München:Seehofer: Ohne Sicherheit keine Freiheit

  • Nach dem Amoklauf am Olympia-Einkaufszentrum treffen sich die Regierungen in München in Berlin zu Krisensitzungen.
  • Politiker und Polizisten fordern eine stärkere Präsenz der Sicherheitskräfte. Wir müssen alles dafür tun, um unsere Sicherheit zu verteidigen", sagte Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer.
  • Auch Staats- und Regierungschefs anderer Ländern bekundeten ihre Solidarität mit Deutschland.

Bayerns Regierung berät nach dem Amoklauf von München über die Folgen für die Sicherheitsvorkehrungen im Freistaat. Ministerpräsident Horst Seehofer erklärte am Samstagmorgen: "Wir müssen alles dafür tun, um unsere Sicherheit zu verteidigen. Ohne Sicherheit gibt es keine Freiheit." Polizei und Rettungsdienste hätten schnell und professionell reagiert, so der CSU-Chef. "Die brutale und menschenverachtende Bluttat erfüllt uns alle mit Trauer und Entsetzen." Das bayerische Kabinett werde in seiner Sondersitzung um 11 Uhr über erste Konsequenzen des Amoklaufs beraten.

Zur gleichen Zeit trifft sich in Berlin Innneminister Thomas de Maizière (CDU) mit den Spitzen von Verfassungsschutz, BND und BKA zu einer Lagebesprechung. Anschließend tritt um 12.30 Uhr der Bundessicherheitsrat in Berlin zusammen. In dem Gremium sitzen neben Kanzlerin Angela Merkel auch Kanzleramtsminister Peter Altmaier (CDU, Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU), Vizekanzler Sigmar Gabriel, Außenminister Frank-Walter Steinmeier, Justizminister Heiko Maas (alle SPD), Finanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) und Entwicklungsminister Gerd Müller (CSU); außerdem Innenminister Thomas de Maizière (CDU) - er hat bereits zum zweiten Mal in dieser Woche seinen Urlaub unterbrochen und kam aus den USA nach Berlin zurück.

Zu Details wollte sich die Bundesregierung am Freitagabend jedoch nicht äußern und sich nicht an Spekulationen beteiligen. Deshalb gebe man noch keine ausführliche Stellungnahme ab: "Unsere Gedanken sind bei den Opfern des schrecklichen Angriffs in München." Altmaier sagte nur: "Wir schließen keine Hypothese aus", was Motive und Herkunft des Täters oder der Täter angehe. SPD-Chef und Vize-Kanzler Sigmar Gabriel twitterte: "Gedanken sind bei den Opfern. Jetzt keine Spekulation." Die Polizei München leiste großartiges.

Die Gewerkschaft der Polizei (GdP) forderte nach dem Amoklauf eine stärkere Präsenz auf den Straßen. "Sicherheitskräfte müssen verstärkt im öffentlichen Raum sichtbar, ansprechbar und aktionsfähig sein", sagte der GdP-Vorsitzende Oliver Malchow am Samstag in Berlin. Obwohl sich solche schrecklichen Taten wie die in München nicht immer verhindern ließen, gebe es keinen Grund, an der Leistungsfähigkeit der Sicherheitsbehörden zu zweifeln und aus Furcht sein freies Leben einzuschränken. Die Behörden täten seit Jahren alles Erdenkliche, um Anschlagspläne zu durchkreuzen, sagte Malchow: "Das ist in Deutschland oft gelungen, gelingt aber leider nicht immer."

So reagieren Politiker aus aller Welt

Spitzenpolitiker aus aller Welt und Deutschland sprachen München ihre Anteilnahme aus. Eine der ersten Reaktionen kam nach wenigen Stunden von US-Präsident Barack Obama. Er bot Deutschland seine Unterstützung an. Die Herzen seien bei den Menschen in Deutschland, sagte er bei einer Pressekonferenz in Washington.

Anders als die deutschen Ermittlungsbehörden bewertet der französische Präsident Francois Hollande den Vorfall von München eindeutig als Terrortat. "Der terroristische Anschlag der München getroffen und viele Menschen getötet hat, ist ein abscheulicher Akt mit dem Ziel, nach anderen Ländern auch in Deutschland Angst zu schüren", erklärte Hollande am Samstag. Deutschland könne auf die Unterstützung Frankreichs zählen. Hollande kündigte an, noch im Tagesverlauf mit Bundeskanzlerin Angela Merkel zu sprechen.

Bundespräsident Joachim Gauck hat sich bestürzt geäußert. "Der mörderische Angriff in München entsetzt mich zutiefst", wurde Gauck in einer Mitteilung des Bundespräsidialamtes zitiert. In Gedanken sei er bei allen Opfern und bei allen, die um einen geliebten Menschen trauerten oder fürchteten. Er wandte sich auch an die Rettungskräfte: "Und ich fühle mich allen verbunden, die im Einsatz sind, um Menschen zu schützen und Leben zu retten."

Viele deutsche Politiker meldeten sich über Twitter. Simone Peter, die Bundesvorsitzende der Grünen, versichert den Opfern des Angriffs und deren Angehörigen ihre Anteilnahme und weist auf die Großleistung der Polizisten hin, die unter Hochdruck nach den Tätern fahnden.

Der Generalsekretär der CDU, Peter Tauber, lobte die Münchner Polizei als seriöse Informationsquelle in diesen Stunden, in denen sich die Meldungen überschlagen.

Omid Nouripour, Grünen-Abgeordneter im Bundestag, betete dafür, dass nicht noch mehr Menschen in München zu Schaden kommen als die sieben Toten und zahlreichen Verletzten, die von der Polizei bislang bestätigt sind.

Katrin Göring-Eckardt, Fraktionsvorsitzende der Grünen, bedankte sich für die Hilfsbereitschaft der Münchner. Auf Twitter bieten sie unter dem Hashtag #offeneTür den Leuten einen sicheren Platz, die inmitten des Chaos in München gestrandet sind, nicht nach Hause kommen, aber von der Straße runter wollen.

Zur SZ-Startseite

Lesen Sie mehr zum Thema

Süddeutsche Zeitung
  • Twitter-Seite der SZ
  • Facebook-Seite der SZ
  • Instagram-Seite der SZ
  • Mediadaten
  • Newsletter
  • Eilmeldungen
  • RSS
  • Apps
  • Jobs
  • Datenschutz
  • Abo kündigen
  • Kontakt und Impressum
  • AGB