bedeckt München

Sozialausschuss in München:Stadt plant zwei neue Frauenhäuser

Frauenhaus Herne

Sicherheit im Frauenhaus: Fast 3000 Fälle von Partnergewalt erfasst die Münchner Polizei im Jahr.

(Foto: Maja Hitij/dpa)

In den neuen Einrichtungen sollen Opfer Schutz finden, auf die akut Gewalt ausgeübt wird - psychisch, physisch oder sexualisiert. Auch Suchtkranken werde Hilfe geleistet.

Von Sven Loerzer

Fast 3000 Fälle von Partnergewalt und 1300 Sexualdelikte verzeichnete die Münchner Polizei im vergangenen Jahr, doch tatsächlich dürften die Zahlen um ein Vielfaches höher liegen, da nur ein Bruchteil der betroffenen Frauen Anzeige erstattet. Darauf weist ein breites Bündnis von 45 Organisationen zu den Münchner Aktionswochen gegen Gewalt an Frauen, Mädchen, Jungen und nonbinären Menschen hin. Das umfangreiche Programm, das wegen der Kontaktbeschränkungen weitgehend in den digitalen Raum verlegt wurde, läuft noch bis zum 25. November, dem Internationalen Tag gegen Gewalt an Frauen.

Die Stadt will das Hilfsangebot für betroffene Frauen nun weiter ausbauen, wie das Sozialreferat im Sozialausschuss informierte: Die Zahl der 78 Frauenhausplätze soll um bis zu 48 steigen. Zu den bislang drei Frauenhäusern werden zwei weitere kommen, die eine Lücke schließen: Damit soll es für Frauen, die von Gewalt betroffen sind und psychisch krank oder auch suchtkrank sind, spezialisierte Schutzunterkünfte geben, die ein umfassendes Hilfskonzept bieten.

Die Versorgungslücken zu schließen, dazu hatte der Stadtrat dem Sozialreferat schon vor drei Jahren den Auftrag erteilt. Für den Ausbau hatte sich zuletzt die Stadtratsfraktion von ÖDP/Freie Wähler stark gemacht. Das größte der drei bestehenden Frauenhäuser kann 45 Plätze für Frauen mit Kindern bieten und verfügt über drei Außenwohnungen für Frauen, die den umfassenden Schutz nicht mehr benötigen, aber noch keine eigene Wohnung haben. Das zweite Frauenhaus kann 19 Frauen mit Kindern aufnehmen, das dritte 14. Entscheidend für die Aufnahme sei, erklärt Sozialreferentin Dorothee Schiwy, dass auf die Frauen akut Gewalt durch den Ehegatten, Partner oder Lebensgefährten ausgeübt werde, und zwar psychisch, physisch oder sexualisiert. Dazu muss noch kommen, dass den Frauen nach Verlassen der gewaltgeprägten Situation weiterhin gewalttätige Übergriffe drohen.

Die Frauenhäuser sind meist voll ausgelastet; wegen des schwierigen Münchner Wohnungsmarkts ist die Fluktuation gering. Allerdings betont Schiwy, "dass auch in Zeiten der Corona-Pandemie bis heute nicht an einem einzigen Tag alle Plätze in den Münchner Frauenhäusern belegt waren, so dass keine hilfesuchenden Frauen abgewiesen werden mussten". Dennoch räumt Schiwy ein, dass besonders für Frauen, die psychisch krank oder suchtkrank sind und unter Partnerschaftsgewalt leiden, ein geeignetes Angebot fehle. Für beide Problemkonstellationen gibt es nach Darstellung des Sozialreferats noch keine Vorbildeinrichtungen. Die bestehenden Häuser könnten die Frauen nicht aufnehmen, weil sie über keine geeignete Hilfestruktur verfügten.

Die beiden von einer referatsübergreifenden Arbeitsgruppe neu entwickelten Hilfekonzepte sollen nun Anfang 2021 dem Stadtrat vorgelegt werden. Sowohl das Frauenhaus für suchtkranke Frauen als auch die Einrichtung für psychisch kranke Frauen soll nicht mehr als jeweils 24 Plätze umfassen.

Programm der Aktionswochen mit allen Veranstaltungen: www.aktiv-gegen-maennergewalt.de

© SZ vom 13.11.2020/kafe
Zur SZ-Startseite

SZ PlusHilfe für Frauen
:"Manche sind verängstigt durch die Situation"

Wegen der Ausgangsbeschränkungen könnte häusliche Gewalt weiter zunehmen. Lydia Dietrich leitet die Frauenhilfe München. Ein Gespräch darüber, wie Schutz in schwierigen Zeiten gelingen kann.

Interview von Anna Hoben

Lesen Sie mehr zum Thema