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Silvesterfeuerwerk:Münchner sind keine Schwaben

Silvester - Feuerwerk in München

Der Münchner will mit seinem Silvesterfeuerwerk aller Welt zeigen, dass er sich einen verschwenderischen Lebensstil leisten kann.

(Foto: dpa)

Im schwäbischen Augsburg mag es vorstellbar sein, dass die Menschen Raketen an Silvester 2019/20 aufgespart haben, die sie heuer in die Luft jagen können. Aber in München, wo das Silvesterfeuerwerk eine Leistungsschau ist?

Glosse von Wolfgang Görl

Wer in diesem Jahr auf legale Weise ein Silvesterfeuerwerk abbrennen will, sollte unbedingt einen Rechtsanwalt sowie zwei, drei Zeugen dabei haben. All diese Personen dürfen aber nur aus maximal zwei Haushalten stammen. Am besten, das Pyroteam versammelt sich im eigenen Garten, denn auf Privatgelände, sofern es sich nicht in einer Verbotszone befindet, darf man all die Raketen und Böller zünden, deren Verkauf untersagt ist.

Doch auch um diese letzten Refugien unbekümmerter Knallerei gibt es Streit, etwa in Augsburg, wo die Stadt ein generelles Feuerwerksverbot erlassen hat, gegen das die Pyrofraktion erfolgreich Sturm gelaufen ist. Wozu ein Verbot, es gibt sowieso keine Feuerwerkskörper zu kaufen? Doch das größte Arsenal von Knallern und Raketen befindet sich in den Wohnungen normaler Bürger. Nicht alles, was kracht und leuchtet, haben die Menschen an Silvester 2019/20 auch in die Luft gejagt.

Wie? Es gab vor einem Jahr Leute, die mitten im schönsten Pyrotaumel riefen: "So, jetzt reicht's! Die übrigen Silberblitz-Raketen und die Kanonenschläge legen wir auf die hohe Kante." Gut, in Augsburg ist das denkbar. Die Augsburger sind Schwaben, also Menschen, deren höchstes Glück es ist, etwas sparen zu können. Das geht oft so weit, dass sie nach der Böllerei den papierenen Raketenmüll einsammeln, ihn einweichen und damit ihren Spätzleteig strecken.

Aber in München? Normalerweise will der Münchner doch aller Welt zeigen, dass er sich einen verschwenderischen Lebensstil leisten kann, weshalb er dem Brillantfeuerwerk stets ein paar echte Brillanten beimischt und seine Knallfrösche in der Feinkostabteilung vom Dallmayr kauft. Das Silvesterfeuerwerk, so war es in München immer der Brauch, ist eine Leistungsschau.

Jetzt aber stellt sich heraus, dass auch etliche Münchner im Vorjahr Feuerwerkskörper gebunkert haben, statt sie pflichtgemäß zu verballern. Hat sich irgendeiner dieser Böllerhamsterer Gedanken gemacht, was er damit anrichtet? Jeder weiß, dass die Silvesterknallerei seit den Zeiten der alten Germanen dazu dient, böse Geister zu vertreiben. Damit dies gelingt, muss man seine gesamte Munition verpulvern; andernfalls bleiben die bösen Geister im Land und richten ungeheuren Schaden an. Genau so ist es 2020 auch gekommen. Fürs neue Jahr darf man dennoch hoffen. Böse Geister lassen sich auch mit Masken vertreiben - und davon ja gibt's jetzt genug.

© SZ vom 30.12.2020/bas
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