Sonderaktion in München:Schnell mal zum Impfen

Sonderaktion in München: Mobile Impfangebote gab es am Wochenende an mehreren Orten in der Stadt, unter anderem vor der Katholischen Akademie in der Mandlstraße.

Mobile Impfangebote gab es am Wochenende an mehreren Orten in der Stadt, unter anderem vor der Katholischen Akademie in der Mandlstraße.

(Foto: Robert Haas)

Weil das Interesse an der Immunisierung gegen Corona nachlässt, setzt die Stadt am Wochenende auf mobile Aktionen und offene Türen in Riem.

Von Sophia Oberhuber

In Herrsching am Ammersee kann man sich direkt an der Uferpromenade impfen lassen. Im niederbayrischen Kelheim gibt es als Belohnung für die Spritze Bratwurst und Getränk. In Berlin ist eine "Lange Nacht des Impfens" mit DJs geplant. München ist da mit seinen Impfaktionen bisher eher zurückhaltend: Am Wochenende machte der Impfbus im Backstage Station, ein mobiles Impfteam bot Spritzen in Aubing an und das Impfzentrum in Riem öffnete seine Türen erstmals auch ohne vorherige Terminvergabe. Das Ziel der Aktionen ist überall das gleiche: die Zahl der Geimpften im Wettlauf mit der Deltavariante möglichst rasch zu steigern.

Samstag, zehn Uhr am westlichen Stadtrand. Dagmar Mosch und ihre Kollegen platzieren Impfausweise auf dem Stehtisch am Eingang des Kinder- und Jugendtreffs in Aubing. Die beiden Impfteams sollen bald aus Riem eintreffen. Etwa 100 Termine habe man für das erste Stadtviertelimpfen vergeben können, berichtet Mosch, die an diesem Samstag ehrenamtlich bei der Impfaktion mithilft. Das Stadtviertelimpfen soll die Menschen direkt vor Ort erreichen, kurze Wege, wenig Bürokratie. Bis Ende Juli sind weitere Aktionen mit mobilen Impfteams im ganzen Stadtbereich geplant.

Mosch, die im Aubinger Bezirksausschuss aktiv ist, hatte sich an das Gesundheitsreferat gewandt und gebeten zur prüfen, wie es um die Inzidenz im Bereich der Hochhäuser an der Gilchinger- und Wildenrother Straße stehe. "Das Gesundheitsamt meinte, dass eine Impfaktion dort interessant sein könnte", berichtet Mosch. Daraufhin habe sie in der Siedlung Flyer verteilt und Plakate aufhängen lassen, um auf die Aktion aufmerksam zu machen. "Wir haben heute auch extra muttersprachliche Leute da, die Türkisch oder zum Beispiel Arabisch sprechen." In Aubing wird an diesem Samstag mit Johnson & Johnson geimpft. Die Dosen reichen für insgesamt für 120 Impfungen.

Am Backstage parkt währenddessen der Impfbus, der aus dem Impfzentrum in Riem angefahren kam. Als es um elf Uhr losgeht, bildet sich eine Schlange vor dem Bus. Viele der Menschen, die sich hier für eine Spritze gegen das Corona-Virus anstellen, kommen mit dem Rad. Eine Dame wohnt direkt ums Eck. Es sei einfach praktisch. Ein Mann, Mitte 40, hat zufällig auf den Bildschirmen in der S-Bahn gelesen, dass der Impfbus am Backstage hält. Terminlich sei es bisher im Impfzentrum in Riem für ihn schwierig gewesen. "Wenn man unter der Woche arbeitet, ist es hier am Wochenende leichter."

Sonderaktion in München: Warten auf den Piks im Impfbus beim Backstage.

Warten auf den Piks im Impfbus beim Backstage.

Insgesamt habe das Team der Aicher Ambulanz für den ganzen Tag knapp 300 Impfdosen zur Verfügung, sagt Einsatzleiter Maximilian Hinkofer. Überwiegend ist das Vakzin von Biontech auf Lager. Wer sich am Samstag am Backstage für die Impfung anmeldet, wird bei der Registrierung gefragt, welchen Impfstoff er gerne hätte. "Wir sind flexibel. Reichen die Dosen nicht, können wir einfach etwas aus Riem nachholen", sagt Hinkofer. Sechs Ärzte sind im Einsatz, der Impfbus bietet zwei Kabinen, in denen geimpft wird. Der Großteil der Aktion findet aber unter freiem Himmel statt. Während sich die ersten Münchner unter einem Pavillon registrieren, knickt das Zeltdach unter einer Windböe ein. Outdoor-Impfen ist auch vom Wettergott abhängig, und der war der Impfaktion am Samstag nicht allzu wohl gesonnen. Am Nachmittag musste der Bus seine Türen wegen des Regens wieder schließen.

Bis zu 8000 Impfungen sind in Riem täglich möglich

Beim Impfzentrum in Riem spielt das Wetter keine Rolle. Hier konnten sich Interessierte am Sonntag erstmals ohne Termin impfen lassen. Pro Tag sind dort bis zu 8000 Spritzen möglich. Am Morgen sei viel los gewesen, berichtet eine Dame, die für die Zuweisung der Parkplätze zuständig ist. Jetzt, am späteren Vormittag, sei die Nachfrage aber ein bisschen zurückgegangen. Auch ein Sicherheitsmann am Eingang des Zentrums hat sich vom ersten offenen Impftag mehr erwartet: "Von einem großen Ansturm kann man nicht sprechen."

Einige der Menschen, die nach der Impfung wieder in Richtung Parkplätze oder Bus gehen, hatten am Sonntag bereits einen Termin - sind also unabhängig vom offenen Impftag gekommen. Andere haben das Angebot bewusst genutzt. Einer jungen Frau wurden für das Impfzentrum bisher nur Termine vorgeschlagen, bei denen sie zu spät zur Arbeit gekommen wäre. Am Sonntag war das nicht der Fall.

Wie viele Münchner die Angebote der Stadt am Wochenende tatsächlich genutzt haben, war am Sonntag noch nicht bekannt. Die Zahlen können laut Gesundheitsreferat erst am Montag ausgewertet werden.

© SZ vom 19.07.2021/infu
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