Die Münchner ärgert es seit Jahren: Dem alljährlichen Silvesterrausch folgt spätestens beim Gang zum nächsten Glascontainer die Ernüchterung. Wer seine Sekt-, Wein- und sonstigen Flaschen ordnungsgemäß entsorgen will, wird sie an den Münchner Wertstoffinseln nach Feiertagen meistens nicht los. Die Container quellen regelmäßig über, und davor steht ein Meer aus wild entsorgtem „Hohlglas“, wie es im Entsorgerjargon heißt.
Unzählige Flaschen werden so auf den Bürgersteigen zu gefährlichen Stolperfallen. Die sogenannten Wertstoffinseln sind in München wegen der Vermüllung drum herum seit vielen Jahren ein Ärgernis. Immer wieder gab es Stadtratsanträge verschiedener Fraktionen, dem Elend ein Ende zu machen. Und doch bietet sich in den dichter besiedelten Quartieren an und nach Wochenenden immer das gleiche Bild, nicht nur an Neujahr.

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Jetzt, gleich zum Jahreswechsel, wagt die CSU mit einem Antrag einen neuen Vorstoß. Der zum Kommunalreferat gehörende Abfallwirtschaftsbetrieb (AWM) solle sich umgehend und nachdrücklich mit den für die Wertstoffinseln zuständigen Firmen in Verbindung zu setzen, um das Chaos und die Vermüllung endlich zu unterbinden, so die Forderung. Für das Altglas ist der Entsorger Remondis zuständig, für Kunststoffe und Aluminium die Firma Wittmann.
Und die sollten, so heißt es im Antrag, insbesondere vor Feiertagen zusätzliche Touren fahren, „um das Stadtbild München nicht verkommen zu lassen“. Besonders das Altglas ist ein Problem, das offenbar aber nicht so leicht zu lösen ist. Das zeigte eine Anfrage bei Remondis. Das Unternehmen entsorgt jährlich 29 500 Tonnen Altglas in München, die in 863 Containern gesammelt werden. Nach Vorgaben der bayerischen Staatsregierung soll mindestens ein Container pro 2000 Einwohner zur Verfügung stehen. Diese Quote wird in München nicht ganz erreicht, die Container-Dichte sei aber noch im Rahmen, sagt der AWM.
Aber warum quellen die Container nun regelmäßig über? Bei Remondis erfährt man, es werde grundsätzlich „bedarfsgerecht“ geleert, an rund 80 Prozent der Standorte dreimal wöchentlich und bei rund 20 Prozent zweimal wöchentlich. Steige dieser Bedarf, werde auch öfter geleert. Zum Flaschenchaos nach Silvester erklärt eine Remondis-Sprecherin: „Weihnachten und Silvester zählen zu den kalendarischen Hochsaisonzeiten der Altglassammlung. In dieser Zeit fällt alljährlich mehr Altglas in den Haushalten an, welches die Bürgerinnen und Bürger schnell loswerden möchten.“ Durch die Feiertage erfolge die Abholung außerdem zum Teil zeitverzögert. An diesem Mittwoch habe man die Kapazität erhöht, da es zuvor einen längeren Fahrzeugausfall gegeben habe, der nun behoben sei. „Zudem sind wir mit zusätzlichem Ladepersonal tätig, um die Mehrmengen zügig einzusammeln beziehungsweise die Container zu leeren.“
Viel Altglas landet am Ende einfach im Restmüll
Die Stadt München hat bei der Entsorgung keinen wirklichen Einfluss. Zwar sind die Entsorger bei der Suche nach Standorten für ihre Wertstoffinseln in Kontakt mit den Bezirksausschüssen. Die Leerungszyklen legen sie nach Angaben des AWM an den jeweiligen Standorten allerdings selbst fest. Auftraggeber sind im Übrigen nicht die Stadt München oder der AWM, sondern die sogenannten dualen Systeme, das sind private Firmen, die per Bundesgesetz mit der Entsorgung von Wertstoffen beauftragt sind, dazu zählt auch Altglas, das sich beliebig oft recyceln lässt. Zehn duale Systeme gibt es derzeit in Deutschland, eine Liste findet sich auf der Homepage muelltrennung-wirkt.de. Welches Unternehmen konkret für München zuständig ist, ist weder beim AWM noch bei Remondis zu erfahren.
Um Chaos am Container zum Jahreswechsel zu vermeiden, rät der Entsorger zu „vorausschauendem Handeln“. Tipp eins: Altglas idealerweise schon mit deutlichem Vorlauf zu den Weihnachtstagen abgeben, Tipp zwei: Glascontainer solle man möglichst nicht direkt nach den Feiertagen aufsuchen. Durch das hohe Aufkommen dauere es, bis die Fahrzeuge alle Standorte angesteuert hätten.
Nicht jeder aber wird die Überreste zerronnener Feierlaune gern daheim lagern. Und wer seine schweren Tüten mit Flaschen einen halben Kilometer bis zur überfüllten Sammelstelle geschleppt hat, wird diese selten wieder mit nach Hause nehmen. Viele sparen sich gleich ganz den Weg, die Folge: Rund 20 000 Tonnen Altglas landen laut AWM pro Jahr im Restmüll. Das sind knapp 68 Prozent der offiziell entsorgten Menge.

