Verkehrsberuhigung :Warum es heuer in München nur drei Sommerstraßen gibt

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Einstmals war die Südliche Auffahrtsallee eine Sommerstraße - in diesem Jahr nicht mehr. (Foto: Catherina Hess)

In der Au, Sendling und unweit des Isartors werden kleinere Straßen von Montag an über die Sommermonate hinweg verkehrsberuhigt – deutlich weniger als im vergangenen Jahr. Grund ist unter anderem das Debakel rund um die Kolumbusstraße.

Von Patrik Stäbler

Diese Woche beginnt auch im Münchner Verkehr der Sommer – wobei es genau genommen eher ein Sommerchen ist: Das Mobilitätsreferat weist heuer nur an drei Standorten im Stadtgebiet temporäre verkehrsberuhigte Bereiche aus, um Platz „zum Spazieren, Sitzen und Spielen“ zu schaffen, wie es aus dem Rathaus heißt.

So wenige sogenannte Sommerstraßen gab es noch nie seit dem Start des Projekts 2020; im Vorjahr wurden immerhin noch neun Bereiche mit Pflanzen, Sitzgelegenheiten und sonstigem Mobiliar umgestaltet. Diesmal dagegen sind es nur noch drei Sommerstraßen, die allesamt bereits in der Vergangenheit als solche ausgewiesen wurden. Erstens, am Isartorplatz zwischen Thiersch- und Kanalstraße; zweitens, in der Drächslstraße in der Au; und drittens, in der Schöttlstraße zwischen Fall- und Leipartstraße in Sendling

Diesen erheblichen Schwund kleidet man im Rathaus in schöne Worte. „Weniger ist mehr“, sagt etwa der Zweite Bürgermeister Dominik Krause (Grüne). „Heuer wird es in der Stadt drei Sommerstraßen geben, diese werden aber besonders aktiv bespielt, um so einen Mehrwert für die Nachbarschaft zu bieten.“ Derweil verweist eine Sprecherin des Mobilitätsreferats darauf, dass der Behörde diesmal bloß acht Standorte für Sommerstraßen aus fünf Bezirksausschüssen (BA) vorgeschlagen wurden. Von diesen hätten sich nach eingehender Prüfung lediglich drei als umsetzbar erwiesen.

Als Grund für die verhaltenen Rückmeldungen seitens der BA vermutet das Referat den „organisatorischen und operativen Aufwand“, der mit der Bespielung einer Sommerstraße einhergehe. „Und sicherlich“, so die Behördensprecherin, „hatte auch die Berichterstattung rund um das MCube-Projekt aqt in der Kolumbusstraße Auswirkungen auf die Bereitschaft der Bezirksausschüsse eine Sommerstraße umzusetzen und zu betreuen.“ 

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Jener Verkehrsversuch, der in der Öffentlichkeit oft irrtümlich als Sommerstraße firmierte, hatte 2023 zu heftigen Debatten geführt, in die sich sogar Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD) einmischte. Fakt ist aber auch, dass es bei den eigentlichen Sommerstraßen in den vergangenen Jahren – neben überwiegend positiven Rückmeldungen – an einzelnen Standorten ebenfalls lautstarke Kritik gab. So beschwerten sich etwa 2023 etliche Anwohnende in der Blutenburgstraße in Neuhausen, dass ihre Sommerstraße nicht nur menschenleer sei, sondern weiterhin als Schleichweg genutzt werde, den die aufgestellten Blumentröge zu einem gefährlichen Slalom-Parcours machten. Und ein Jahr zuvor entbrannte in der Schneckenburgerstraße in Haidhausen ein erbitterter Streit zwischen Befürwortern und Gegnern der dortigen Sommerstraße. 

Anders als damals erwarte er diesmal keine größeren Auseinandersetzungen, sagt Jörg Spengler (Grüne), Chef des BA Au-Haidhausen, mit Blick auf die Sommerstraße in der Drächslstraße. Schließlich sei diese bei der Premiere 2022 „überwiegend positiv“ aufgenommen worden. „Wir erhoffen uns, dass die Drächslstraße irgendwann dauerhaft verkehrsberuhigt wird“, sagt Spengler. Vorerst aber werden die Autos dort nur vorübergehend ausgebremst – und zwar bis Ende Oktober, wenn die Sommerstraßen wieder abgebaut werden.

Neu ist dem Mobilitätsreferat zufolge, dass an allen drei Standorten im Laufe der kommenden Monate „erstmals auch kleinere, nicht kommerzielle Aktionen und Events wie Spiel-, Mobilitäts- oder Kunstaktionen“ stattfinden. Zudem wird jede Sommerstraße mit einem eigenen Eröffnungsfest bedacht: in der Drächslstraße am 3. Juli ab 16 Uhr, am Isartorplatz am 12. Juli ab 14 Uhr und in der Schöttlstraße am 17. Juli ab 16 Uhr.

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