In München wird es eine zentrale Silvesterfeier für Zehntausende Menschen geben – mit Musikprogramm auf mehreren Bühnen, Licht- und Lasershow und natürlich allerlei gastronomischen Angeboten. Die Sause wird allerdings erst zum Jahreswechsel 2025/26 stattfinden, also nächstes Jahr. Das beschloss der Wirtschaftsausschuss des Stadtrates am Dienstag mit der knappsten möglichen Mehrheit von 10:9 Stimmen. Während die Vertreter der Regierungskoalition von Grünen/Rosa Liste und SPD/Volt für einen ergänzten Antrag des Wirtschaftsreferenten Clemens Baumgärtner (CSU) stimmten, votierten die Oppositionsparteien geschlossen dagegen.
Das ist vor allem deshalb erstaunlich, weil sich im Grunde alle einig waren, dass eine zentrale Silvesterfeier eine feine Sache für München sei. Trotzdem gab es eine Reihe von Bedenken gegen das Konzept einer „Silvestermeile“, das der Münchner Veranstalter Alexander Wolfrum präsentiert und zuletzt noch einmal präzisiert hatte. Nicht genug, wie CSU-Stadtrat Thomas Schmid fand, der vor allem die vorgesehene Party-Location in der Innenstadt kritisch sieht. Seine Fraktion hatte beantragt, die Feiermeile lieber in den Olympiapark zu verlegen, um das Geschehen in dem weitläufigen Areal entzerren zu können.
Trotz aller Bedenken hat Wolfrum mit seiner Agentur G.R.A.L. nun grünes Licht für sein Vorhaben bekommen, das er unter den Arbeitstitel „Sauber reing’feiert“ gestellt hat. „Wir sind sehr glücklich“, sagte er nach der Sitzung, die er auf der Besuchertribüne verfolgt hatte. Formal muss die Vollversammlung des Stadtrats den Beschluss nächste Woche noch absegnen; in aller Regel folgt das Plenum aber den Entscheidungen der Fachgremien.
Wolfrums Freude wurde auch nicht durch den Umstand getrübt, dass er vom Ausschuss noch einen zusätzlichen Auftrag mitbekommen hatte, nämlich zumindest zu prüfen, ob auch der Olympiapark als Veranstaltungsort infrage komme. Das wolle er in den nächsten zwei Wochen tun, wie er sagte. Sein ursprüngliches Konzept beruht darauf, die Ludwigstraße zwischen Feldherrnhalle und Siegestor zu bespielen, eine „Premium-Stadtlage“, wie Beppo Brem bemerkte, der wirtschaftspolitische Sprecher der Grünen. „Wenn wir öffentlichen Raum zur Verfügung stellen, muss es eine Veranstaltung mit einem echten Mehrwert sein“, fügte er hinzu.
Brem erinnerte auch noch einmal an den Ursprung der Idee einer zentralen Feier zum Jahreswechsel. Wegen der damit einhergehenden Feinstaubbelastung waren Feuerwerk und Böllerei ja schon 2019 in der Fußgängerzone und später innerhalb des Mittleren Rings verboten worden – als Ersatz wollte die Stadt selbst eine große Party mit umweltschonender Drohnen-Show organisieren. Aufgrund der angespannten Haushaltslage sah sie sich letztlich aber nicht in der Lage, eine solche Silvesterfeier zu finanzieren.
Nun geht der Veranstalter Wolfrum ins finanzielle Risiko, er will das Event rein privatwirtschaftlich organisieren. Um die Kosten für Absperrungen, Bühnenaufbau, Bands, Künstler, Lichtinszenierungen, Sicherheitskräfte und Müllabfuhr wieder reinzuholen, muss er allerdings Eintritt verlangen. Als Ticketpreis kalkuliert er mit regulär 40 Euro und ermäßigt 20 Euro. Außerdem soll es Familien- oder Gruppentickets zu 80 Euro geben und auch eine bestimmte Anzahl von kostenlosen Sozialtickets. Wolfrum selbst hatte dafür zwei Prozent der Gesamtzahl ins Gespräch gebracht, im verabschiedeten Beschluss wurden nun 400 Eintrittskarten festgeschrieben, die über gemeinnützige Organisationen vertrieben werden sollen.
Noch ist vieles ungewiss, zum Beispiel, für wie viele Menschen das Event geplant wird. Es gibt mehrere Szenarien, je nach Ausgestaltung der Veranstaltungsfläche: Eine kleinere Variante umfasst 17 000 bis 25 000 Besucher, eine große bis zu 65 000. Genaueres wird sich in den nächsten Wochen zeigen, wenn Wolfrum die Option Olympiapark geprüft hat. Erst wenn die Entscheidung über die Örtlichkeit gefallen ist, kann er konkreter in die Planungen einsteigen.

Seitens der Stadt ist die Silvestermeile erst einmal als Pilotprojekt geplant, für zwei Jahreswechsel, einmal eben 2025/26 und dann 2026/27. Im besten Fall könnte die Feier „Ausgangspunkt für weitere Initiativen sein, die in den Folgejahren mit Kreativität und Einfallsreichtum die schwächer besuchten Wintermonate in München mit attraktiven Reiseanlässen bereichern“, hatte Wirtschaftsreferent Baumgärtner in seiner Beschlussvorlage geworben. Und von einem weiteren „winterlichen Freizeit-und Erlebnisangebot für Einheimische und Gäste“ gesprochen.
Bei der zentralen Silvesterfeier geht es ja nicht nur darum, die teilnehmenden Bürgerinnen und Bürger dadurch vom Böllern und Feuerwerken abzuhalten, also einen positiven Effekt für Umwelt und Tiere zu erzeugen. Eine weitere Absicht ist, zu einer eher flauen Jahreszeit mehr Touristen nach München zu locken, einen attraktiven Reiseanreiz zu bieten und somit der hiesigen Hotellerie eine höhere Bettenauslastung im Winter zu verschaffen. „Andere Metropolen wie New York, London oder Berlin zeigen schon seit Langem, dass mit einer offiziellen Inszenierung eine sehr positive Außenwirkung für eine Stadt entstehen kann“, hieß es in der Beschlussvorlage. „Wir sind auf dem Weg, das zumindest mal auszuprobieren“, sagte Grünen-Stadtrat Beppo Brem. Bereits nach der ersten Auflage der Silvestermeile soll evaluiert werden, ob das Spektakel die Erwartungen erfüllt.
G.R.A.L.: Wer hinter dem Konzept steckt
Gesprochen geht die Abkürzung G.R.A.L. leicht über die Lippen, ausgeschrieben wird ein ungewöhnlich langer Firmenname daraus. Die vier Buchstaben stehen für „Gründliche Realisierung Allgemeiner Lebensfreude“. Die Eventagentur wurde 1995 gegründet, hat nach eigenen Angaben seitdem mehr als 4300 Projekte realisiert und aktuell 25 Mitarbeiter.
Gründer und Geschäftsführer ist Alexander Wolfrum, 58. Sein erstes Projekt: den Königsplatz mit einem Open-Air-Kino zu bespielen. Bis 2016 tat G.R.A.L. das, inzwischen tun es andere.

SZ-Podcast "München persönlich":Veranstalter Alexander Wolfrum über besondere Locations in München
Der Gründer der Eventagentur Gral ist seit gut 30 Jahren im Geschäft. Muss man bei Firmenevents und Veranstaltungen immer wieder neue Reize setzen? Und welche Ansprüche hat das Instagram-Publikum?
Beim Jahreswechsel 1999/2000 veranstaltete die Agentur als Generalunternehmer die Silvestermeile der Stadt. Auf dieser feierte damals eine Viertelmillion Menschen ins neue Jahrtausend. Die SZ schrieb: „Das Feuerwerk fiel so gigantisch aus wie nie zuvor, die Ludwigstraße war bedrohlich überfüllt – und dennoch verlief das ganze Spektakel ohne größere Zwischenfälle.“
G.R.A.L. unterhält ein Büro in Berlin und eines in München. Auf der Homepage des Unternehmens werden als Referenzen unter anderem aufgeführt die Illumination des BMW-Hochhauses zu den European Championships oder das Hofgartenfest der Bayerischen Staatskanzlei.


