Volkssternwarte München:"Sterne für alle"

Lesezeit: 2 min

Andrang auf der Volkssternwarte. (Foto: Florian Peljak)

Die Münchner Volkssternwarte gibt es schon seit 75 Jahren. Sie will das "Fenster zum Weltall" sein - im Zweifel auch mit selbstgebastelten Brillen, wie jetzt zur partiellen Sonnenfinsternis.

Von Nils Frenzel

Kurz vor dem entscheidenden Moment läuft Björn Wirtjes aufgeregt über das Dach der Sternwarte und verteilt eine reflektierende Spezialfolie, die er auf ein Stück Pappe geklebt hat. "Die Sonnenschutzbrillen waren schon gestern ausverkauft, aber damit geht es auch", sagt der stellvertretende Leiter der Volkssternwarte München - und bringt die improvisierten Brillen unter die Besucher. Um 12.15 Uhr ist die partielle Sonnenfinsternis vom Dach der Sternwarte aus am deutlichsten zu sehen. Wer nicht durch eines der aufgestellten Teleskope schauen kann, die von Mitarbeitern betreut werden, der blinzelt eben durch die gebastelten Brillen. Ein Raunen geht über das Dach, rund 80 Besucher staunen gen Himmel.

Etwa 20 Prozent der Sonnenscheibe sind zu diesem Zeitpunkt vom Mond verdeckt. Wirtjes und seine Kollegen sagen dazu "angeknabbert". Die Flugbahn des Mondes führt zwischen Sonne und Erde hindurch, so wird das kosmische Ereignis kurz sichtbar. Es ist ein Höhepunkt im Veranstaltungskalender der Volkssternwarte, die im vergangenen Monat ihr 75-jähriges Bestehen gefeiert hat.

Die partielle Sonnenfinsternis fotografiert durchs Teleskop. (Foto: Florian Peljak)
Eine Besucherin mit Schutzbrille. (Foto: Florian Peljak)
Björn Wirtjes, der stellvertretende Leiter der Volkssternwarte München. (Foto: Florian Peljak)

Im Verein der Sternwarte seien mittlerweile fast 700 Mitglieder eingetragen, sagt Wirtjes. Der aktive Kern bestehe aus etwa 40 Hobbyastronomen, die regelmäßig zu Veranstaltungen kommen, in der Werkstatt helfen oder sich über kosmische Phänomene austauschen.

Einer von ihnen ist Ottmar Hartl, der sich seit mehr als 30 Jahren für den Verein engagiert. Für den Weltraum habe er sich immer schon begeistert, sagt er. Aber als er die Mondlandung der Apollo-11-Mission als Neunjähriger im Fernsehen gesehen habe, da sei es um ihn geschehen gewesen. "Das war echt irre, das live zu sehen."

Ottmar Hartl. (Foto: Florian Peljak)

Eine andere Besucherin der Sternwarte gibt hingegen zu, dass sie sich bei dem Gedanken an den Weltraum immer etwas unwohl fühle. "Da kommt man sich so unbedeutend vor", sagt sie. Trotzdem komme sie oft mit ihren Enkelkindern. Das Planetarium und die Führungen seien sehr praxisnah.

Begeisterte Enkelkinder - so fängt es an. Wirtjes setzt auf die Jugendarbeit, um die Zukunft des Vereins zu sichern. So gebe es eine Jugendgruppe ab 16 Jahren und eine zweite Gruppe ab zwölf, in der erfreulicherweise auch viele Mädchen aktiv seien, sagt Wirtjes. Das tue dem Verein gut. Auch beim diesjährigen "Girls Day" habe der Verein Werbung gemacht. Jetzt, zur partiellen Sonnenfinsternis, sind zwei Schulklassen aus dem Allgäu nach München gekommen. Das freut Wirtjes. "Wir merken definitiv, dass es ein starkes Interesse für die Kosmologie gibt."

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Der Verein hat sich selbst das Motto "Sterne für alle" gegeben. Dazu gehörten auch der barrierefreie Ausbau der Sternwarte sowie inklusive Angebote, erklärt Wirtjes, öffnet eine kleine Kammer und deutet auf ein spezielles Teleskop, das sie im vergangenen Jahr gekauft haben. An diesem Teleskop können auch Rollstuhlfahrer oder Menschen mit einer körperlichen Beeinträchtigung problemlos die Einstellungen ändern.

Der Mond ist mittlerweile aus dem Sichtfeld der Sonne verschwunden. "Natürliche Barrieren haben wir ja alle", sagt Wirtjes - und deutet in den wolkenfreien Himmel. "Was wir in dieser Sternwarte sein wollen, ist das Fenster zum Weltall."

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