Nach harter KritikWird es noch mal eine Silvestermeile geben?

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So sah das Licht zur letzten Nummer auf der Silverstermeile aus: One Moment in Time.
So sah das Licht zur letzten Nummer auf der Silverstermeile aus: One Moment in Time. Florian Peljak
  • Trotz Kritik an Organisation, Preisen und Lasershow soll die private Münchner Silvestermeile auch zum nächsten Jahreswechsel stattfinden.
  • Die Premiere erhielt durchwachsene Bewertungen von den Besuchern.
  • Der Großteil des Stadtrats unterstützt einen zweiten Versuch mit der Agentur Gral, nur die ÖDP fordert eine kostenlose kommunale Alternative.
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Nach der Premiere hatten Besucher etwa die mitternächtliche Lasershow kritisiert, andere wiederum zeigten sich zufrieden. Was der Veranstalter sagt – und wie sich die Politik festlegt.

Von Heiner Effern und Anna Hoben

Die Premiere litt unter klirrender Kälte, organisatorischen Wacklern und teils eisigen Kritiken, doch auch zum nächsten Jahreswechsel soll es eine private Silvestermeile in der Münchner Innenstadt geben. „Klar, wir machen weiter“, sagt Alexander Wolfrum, Geschäftsführer der Eventagentur Gral. Sie hat die Feier zwischen Odeonsplatz und Siegestor vor gut einer Woche erstmals veranstaltet. 10 000 Tickets sind laut Veranstalter verkauft worden, Platz wäre locker für doppelt so viele Besucher gewesen.

Beim Publikum rief das Straßenfest eine durchwachsene Resonanz hervor. Lob gab es vor allem für die Lichtinstallationen verschiedener Künstler an Gebäuden, Kritik allerdings an der mitternächtlichen Lasershow, an der Organisation und an der Preisgestaltung. Von „miserabel“ über „keine Partystimmung“ bis zum „Schlechtesten und Lahmsten, das ich je gesehen habe“ reichten die Kommentare am Abend auf der Silvestermeile.

In den sozialen Medien klang es ähnlich. „Ich habe selten so viele enttäuschte Gesichter zum neuen Jahr gesehen. Schade, 40 Euro für nichts und wieder nichts ausgegeben“, hieß es auf Instagram. Es gab am Abend auf der Silvestermeile aber auch Besucher, die sich „zufrieden“ zeigten, und viele tanzten fröhlich vor den Bühnen.

„Wir lernen“, sagt Veranstalter Wolfrum mit etwas zeitlichem Abstand. Man sei sowohl mit den Künstlern als auch mit den Behörden in Nachbesprechungen. „Wir schauen uns alles an und merken, dass es schwer ist, es allen recht zu machen.“ So sei etwa die Lasershow „vereinzelt nicht so angekommen, wie erhofft“, räumt er ein. Wer direkt vor dem Siegestor stand, habe die Laserstrahlen, die über den Köpfen umherflogen, nicht so gut gesehen. Das funktioniere im Prinzip wie im Kino. Bei einer Neuauflage müsse man möglicherweise die Zuschauerbereiche anders anordnen.

Teilweise handle es sich aber um „schwer fassbare Vorwürfe“, sagt Wolfrum. So behaupteten einzelne in den sozialen Medien oder bei Google, dass sie die Lasershow gar nicht gesehen hätten – trotz TV-Berichten mit Aufnahmen davon. Zur Kritik, dass trotz eisigen Temperaturen kein Wiedereinlass auf die Meile möglich gewesen sei, sagt Wolfrum, man habe bereits von 19.20 Uhr an den Bitten entsprochen und diesen Gästen aus Kulanz Bändchen angelegt, sodass sie später wiederkommen konnten.

Zu den kritisierten Eintrittspreisen sagt der Veranstalter, er würde künftig gern mehr günstige Tickets anbieten können, eventuell mit Hilfe von Sponsoren. Bisher seien diese aber reserviert gewesen. Auf einen nennenswerten Zuschuss von der Stadt kann er wohl auch nicht hoffen, angesichts der Haushaltslage geben sich die Fraktionen im Stadtrat zurückhaltend.

Der Großteil des Stadtrats steht hinter der Meile

Die Stadt hat die private Silvestermeile als Pilotprojekt für zwei Jahreswechsel beschlossen und an die Agentur Gral vergeben. Es war die erste große zentrale Feier seit dem Übergang ins neue Jahrtausend. Damals hatte die Stadt selbst die Meile hauptverantwortlich organisiert. Diesmal stand nicht ein rundes Datum im Vordergrund, sondern eine zentrale Party ohne Böller und Feuerwerk. Der Großteil des Stadtrats steht hinter einem zweiten Versuch mit Gral. Nur die ÖDP schert öffentlich aus.

In einem Antrag forderte die Partei eine „grundlegende Neuausrichtung“. Die Stadt solle die Silvestermeile mit Vereinen und Kulturschaffenden organisieren, sagt der Fraktionsvorsitzende Tobias Ruff. Die kommunale Feier solle „kostenlos, frei zugänglich und nicht kommerziell“ werden. Auch für die Finanzierung hat er einen Vorschlag: Die Stadt solle die rechtlichen Grenzen ausreizen und auf ihrem gesamten Gebiet jedes Feuerwerk verbieten. Mit den eingesparten Kosten für die Reinigung will Ruff die Silvestermeile finanzieren.

Die drei großen Fraktionen CSU/Freie Wähler, Grüne/Rosa Liste/Volt und SPD äußern dagegen nur dezente Kritik und machen sich für die vereinbarte Neuauflage mit Gral stark. „Die Silvestermeile sollte fortgesetzt werden, das Konzept gehört aber mit Blick auf die diesjährigen Erfahrungen überarbeitet“, sagt Grünen-Stadtrat Beppo Brem. Der Versuch einer böllerfreien, zentralen Silvesterparty sei grundsätzlich „gelungen“.

CSU-Fraktionschef Manuel Pretzl verweist auf die Kälte in der Neujahrsnacht. „Die Veranstalter hatten totales Pech mit den Temperaturen.“ Dazu sei das erste Mal „immer schwer“. Ein Engagement der Stadt schließt er aus. „Das wird bei den Kosten gleich siebenstellig. Das kann man machen, wenn die Stadt in ihrem Haushalt einen Gewinn von einer halben Milliarde Euro hat, aber im Moment passt das nicht in die Zeit.“

Die SPD will auf eine abschließende Bewertung warten, bevor sie Schlüsse zieht. „Aber natürlich kann und soll der Veranstalter gerne nachjustieren und etwaige Verbesserungen einbringen“, heißt es in einer Stellungnahme. „Die Silvestermeile hat in diesem Jahr nicht so funktioniert, wie viele sich das vorgestellt haben“, sagt FDP-Fraktionschef Jörg Hoffmann. Aber das sei kein Problem der Stadt, so etwas regle der Markt. Dafür im Moment öffentliches Geld auszugeben, sei „unverantwortlich“.

Für die Agentur Gral ist Abspringen kein Thema. Chef Wolfrum wehrt sich auch gegen die negative Sicht auf die Silvestermeile. Er freue sich, „dass ganz viele Dinge funktioniert haben“, sagt er. Es habe keine sicherheitsrelevanten Vorkommnisse gegeben, es sei kein Feuerwerk gezündet worden, und sein Team habe „vereinzelt hinreißende Dankesmails von Besuchern bekommen“. Auch der Umgang mit den Anwohnern, für die extra ein Lärmtelefon eingerichtet worden war, habe sehr gut funktioniert.

Laut der Stadt seien zudem die Feinstaubwerte in der Innenstadt am Neujahrstag im Vergleich zum Vorjahr deutlich zurückgegangen. Und sein Team habe für eine touristische Attraktion gesorgt, sagt Wolfrum. Durch die Auswertung des Vorverkaufs wisse man, dass 40 Prozent der Besucher der Silvestermeile nicht aus Bayern gekommen seien.

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