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Münchner Spaziergang:Trampelpfade durch Bogenhausen

(Foto: Jakob Wetzel)

Die Stadt fühlt sich enger an als sonst. Um eine Straße zu verstopfen, braucht es derzeit wegen der Abstandsregeln nämlich gar nicht viele Leute

Es ist eng geworden in München, sogar in Bogenhausen. Normalerweise fühlt sich dieser Stadtteil großzügig an, ja geradezu weitläufig. Doch jetzt ist plötzlich die Straße verstopft, nichts geht mehr. Klar: Dafür braucht es zurzeit nicht viel, es reichen fünf Leute, die wie hier am Böhmerwaldplatz vor einem Eiscafé anstehen, mit jeweils zwei Metern Abstand zueinander.

Die Schlange führt vom Café auf den Gehweg, dort ums Eck und über die Ampel hinüber auf die andere Straßenseite. Voran geht es nur noch bei Grün. Aber wenn man gar kein Eis mag? Darf man zwischen den Wartenden durchgehen? Oder geht man lieber außen vorbei, über die Grünfläche?

Es gibt auch einen dritten Weg: Man macht kehrt und spaziert halt woanders hin, warum nicht quer durch Altbogenhausen hinunter zur Isar? Aber auch dort ist es nicht mehr so wie sonst. Im Herzogpark führt ein gemeinsamer Fuß- und Radweg die Isar entlang, doch wenn alle Abstand halten wollen, ist es mit der Gemeinsamkeit so eine Sache.

Auf dem geteerten Weg fahren an diesem Nachmittag fast nur Radler. Die Fußgänger wandern über einen Trampelpfad daneben, der irgendwann, lange vor Corona, womöglich eine Grünfläche war. Den Trampelpfad gibt es schon länger, früher aber trampelten nur ein paar Jogger auf ihm herum. Jetzt ist er offenbar der inoffizielle Bereich für Fußgänger.

Es gibt überhaupt viele neue Trampelpfade. Sie verlaufen alle parallel zu den Gehwegen, denn die sind zu klein geworden, um sich richtig auszuweichen. Nördlich der Kennedy-Brücke etwa spazieren zwei Frauen nebeneinander her und werden außen von zwei Joggern überholt, im Abstand von vielleicht einem halben Meter.

Ist das nicht zu nahe, fast schon zudringlich? Einer der Jogger spürt diesen Gedanken wohl, sein Blick sagt alles: Diese Stadt, naja, zumindest dieser Gehweg ist zu klein für uns beide. Verschämt geht der Kopf nach unten, Wegschauen hilft ja fast immer. Da fällt der Blick auf einen Kronkorken, Marke "Corona Extra", ausgerechnet, festgetrampelt in den Boden. Schnell ein Beweisfoto. Das glaubt einem ja sonst kein Mensch.

© SZ vom 08.04.2020
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