Spendenaktion:Was der SZ-Adventskalender bewirkt

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Spendenaktion: Über ein neues Bett und einen neuen Schreibtisch freut sich Melinda mit ihrer Mutter Ceyda Y., die inzwischen ihre Ausbildung abschließen konnte.

Über ein neues Bett und einen neuen Schreibtisch freut sich Melinda mit ihrer Mutter Ceyda Y., die inzwischen ihre Ausbildung abschließen konnte.

(Foto: Catherina Hess)

In schwierigen Lebenslagen trägt das Spendenhilfswerk der SZ-Leserinnen und -Leser dazu bei, Menschen neue Perspektiven zu eröffnen. Drei Beispiele.

Von Bernd Kastner, Sven Loerzer und Berthold Neff

Die Corona-Pandemie hat viele Menschen schwer getroffen. Ganz besonders gelitten haben Familien mit Kindern, die in beengten Verhältnissen leben und mit wenig Geld zurechtkommen müssen. Alles andere als einfach war die Zeit auch für alte Menschen. Eine wichtige Hilfe für Tausende Menschen in München und der Region war da das außerordentliche Engagement der SZ-Leserinnen und SZ-Leser für ihr Spendenhilfswerk, den "Adventskalender für gute Werke". Eine Woche vor dem Start der 74. Spendenaktion blickt die SZ zurück: Was hat die Unterstützung gebracht?

Schreibtische und ein gutes Bett

So macht Lernen noch mehr Spaß: Stolz zeigt Melinda Y. auf ihren neuen Schreibtisch, an dem sie jetzt ihre Hausaufgaben erledigt. Die erste Klasse hat sie schon erfolgreich gemeistert, jetzt besucht sie die zweite und hat nun durch die neue Anschaffung mehr Platz, um die von ihr so geliebten Zeichnungen aufs Papier zu zaubern oder sich mit Rechnen zu beschäftigen. Das erscheint vielen schwer, ist aber keine Zauberei, wie sie an ihrer älteren Schwester sieht, die gerade die Fachoberschule besucht, ihr Abitur ablegen wird und danach irgendwas mit Zahlen machen wird, weil sie in Mathe stets eine Eins hat.

Auch sonst hat sich viel verändert in der Wohnung, seit es der SZ gelungen ist, mit Hilfe der Leser, die für den Adventskalender gespendet haben, die alleinerziehende Ceyda Y. und ihre drei Kinder zu unterstützen. In der Küche steht jetzt ein Esstisch, an dem die Familie gemütlich zusammensitzt. Eine Waschmaschine erleichtert den Haushalt, was für Ceyda Y. wichtig ist, denn sie muss nicht nur für ihre Kinder da sein, sondern arbeitet auch, um ihnen ein Vorbild zu geben. Sie hat, obwohl schon jenseits der 40, eine Ausbildung zur Sozialpädagogischen Assistentin abgeschlossen und arbeitet derzeit beim Bayerischen Roten Kreuz.

Nun will sie sich für eine Stelle bei der Stadt bewerben, in einem Jugendheim oder einem Waisenhaus. Sie hofft, die Stelle zu bekommen, und sie versucht, nahtlos dorthin zu wechseln, "ohne arbeitslos zu sein". Sie ist stolz darauf, auf eigenen Füßen zu stehen. Ohne die Hilfe der SZ-Leser, aus eigener Kraft, hätte sie es aber nicht geschafft, aus der schwierigen familiären Situation auszubrechen, ihren Kindern neue Perspektiven zu eröffnen.

Aber jetzt hat Melinda nicht nur einen Schreibtisch, sondern auch ein gutes Bett, einen Roller und eine Schneekugel - die von einem Leser kam. Ihr Bruder Edin, der viel Sport macht, hat neue Schuhe bekommen, und im Zimmer der ältesten Tochter steht jetzt auch ein Schreibtisch, damit auch sie ihre Hausaufgaben nicht länger am Küchentisch erledigen muss. "Es geht aufwärts", sagt Ceyda Y., voller Dankbarkeit für die Hilfe und mit neuem Antrieb, das Leben zu meistern.

Glücklich mit der Stelle als Pflegehelferin

Es ist, als würde man ihr Strahlen durchs Telefon sehen. "Es geht bergauf", sagt Martha Weber (Name geändert). Viel habe sich geändert seit Ende letzten Jahres, viel habe sich verbessert, sagt die alleinerziehende Mutter zweier Kinder. Ihr Sohn ist jetzt fünf Jahre alt und entwicklungsverzögert, er hat spät angefangen zu sprechen. Lange Zeit fand die Mutter keinen passenden Betreuungsplatz, aber seit gut einem Jahr besucht er eine heilpädagogische Tagesstätte, in der er sich sehr wohl fühle. Glücklich sei er, sagt Martha Weber.

Sie selbst klingt auch so. Inzwischen arbeitet sie wieder, sie hat eine Ausbildung zur Pflegehelferin gemacht und eine Stelle in einem Seniorenheim angetreten. Ob es ihr gefalle? "Auf jeden Fall", sie lacht, "da gehe ich gern hin." Tolles Team, toller Arbeitgeber, und vor allem: Jetzt muss die Familie nicht mehr von Hartz IV leben. Während der Pandemie war die Ehe von Martha Weber zerbrochen, auch deshalb, weil die Firma des Mannes die Corona-Flaute nicht überstand. Der berufliche Druck auf den Vater habe sich auf die gesamte Familie ausgewirkt, sie saßen viel daheim, es gab Konflikte.

Spendenaktion: Nach schwierigen Jahren geht es für Martha Weber wieder aufwärts. Für sich und ihren Sohn konnte sie neue Betten anschaffen.

Nach schwierigen Jahren geht es für Martha Weber wieder aufwärts. Für sich und ihren Sohn konnte sie neue Betten anschaffen.

(Foto: Catherina Hess)

Viel Geld war in der Familie die letzten Jahre nicht da. Umso mehr hat sich die Mutter mit ihren beiden Kindern über die Spende vom Adventskalender gefreut. Sie konnte sich endlich ein neues, gutes Bett mit einer guten Matratze leisten, so breit, dass auch mal die beiden Kinder neben der Mutter Platz haben. Und das Beste daran sei, sagt Martha Weber, dass nun ihre Rückenschmerzen nachgelassen hätten. "Ich schlafe wunderbar." Für den Buben haben sie auch ein neues Bett gekauft und ein Fahrrad. Die Tochter, sie ist im Teenageralter, hat sich ein Skateboard gewünscht, und was zum Anziehen. "Vielen, vielen Dank an alle, die uns das ermöglicht haben", sagt Martha Weber.

Geld für Reparaturen

"Oh ja, die Spende war ganz toll", sagt Irmgard V., "ich konnte viele Dinge reparieren lassen." Ihre Schuhe zum Beispiel. Und ihre Kleider konnte sie ändern lassen, weil sie abgenommen hat. Ein Ersatzteil für die Waschmaschine beschaffen, die ihr ein Nachbar reparieren will. "Dafür bin ich sehr dankbar." Die 72-Jährige teilt sich ihre kleine Rente, die inzwischen durch Grundrente aufgestockt wird, ein. "Ich lebe seit Langem sparsam, ich heize kaum." Allerdings habe sie auch den Vorteil, in einem neuen, nachhaltig geplanten Haus zu wohnen. So sei bislang die Betriebskostenvorauszahlung nur um 18 Prozent gestiegen. "Ich habe keinen Fernseher, bewege mich viel. Und wenn mir kalt ist, ziehe ich zwei Pullover an und hülle mich in eine Wolldecke oder gehe gleich ins Bett."

Spendenaktion: Im Cafe Eigenleben engagiert sich Irmgard V. ehrenamtlich.

Im Cafe Eigenleben engagiert sich Irmgard V. ehrenamtlich.

(Foto: Catherina Hess)

Ohnehin konsumiere sie wenig. "Luxus war schon bei meinen Eltern völlig verpönt", sagt die Rentnerin. "Ich kann ja noch an ein paar Stellschrauben drehen", aber für viele Leute sei es wegen Energiekosten und Inflation schwierig. "Schlimme Sachen sind bei mir nicht eingeschlagen, dafür bin ich dankbar." Und so engagiert sie sich für andere, unterstützt das Café Eigenleben ehrenamtlich, ist als Demenzhelferin unterwegs, hilft einer Familie - Großmutter, Tochter, Enkelin -, nach der Flucht aus der Ukraine hier zurecht zu kommen. Dass sie nun die Familie ins Café Eigenleben zum Essen einladen kann, freut sie sehr.

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