist das Hoch X dann Austragungsstätte des Freischwimmen-Festivals der freien Szene.

© SZ/arga/blö
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