Firma Sono Motors:Eine Probefahrt mit Sonne als Treibstoff

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Firma Sono Motors: Solarpaneele auf Dach und Motorhaube liefern die Energie für eine Probefahrt mit dem Sion.

Solarpaneele auf Dach und Motorhaube liefern die Energie für eine Probefahrt mit dem Sion.

(Foto: Sono Motors)

Aus der Idee eines Solarautos sind zwei erste Prototypen geworden. Wie schnell und wie weit gehen die Modelle? Unterwegs mit dem Sion.

Von Max Hägler

Und, wie fährt sich der Wagen, fragt Laurin Hahn, nachdem man den Sion wieder in die Zenith-Halle gefahren hat. Der Schöpfer blickt erwartungsvoll. Es ist ja auch eine naheliegende Frage, weil jedes Automobil ein kompliziertes Zusammenwirken von Elektronik und Mechanik ist und man so viel reden kann über Beschleunigung, Lenkung, Akustik, Endgeschwindigkeit oder Bedienkomfort. Und in diesem Fall ist das Fachsimpeln aus mehreren Gründen besonders spannend.

Dieses sehr kastige Automobil ist ursprünglich ersonnen worden von Menschen, die nie Maschinenbau oder so etwas studiert haben: Hahn und sein Freund Jona Christians sowie Navina Pernsteiner wollten einen Beitrag leisten im Kampf gegen den Klimawandel: mit einem Elektroauto, dass seine Energie zumindest teilweise selbst erntet, per Solarzellen. Nach dem Abitur schraubten und löteten sie in einer Münchner Garage an den ersten Teilen, schmissen dafür ihre Studienpläne.

Aus der Idee wurde 2016 eine Firma, Sono Motors - und nun tatsächlich ein richtiges Auto. 4,47 Meter lang und nur in einer Farbe erhältlich, wobei man nicht recht von Farbe sprechen kann: Auf dem Dach, der Motorhaube und den Seiten schimmert es blau: Solarpaneele, die über die Verkleidung gelegt sind. Durchschnittlich 112 Kilometer Reichweite sollen sie in Deutschland pro Woche bringen, weniger im Winter, mehr im Sommer. Tatsächlich gingen die Anzeigen vorher unter der Abendsonne im Münchner Norden, nach oben, zeigten über hundert Watt Ladeleistung an.

Ob der Wagen tatsächlich 140 Kilometer pro Stunde schafft und in etwa auf die 300 Kilometer Reichweite kommt, die nun mit einer neuen Batterie möglich sein werden, will man jedoch lieber noch nicht testen: Es gibt derzeit nur zwei Exemplare, Salt und Pepper genannt. Da möchte man nicht ans Limit gehen, nichts kaputt machen, zumal alles noch ein wenig knackt und knarzt, gerade beim Lenken: Das Chassis und die tragenden Strukturen sind in diesen Testobjekten noch weitgehend geschraubt. Also die Kurven ganz langsam nehmen, Schlaglöchern ausweichen auf dem Zenith-Gelände. Aber ja, der Wagen fährt durchaus, und er beschleunigt fein, das kann man dem Gründer antworten. Ein Erfolg.

Denn dass es überhaupt zu diesen zwei Testfahrzeugen gekommen ist, war nicht immer so klar: Vor einiger Zeit ging dem Start-up das Geld aus, die Idee stand vor dem Ende. Crowdfunding ermöglichte dann das Weitermachen: Von Fans und Investoren sammelte das Team in 50 Tagen 53 Millionen Euro ein, ein Argument dabei: Sono Motors arbeitet so transparent wie wenige Firmen sonst, spricht und diskutiert nicht nur über Erfolge wie die größere Batterie jetzt, sondern auch über Probleme - quasi das Gegenteil von Wirecard.

Mit dem zusammengesammelten Geld wurden weitere Fachleute geholt - auch vom großen Münchner Konkurrenten BMW -, die daran glauben, dass es so ein Auto braucht: 25 500 Euro, was tatsächlich recht wenig ist für ein solches Elektroauto, solarunterstützt, mit einer Software, die Car-Sharing und Ride-Pooling simpel ermöglichen soll - und mit Moos in den Lüftungsschlitzen zwecks besserem Klima und ungewöhnlicher Optik.

150 Experten sind mittlerweile versammelt bei diesem Auto-Start-up. Darunter eben auch alte Hasen, die begeistert sind von der Zähigkeit der Gründer, das hört man immer wieder, und die wissen, dass nun die besonders schwierigen Monate bevorstehen: Letzte Fehler abstellen, Verträge mit Zulieferern schließen, eine behördliche Zulassung beantragen und dann den millionenteuren Start der Serienfabrikation finanzieren: Jährlich 40 000 Sions soll ein Auftragsfertiger in Schweden ab dem Jahr 2023 bauen. Kooperationen mit MAN oder dem Fraunhofer-Institut sollen unterdessen helfen, die Solartechnik zu perfektionieren, in anderen Fahrzeugen zu verbauen und weitere Erlöse zu erzielen.

Und, wird es klappen? Wir sind auf dem richtigen Weg, sagt Hahn. Ich hoffe, wir sind es, sagt sein Kollege aus der Technik. Realismus ist wichtig, sagen beide. Eines ist schon mal klar. Im kommenden Jahr, wenn die ersten Vorserienmodelle gefertigt werden sollen, wird das Fahrzeug 16 Zentimeter länger, die Crash-Sicherheit will es so.

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