Münchner Momente:Der Weps weiß halt, was schmeckt

Lesezeit: 2 min

Speziflaschen am Kulturstrand in München, 2020

Speziflaschen - hier im Original mit Zucker.

(Foto: Catherina Hess)

Mit dem "Spezi Zero" ist eine der letzten Bastionen der Zuckerbomben-Getränke gefallen. Aber vielleicht ist das ja sogar besonders biergartenfreundlich?

Glosse von Philipp Crone

Was ist eigentlich das Schöne an so einem Spezi? Bevor man Antworten auf diese Frage suchen kann, muss erst einmal der Begriff geklärt werden. Das ist nämlich wie bei Tesa, Tempo oder Selters: Eine Marke steht fürs Ganze. Spezi stammt laut Aussage der Riegele-Brauerei in Augsburg aus der Riegele-Brauerei in Augsburg. Dort wurde nach dem Zweiten Weltkrieg zunächst ein Bier mit dem Namen Spezi auf den Markt gebracht, bis dahin stand das Wort auf Bairisch ausschließlich für Freund, seit 1956 ist der Begriff geschützt. Eine neue Rezeptur, einen Verband und viele Lizenzen später gibt es neben dem Original auch ein eigenes Spezi von Paulaner, das von Flötzinger heißt unverfänglich Cola Mix, und seit bei der Titelsuche von Schwip Schwap und Mezzo Mix offenbar die Werbe-Abteilungen im Urlaub waren, übertreffen sich Kreativbüros mit Namen wie Bazi oder Mischmasch.

Kalt, prickelnd, süß, leicht zitronig duftend und coffeinig anregend ist es natürlich eines dieser sogenannten Erfrischungsgetränke. Dann verkörpert es aber auch Tradition, denn alle Buben und Madeln unter dem weißblauen Himmel im Bayernland trinken Spezi, klar. Zumindest alle, die schon drei Mal gegen Karies geimpft sind. Und wer beim Saufausflug aus EBE oder FFB den Kürzesten zieht, kriegt als Trostpreis für den Fahrdienst ein Spezi. Auf der Wiesn kommt der Masspreis an den für Bier ran, und im Sommer bedroht das Spezi massiv natürliche Bierotope wie die Isar und den Englischen Garten. Dazu kam und kommt immer der Hauch des Verbotenen. Koffein, und ganz viel Zucker. Bislang.

Jetzt hat als eine der eher letzten die Brauerei Paulaner ihrem Spezi eine Null-Variante hinzugefügt; bei Riegele, Flötzinger & Co. gibt es schon längst ein Zero neben dem Vollzucker-Original. Spezi ohne Zucker? Das ist wie Bier ohne Alkohol oder FC Bayern ohne Ärger. Schmeckt irgendwie nach Spezi, nur ein bisschen so, als hätten sie in der Abfüllerei zu wenig Sirup reingeschüttet. Ist aber eh nur ein Werbetrick. Null, damit ist Zucker in seiner landläufig bekannten Form wie etwa Zuckerwürfel oder Zuckerrübe gemeint. Dafür ist halt Süßstoff drin, der zusammen mit anderen Stoffen in größeren Mengen abführend wirkt. Aber gut, was wirkt schon nicht abführend in größeren Mengen, außer Knödel vielleicht.

Jedenfalls kann man bei der bayerisch-braunen Brause zwischen Geschmack und wenig Geschmack unterscheiden, zwischen Voll und Null, Diabetes und Durchfall. Die Hoffnung der Brausebrauer ist, dass so ein Zero-Angebot sogar besonders biergartenfreundlich ist. Der herumsummende Weps steht nämlich nicht so auf Süßstoffe. Der weiß halt, was schmeckt.

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