Hackerbrücke
Genau genommen ist es streng verboten, auf das Eisengestänge der Hackerbrücke zu klettern und sich hineinzusetzen. Es ist nur eben so: In München gibt es wohl kaum einen besseren Ort, um den Sonnenuntergang zu bestaunen, Eisenbahnromantik inklusive. Denn während die Sonne im Westen untergeht, fahren unter der Brücke beinahe im Minutentakt Züge und S-Bahnen direkt in Richtung untergehender Sonne. Schöner geht es kaum. An einem schönen Sommerabend muss man früh da sein, sonst sind die schmalen Abteile, in denen man nach einer kleinen Kletteraktion nur ein paar Meter über der Straße Platz nehmen kann, schon alle besetzt. Was man noch bedenken sollte: Straßenverkäufer gibt es keine, der nächste Späti ist ein paar Fahrradminuten entfernt. Wer also auf den Sonnenuntergang mit einem (alkoholfreien) Hellen anstoßen will, muss sich die Flasche selbst mitbringen. jala
Kulturdachgarten auf dem Gasteig

Zugegeben: Die Treppe ist steil. Und es sind viele Stufen. Und das Ambiente beim Aufstieg ist alles andere als einladend. Doch wer es hinaufschafft auf das Dach des renovierungsbedürftigen Kulturzentrums am Gasteig, der wird mehr als doppelt belohnt: Wer in die Sonne tritt, blickt auf die Stadt und kann aufatmen. Weil die Sanierung auf sich warten lässt, ist hier ein Pop-up-Dachgarten entstanden, der den Namen wirklich verdient: viel Grün, auf mehreren Ebenen in improvisiertes Holz-Exterieur gepflanzt. In Buden werden Speisen und Getränke offeriert, Lümmel-Flächen laden zum Verweilen ein. Geöffnet ist nur, wenn das Wetter mitspielt, weshalb sich sagen lässt: Schön ist es hier eigentlich immer. Im Lichte der untergehenden Sonne aber ganz besonders. hof
Isarstrand am Kabelsteg

Ein Geheimtipp ist die Isar an sonnigen Tagen nicht. Seit der Fluss renaturiert wurde, bietet er an vielen Stellen mitten in der Metropole Gebirgsbach-Feeling. Tagsüber, wenn die Sonne hoch steht, sind eher die schattigen Stellen zu empfehlen. Gegen Abend aber, wenn die Sonne allmählich den Turmspitzen der Frauenkirche entgegenwandert, hat der Isarstrand unterhalb des Kabelstegs viele Reize: Die Sonne bescheint ihn lange, die hellen Flusskiesel sind dann noch angenehm warm, es gibt viel zu sehen und wer mag, findet in der Nähe einige Orte, an denen sich etwas kaufen lässt (und die Toiletten bieten). Beim Hinunter- und später beim Hinaufklettern ist allerdings ein wenig Trittsicherheit vonnöten. hof
„Flushing Meadows“

Die Plätze auf der Dachterrasse, die zur Bar des Hotels „Flushing Meadows“ in der Fraunhoferstraße gehört, sind begrenzt, die Terrasse selbst ziemlich schmal. Wer aber einen ergattert, der hat nicht nur einen tollen Blick auf das darunterliegende Glockenbachviertel und die unweit gelegene St.-Maximilian-Kirche, sondern kann auch bestens der Sonne dabei zusehen, wie sie untergeht. Wenn es richtig gut läuft, taucht sie den Himmel – der vom vierten Stock aus ja bekanntlich etwas näher ist – in sanfte Rosa- und Pinktöne. Die Rooftop-Bar des Hotels eignet sich aber nicht nur wegen der schönen Aussicht für einen abendlichen Sundowner: Auch die vorzüglichen Drinks, die dort gezaubert werden, machen die Dachterrasse zu einer guten Adresse für alle, die gerne einen Sonnenuntergang anschauen. jala
Streuobstwiese an der Silberdistelstraße

„Die Hackerbrücke in Grün“ hat diesen Sundowner im wilden Münchner Westen mal Martin Hänsel vom Bund Naturschutz genannt. Sagen wir so: Die Streuobstwiese an der Silberdistelstraße zwischen Pasing und Hadern belegt auf der abendlichen Durst-auf-Kitsch-Skala einen Platz ganz weit oben. Hier kommt der sinkenden Sonne und den Münchnern im hohen Gras keine Urbanität in die Quere. Zum Saum des Landschaftsparks West lässt sich am besten vorbei an Kräutergärten hinter dem Westbad, Bogenschießanlage, kleinem Wäldchen und Laimer Baumschule hinspazieren oder radeln. Und weil’s so bildschön ist auf diesem grünen Fleckerlteppich, bietet die Stadt im Herbst gleich noch einen Schnupperkurs Landschaftsmalerei an. Man muss dann einfach ausblenden, was sich Tausend Schritte weiter gerade abspielt: Da furcht die Baustelle zur Erweiterung der U5 gen Pasing satt Grün aus der Landschaft. ands
Bar „Freischwimmer“

Es gibt nur wenige Orte mitten in der Stadt, an denen man der Sonne beim Untergehen zuschauen kann. Einer dieser raren Plätze: der „Freischwimmer“. In der Rooftop-Bar auf dem Dach des Cocoon-Hotels in der Lindwurmstraße kann man den Blick herrlich über die im Abendrot glitzernden Dächer schweifen lassen. Das Beste daran: Die Bar hat gleich zwei Außenbereiche. Auf den einen strahlt die Sonne vormittags, wer abends also ein etwas dezenteres Naturspektakel und etwas weniger Trubel haben möchte, kann es sich hier gemütlich machen. Wer die volle Dröhnung Abendsonne will, ist auf der Westseite richtig. Allerdings wird es hier immer voller, je roter der Ball am Himmel wird. Die passenden Drinks dazu gibt es am Tresen. Der Nachteil daran: Für einen Cocktail muss man etwa 15 Euro hinlegen, Münchner Barpreise halt. Der Vorteil: Man spart sich die Schlepperei. lfr
Aussichtshügel im Luitpoldpark

Wer nicht gerne direkt in die untergehende Sonne schaut, sondern lieber die Schattenspiele bestaunt, die diese hervorbringt, dem sei der Luitpoldpark empfohlen. Das Areal im Stadtbezirk Schwabing-West ist auch mit öffentlichen Verkehrsmitteln gut zu erreichen (beispielsweise über den U-Bahn-Halt Scheidplatz), und es hat einen Aussichtshügel, der stolze 37 Meter in die Höhe reicht. In den kalten Tagen wird an dessen Nordhang eine Wintersport-Piste markiert, im Sommer empfiehlt sich eher der Blick gen Süden: Hinter der Silhouette der Frauenkirche zeichnen sich an klaren Tagen dann scharfkantig die Berge ab. Dafür, dass von hier aus so viele München-Klischeebilder entstehen, ist der Ort auf die wunderbarste Weise unkommerziell. Zwei Parkbänke, eine Mauer, auf der sich ruhen lässt: Ansonsten gibt es wirklich nur die Aussicht. hof
Stufen an der Bavaria

Je später der Sommer, desto näher die Wiesn – an kaum einem anderen Ort lässt sich das besser beobachten als auf den Stufen unterhalb der Bavaria. Während in den ersten warmen Tagen des Jahres die Brache der Theresienwiese vor einem liegt, laufen die Arbeiten für das weltweit größte Volksfest im August auf Hochtouren. Bei einem abendlichen Getränk lassen sich hier Zeltbesuche und Fahrten mit der Wilden Maus oder dem Fünferlooping planen. Dahinter erhebt sich die Stadt, links glitzern die Zifferblätter der Paulskirche im Abendlicht. Die Sonne hat man zu späterer Stunde eher im Rücken, was das Licht angenehm weich macht. Außerdem muss man sich hier nicht die Hand vor die Augen halten. Denn hier blendet die Sonne abends praktisch nicht. lfr
Monopteros im Englischen Garten

Der Klassiker im Englischen Garten: Der Monopteros thront auf einem 15 Meter hohen Fundament, das aus Backsteinen in die zuvor flache Gegend gemauert wurde. Wer den Hügel zum Rundtempel hinaufgeht, erklimmt deshalb genau genommen gar keinen Hügel, sondern lediglich eine Böschung. Den meisten dürfte das aber egal sein. Die Hauptanziehungskraft des Aussichtspunktes bildet die Aussicht. Von oben schweift der Blick über die sommerlichen Spiele in Münchens bekanntesten Park: Frisbee, Volleyball, Roundnet – hier lässt sich genau beobachten, was gerade angesagt ist. Kein Wunder, dass der Klassiker dauerhaft „in“ bleibt. Ein anderer Klassiker ist auch nicht weit entfernt: der Biergarten am Chinesischen Turm. hof
Hügel am Olympiasee

Das Zeltdach des Olympiastadions wird oft wegen seiner architektonischen Schönheit gelobt. Zu Recht. Es ist zu jeder Jahreszeit sehenswert. An lauen Sommerabenden aber lohnt sich ein Besuch im Olympiapark besonders. Wenn die Sonne versinkt, färbt sich der Himmel in Fifty Shades of Scharlachrot. Der Münchner Norden ist nicht unbedingt für seine landschaftlichen Reize bekannt, eine solche Stadtlandschaft aber ist einmalig. Wer will, kann sich an der Olympiaalm am Martin-Luther-King-Weg stärken oder – noch bis 24. August – das Sommerfestival besuchen, bei dem unter anderem ein Riesenrad geboten wird und das Klassiker-Fahrgeschäft Wilde Maus. Wer nichts konsumieren mag, genießt vom Hügel aus schlicht den Blick auf das Lichterspiel, das sich im Olympiasee spiegelt. hof
„Alte Utting“

Eine Rooftop-Bar im engeren Sinne ist die „Alte Utting“ nicht. Weil das ausgemusterte Passagierschiff, das einst über den Ammersee tuckerte, seinen Lebensabend aber auf Gleisen in einigermaßen luftiger Höhe unweit des Bahnwärter Thiel verbringt, kann man dort trotzdem bestens den Sonnenuntergang beobachten – vor allem, wenn man die Treppen erklimmt und aufs oberste Deck steigt. Von dort hat man den Blick auf die Großmarkthalle und auf die vorbeifahrenden Züge. Und Güterzugromantik hat ja bekanntlich was! Dass es dazu noch eine gute Auswahl an Essensständen gibt, immer mal wieder Live-Musik und gleich mehrere Bars, macht das alte Schiff geradezu zum perfekten Ort für einen Sundowner. jala

