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Münchner Sozialreferat:"Uns ist wichtig, weiterhin ansprechbar zu bleiben"

Telefon

Viele Gespräche führt das Sozialreferat in Corona-Zeiten übers Telefon.

(Foto: dpa)

Das Sozialreferat richtet in der Corona-Krise neue Anlaufstellen und Hilfsangebote ein. Alle nicht zwingend erforderlichen Kontakte werden hingegen stark eingeschränkt.

Wenn Menschen in existenzielle Krisen geraten, dann suchen sie meist die Hilfe einer der Dienststellen des Sozialreferats. Vom Jugendamt über das Sozialamt bis hin zum Wohnungsamt - immer geht es dabei um wichtige Dienstleistungen, die jetzt die rund 4000 Beschäftigten des Sozialreferats unter erschwerten Bedingungen erbringen.

Unter dem Eindruck der Corona-Pandemie hat das Sozialreferat zum Schutz seiner Mitarbeiter die persönlichen Kontakte stark eingeschränkt. "Wir stellen alles ein, was möglich ist und halten alles aufrecht, was nötig ist", lautet dabei der Grundsatz, nach dem Sozialreferentin Dorothee Schiwy handelt. Wo es möglich ist, wurde bereits auf telefonischen Kontakt oder E-Mail-Kontaktaufnahme umgestellt. "Aber wir sind auch persönlich erreichbar, gerade im Bereich der Bezirkssozialarbeit ist das ja unabdingbar. Uns ist wichtig, weiterhin ansprechbar zu bleiben." Für Schutz und Unterstützung der Hilfebedürftigen rechnet das Sozialreferat mit zusätzlichen Kosten in Höhe von bis zu 3,2 Millionen Euro. Eine Aufstellung dazu legt Schiwy an diesem Mittwoch dem Feriensenat des Stadtrats vor.

Dorothee Schiwy im Sozialreferat am Ostbahnhof

Sozialreferentin Dorothee Schiwy räumt ein, dass ihr "das Urteil nicht gefallen" habe. Es sei eine "problematische Entscheidung".

(Foto: Florian Peljak)

Auch im Sozialreferat ist dort, wo es möglich ist, Home-Office angesagt; Mitarbeiter kommen im Wechsel in ihre Dienststellen, um zu verhindern, dass ganze Abteilungen lahmgelegt werden, wenn ein Corona-Fall auftritt. Bereits vor gut zwei Wochen hat das Wohnungsamt 165 Bettplätze im Jugendgästehaus "Haus International" an der Elisabethstraße angemietet, um dorthin durch Corona besonders gefährdete Wohnungslose aus der Sofortunterbringung zu verlegen. In den Einzel- bis Achtbettzimmern, die sonst vor allem von Schulklassen und Jugendgruppen gebucht werden, bringt das Sozialreferat nun ältere Wohnungslose mit Vorerkrankungen unter, um sie vor Ansteckung zu schützen. Um Plätze für Quarantänefälle bei Corona-Verdacht zu schaffen, erwägt das Sozialreferat, ein Boardinghouse in Giesing anzumieten.

Zwei Häuser für wohnungslose Frauen haben sich bereit erklärt, bei Bedarf Frauen aus den Frauenhäusern aufzunehmen. "Wir gehen davon aus, dass die Fallzahlen häuslicher Gewalt deutlich ansteigen werden, je länger die Ausgangsbeschränkungen bestehen bleiben", heißt es im Sozialreferat. Zahlen dazu liegen bislang noch nicht vor, ebenso wenig zur Inobhutnahme von Kindern. Bei Verdacht auf häusliche Gewalt oder Kindeswohlgefährdung könnten sich Bürger an das Sozialbürgerhaus oder die Polizei wenden. "Die Krisenintervention findet weiter statt", erklärte Schiwy. Komme es in einer von Corona betroffenen Familie zum Hausbesuch oder zur Inobhutnahme, werde in Abstimmung mit dem Gesundheitsreferat Schutzausrüstung getragen.

Wegen der Corona-Krise hat das Sozialreferat auch den Sicherheitsdienst in den städtischen Notquartieren von der Nachtzeit auf den ganzen Tag ausgedehnt, was für sechs Monate rund 550 000 Euro zusätzlich kostet. Gleichzeitig werden dort Küchen und Sanitärräume nun zweimal täglich gereinigt. Der Kälteschutz ist bis Ende April ganztägig geöffnet und bietet drei Mahlzeiten am Tag, wofür insgesamt Kosten in Höhe von rund 900 000 Euro anfallen. Weitere Kosten entstehen für die zwei Foodtrucks, über die Caritas-Mitarbeiter bedürftige Menschen im Stadtzentrum mit Essen und Getränken versorgen.

Auch die 32 Alten- und Servicezentren müssen geschlossen bleiben. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sollen in dieser Zeit den Kontakt zu ihren Klienten halten und "zugehende Hilfen" wie Essen auf Rädern und einen Einkaufsservice anbieten. Im Wohnungsamt und in den Jobcentern gibt es persönliche Vorsprachen allenfalls in besonderen Notfällen, alles andere wird auch dort über Telefon und E-Mail abgewickelt. Die Jobcenter haben Hotlines eingerichtet, über die sie bei der Antragstellung helfen.

Unter 233-96833 ist das zentrale Servicetelefon des Sozialreferats Montag bis Mittwoch von 8 bis 16 Uhr, am Donnerstag von 8 bis 17 Uhr und am Freitag von 8 bis 13 Uhr erreichbar. Die Anlaufstelle vermittelt Hilfe in sozialen Notlagen und den Einkaufsservice für ältere Menschen.

© SZ vom 08.04.2020/kafe
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