Kommunalpolitik:Christian Köning ist neuer Münchner SPD-Vorsitzender

Lesezeit: 3 min

Kommunalpolitik: Der neue SPD-Chef Christian Köning beim Fototermin am Sonntag auf dem Marienplatz.

Der neue SPD-Chef Christian Köning beim Fototermin am Sonntag auf dem Marienplatz.

(Foto: Stephan Rumpf)

Der 33-jährige Stadtrat hat sich bei der Wahl gegen einen Konkurrenten durchgesetzt. Mit seiner Wahl vollzieht sich an der Spitze der SPD ein Generationenwechsel, der in den Ortsvereinen seit Längerem in Gang ist.

Von Anna Hoben

Wann wird's mal wieder richtig Sommer? Die Frage schwebte über dem digitalen Stadtparteitag der SPD am Samstag, denn im Sommer wollen die Genossinnen und Genossen bei einem großen Fest alles nachholen, was in puncto Feiern nachzuholen ist. So lange muss der virtuelle Raum herhalten - in Präsenz in der Parteizentrale im Oberanger anwesend waren nur das Präsidium, die Antragskommission und die Technik, alle anderen saßen vor ihren Bildschirmen auf der Couch, in der Küche, am Schreibtisch.

14 Monate überfällig war die Vorstandswahl der SPD, wegen der Corona-Pandemie ist sie immer wieder verschoben worden. Nun hat nach gut sieben Jahren Claudia Tausend ihr Amt als Parteichefin abgegeben, und um die Mittagszeit hatten die Münchner Sozialdemokraten einen neuen Vorsitzenden: Die Delegierten wählten Christian Köning in das Amt, mit 70 von 124 abgegebenen Stimmen, also 56 Prozent. Sein Konkurrent Christian Vorländer erhielt 53 Stimmen oder 43 Prozent. Eine Person enthielt sich.

Ein Generationenwechsel, der in den Ortsvereinen seit Längerem in Gang ist

Mit der Wahl Könings vollzieht sich an der Spitze der SPD ein Generationenwechsel, der in den Ortsvereinen seit Längerem in Gang ist. Der Mann, der die Partei erneuern und weg von Platz drei hinter den Grünen und der CSU nach oben hieven soll, ist 33 Jahre alt, bis zum vergangenen Jahr war er Vorsitzender der Münchner Jusos. Seit 2005 engagiert er sich in der SPD, seit 2020 sitzt er im Stadtrat, dort ist er Mitglied des Fraktionsvorstands sowie finanzpolitischer Sprecher. Daneben arbeitet er an seiner Dissertation in Soziologie über Gespräche in der Sozialverwaltung - Köning hat lange in der Jugendhilfe gearbeitet. Er ist seit den Neunzigerjahren der erste Parteichef, der zugleich Stadtrat ist.

Die SPD stehe für eine "starke Stadt", sagte er in seiner Vorstellungsrede. "Wir sorgen dafür, dass sich alle München leisten können." Wie seine Vorgängerin Tausend wolle er kein "Vortänzer" sein, sondern der Partei dienen. SPD-Fraktionsvorsitzende Anne Hübner gratulierte ihm nach der Wahl bei Twitter und wünschte "alles Gute für diesen krassen Job". Auch Florian Roth, Fraktionschef des Koalitionspartners im Rathaus, schickte Glückwünsche. Er kenne Köning als "klar und fair in der Zusammenarbeit", twitterte der Grünen-Politiker.

Neu zu Stellvertretern gewählt wurden die Stadträtin Lena Odell und der Stadtgeograph Anno Dietz. Wiedergewählt wurden Verena Dietl, Münchens Dritte Bürgermeisterin, und die Stadträtin Micky Wenngatz. Der neue Vorstand ist für zwei Jahre gewählt.

Der unterlegene Kandidat für den Vorsitz, Fraktionsvize Christian Vorländer, versicherte nach der Wahl, er sei "nicht am Boden zerstört". In seiner Bewerbungsrede hatte der 48-Jährige von einem "fairen, sportlichen Wettbewerb" gesprochen, "das hat jetzt schon die Partei revitalisiert". Nun gehe es darum, ein Signal der Geschlossenheit und Einigkeit auszusenden. Vorländer kandidierte anschließend als Beisitzer und wurde in das Amt gewählt.

"Es geht, wenn wir uns was zutrauen und an uns glauben."

Die scheidende Vorsitzende Claudia Tausend erklärte, dass sie sich künftig auf ihre Arbeit im Bundestag konzentrieren wolle. In den vergangenen zwei Jahren sei jede Vorstandssitzung thematisch von den Auswirkungen der Pandemie geprägt gewesen, resümierte sie. Und so hat sie einen besonderen Wunsch an den neuen Vorstand: dass dieser das Parteileben zu einem Schwerpunkt machen möge, denn "viele Neumitglieder haben das noch gar nicht kennengelernt".

Die Bundestagswahl, so Tausend, habe gezeigt: "Es geht, wenn wir uns was zutrauen und an uns glauben." Auch wenn sich der bundesweite Aufwärtstrend in der bayerischen Landeshauptstadt nicht manifestiert hat - sie sei überzeugt, dass bald auch München davon erfasst werde. Neben schlüssigen Wahlkampfkonzepten brauche es in den kommenden Jahren auch eine weitere Professionalisierung der Partei.

Kommunalpolitik: Die scheidende Vorsitzende Claudia Tausend am Abend nach der Bundestagswahl 2021 auf dem Nockherberg.

Die scheidende Vorsitzende Claudia Tausend am Abend nach der Bundestagswahl 2021 auf dem Nockherberg.

(Foto: Stephan Rumpf)

Die Jahre, in denen sie die SPD geführt habe, sagte Tausend, seien "eher schwierig" gewesen, aber: "Auf sieben magere Jahre kommen sieben fette Jahre." Sie kämpfte mit den Tränen, als sie sagte, es sei nun Zeit für sie, diese Bühne zu verlassen. Viele Herzen und Applaus-Hände flogen da über die Bildschirme. "Auf einem Präsenzparteitag hättest Du jetzt Minuten Standing Ovations bekommen", schrieb ein Genosse im Chat. München sei für Tausend immer zuerst gekommen, sagte der Landesvorsitzende der SPD, Florian von Brunn, der nun ebenfalls nicht mehr Teil des Münchner Vorstands ist, mit Blick auf deren Doppelbelastung. "Du warst das Gesicht der Münchner SPD."

Das neue Gesicht ist 24 Jahre jünger und männlich. Mit einem Team hatte Köning im Vorfeld des Parteitags ein Papier mit dem Titel "Eine Stadt für Alle" als Arbeitsgrundlage für die kommenden Jahre ausgearbeitet, das der bisherige Vorstand den Delegierten zur Diskussion vorlegte. Zu Beginn wird ungeschönt die Lage der SPD in München beschrieben. "Die Zukunft unserer Partei hängt davon ab, ob es uns gelingt, auf die Herausforderungen in unserer Stadt Antworten zu finden." Anschließend geht es auf 13 Seiten darum, wie die SPD sich künftig aufstellen soll.

Nicht jedem Genossen gefiel die Art und Weise, wie das Papier dem Parteitag vorgelegt wurde - zu kurzfristig, fanden manche, die es gern in ihren Ortsvereinen diskutiert hätten und den Beschluss deshalb vertagen wollten. Dieser Wunsch fand jedoch nicht ausreichend Anhänger, die Delegierten beschlossen das Arbeitsprogramm mit großer Mehrheit.

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