Kabarettist Thomas Maurer in MünchenSo eklig sind soziale Medien

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Thomas Maurer macht jetzt erst mal Digital-Detox.
Thomas Maurer macht jetzt erst mal Digital-Detox. Lukas Beck

Facebook, Instagram, Tiktok, X: Thomas Maurer hat sie sich alle gegeben. In seinem neuen Kabarettprogramm „Trotzdem“ rechnet er ab. Über einen kritisch-vergnüglichen Abend im Lustspielhaus.

Kritik von Thomas Becker

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Für „Trotzdem“, sein 25. Programm, ist Thomas Maurer zu Recherchezwecken dahin gegangen, wo es richtig wehtut: in die sozialen Medien. Für Menschen seines Alters – er ist Jahrgang 1967 – ist das Neuland und große Überwindung. Erkenntnisse nach der Forschung am digitalen Hirnschiss: „Twitter war immer ein bisschen Scheiße. Aber X? Ich wusste gar nicht, dass Scheiße eitern kann.“

Facebook komme dagegen harmlos daher: „Da kann man ganz normalen Menschen in Echtzeit beim Wahnsinnigwerden zuschauen.“ Insta? „Ich kann auch ohne fröhlich sein.“ Tiktok? „Die nächste Eskalationsstufe!“ Und damit willkommen im Digital-Detox-Hotel, das nicht im Lustspielhaus, sondern im Magic Woodquarter liegt, wie die Achtsamkeits-PR das Waldviertel nennt. Logisch, dass sich Internet-Junkies auch dort Zugang zur digitalen Wunderwelt verschaffen – das Passwort heißt Suchtgiftmaschine.

Das Gegengift – Musils Wälzer „Der Mann ohne Eigenschaften“ – hat Stresshypochonder Maurer dabei, aber immer noch nicht ausgepackt. Dass ihm neulich jemand ADHS unterstellt hat, weist er erbost zurück – wobei: „Warum nicht mal Teil einer interessanten Minderheit sein?“

All das mag nach „Älterer Herr kommt nicht mit der Moderne zurecht“ klingen, zumal nach Sätzen wie „Ich fühle mich überrollt“, „An Deepfakes wird man sich gewöhnen müssen“ oder: „Ich freue mich nicht mehr automatisch über eine Innovation.“ Aber Blitzbirne Maurer, der alle großen Kabarettpreise gewonnen, mit Josef Hader, Martin Puntigam und anderen Duo gespielt hat und mit Florian Scheuba und Robert Palfrader Teil der TV-Satire „Wir Staatskünstler“ ist, weiß natürlich, dass schnödes Jammern über die Zustände nicht hilft.

Hoffnung hat er dennoch: Wenn sich die Bots auf X & Co. bald gegenseitig in den Orkus giften, aber halt kein einziges Werbebanner anklicken, könnte sich die ganze Chose doch verselbständigen … Trotzdem: Wer noch einen X-Account hat: schnell löschen. Wie auch Thomas Maurer das nun getan hat.

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