Skateboard und BMXDie Actionsportszene ist sauer auf die Stadt

Lesezeit: 2 Min.

Denn die Rampen am ausrangierten S-Bahnhof auf dem Olympiagelände wurden dem Erdboden gleich gemacht. Nun werden mehrere mögliche Standorte geprüft.

Von Ralf Tögel

Das Wetter ist derzeit eine passende Argumentationshilfe für die Skateboarderszene in München. Es ist nicht schwer, sich vorzustellen, dass es sich bei Regen oder Schnee nicht ganz so geschmeidig über Hindernisse oder Rampen springen lässt, egal ob mit einem Skateboard oder einem BMX-Rad. Auch der Bedarf der Szene nach einem Ort für unbeschwertes Skaten ist unbestritten - und von der Stadt erkannt. Daher hat sich kürzlich Verena Dietl (SPD), die als Münchens Sportbürgermeisterin federführend in dieser Angelegenheit tätig ist, mit Vertretern der Münchner Vereine Tretlager e.V. und Skateboarding München e.V. getroffen, um über den Fortschritt der geplanten Actionssporthalle in der ehemaligen Eggenfabrik zu informieren. Die wird, so sicherte Dietl zu, 2023 in Betrieb gehen, die genaue Ausgestaltung der Sanierung werde derzeit erarbeitet.

Kurz vor dem Treffen war die Nachricht geplatzt, dass am ausrangierten S-Bahnhof auf dem Olympiagelände, der von den Freestyle-Sportlern in Eigenarbeit mit ein paar Hindernissen aufgehübscht worden war, städtische Bauarbeiter selbige dem Erdboden gleich gemacht haben. Was keine gute Argumentationshilfe für die Vertreter der Stadt ist, in diesem seit vielen Jahren andauernden und oft emotional geführten Dialog zwischen Actionssportlern und Politikern.

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Vielmehr gab es einen formidablen Shitstorm in deren Richtung, allein die SPD bekam mehr als 200 teils wütende Nachrichten über diverse Social-Media-Kanäle, in denen ihr das enorme Missfallen der Szene über die Maßnahme mitgeteilt wurde. Nachvollziehbar, findet Dietl, die zum einen über den Abbruchvorgang nicht informiert war, sich zum anderen seit Jahren für die Actionsportszene und ihre Forderung einsetzt. Daher hat sich Dietl am Mittwoch erneut mit Vertretern der Actionsportszene am alten Olympiabahnhof getroffen und erklärt, dass sich das Gelände allein aus Sicherheits- und Haftungsgründen nicht eignet.

Gleichwohl aber hat sie Hilfe bei der Suche nach einem alternativen Ort signalisiert, der für die Sportler im Winter oder bei schlechtem Wetter gut und gefahrlos nutzbar ist. "Ich bin mir der Sorgen und Nöte der Skater bewusst und daher in engem Austausch mit den Betroffenen. Mit dem Bau der neuen Actionsporthalle haben wir langfristig eine gute Perspektive geschaffen. Derzeit prüfen wir verschiedene Möglichkeiten, um den Actionsportlern auch übergangsweise und kurzfristig eine überdachte Örtlichkeit bieten zu können", versprach Dietl.

Dass die Szene der Kommune mit einem gewissen Maß an Misstrauen begegnet, ist verständlich, denn bisher wurden die Freestyler stets vertröstet und warten "seit 15 Jahren, dass sich etwas bewegt", wie Sprecher Nico Frank erklärt. Beinahe hätte die Corona-Krise die bereits genehmigte und geplante Actionssporthalle in Pasing wieder gekippt, doch nun werden trotz Finanzkrise elf Millionen Euro für den Bau in den Haushalt eingeplant. Auch hat die SPD in Abstimmung mit den Grünen und der Rosa Liste einen Antrag an die Stadtverwaltung gestellt, bis Mitte Dezember "eine überdachte, nicht räumlich geschlossene Örtlichkeit zur Verfügung zu stellen, um dort eigene Rampen zu bauen und ihre Sportart weiterhin auszuüben."

Nun werden mehrere Standort geprüft, unter anderem wurde das Maximiliansforum genannt, derzeit wird die Unterführung an der Maximilianstraße für Kunstausstellungen genutzt, oder das Gelände unter der Donnersbergerbrücke. Es wurden auch weitere Optionen diskutiert, etwa ein Privatgelände, oder eine finanzielle Unterstützung durch die Stadt. In jedem Fall war der Austausch vor Ort von großem Konsens geprägt, alle Beteiligten sind sich einig, dass die Zeit drängt.

© SZ vom 04.12.2020 - Rechte am Artikel können Sie hier erwerben.
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