MünchenSiemens Mobility eröffnet neuen Hauptsitz in Allach

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Die Lok Vectron ist der Exportschlager von Siemens Mobility. Gefertigt wird der Zug im Werk in Allach.
Die Lok Vectron ist der Exportschlager von Siemens Mobility. Gefertigt wird der Zug im Werk in Allach. (Foto: Robert Haas)

In den Ausbau des traditionsreichen Standorts hat der Konzern eine Viertelmilliarde investiert. 500 neue Arbeitsplätze sollen hier entstehen. Hier wird eine Lok produziert, die in mehr als 20 europäischen Ländern unterwegs ist.

Von Martin Mühlfenzl

Im Minutentakt rauschen unüberhörbar Züge im Hintergrund auf dem Weg Richtung Hauptbahnhof und in den Norden der Republik vorbei und durchbrechen die gespannte Stille. Es ist genau der Sound, den sie hier auf dem Betriebsgelände von Siemens Mobility besonders gerne hören: der Rhythmus der immer weiter wachsenden Mobilität auf den eisernen Lebensadern, die das Land und einen ganzen Kontinent mit am Laufen halten. Und der altehrwürdige Industriestandort im Münchner Westen darf sich künftig sogar Headquarter der Mobilitätssparte von Siemens nennen. Der Weltkonzern hat das Hauptquartier seiner Branche nach Allach verlegt – und dafür in den vergangenen zwei Jahren kräftigt investiert.

Kein Wunder also, dass es sich die bayerische Politprominenz nicht nehmen lässt, zur feierlichen Eröffnung des neuen Firmensitzes – Siemens Mobility ist eine hundertprozentige Tochter des Konzerns – zu kommen: Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) ist ebenso anwesend wie sein Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger von den Freien Wählern und Münchens Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD). Ohnehin sind der Siemens-Konzern mit seinem Sitz am Wittelsbacherplatz im Herzen Münchens und die Politik seit jeher eng miteinander verbunden. Oder wie Söder sagt: Seit den Nachkriegsjahren sei Siemens – 1847 in Berlin gegründet – ein durch und durch bayerischer Konzern und Teil der Erfolgsgeschichte des Bundeslands beim Wandel vom Agrarland zum Hightech-Standort.

In Allach wird allerdings ein Produkt gefertigt, das Bedeutung weit über die Grenzen des Freistaats hinaus hat: die elektrisch betriebene Lok Vectron, die mittlerweile in mehr als 20 europäischen Ländern unterwegs ist. An diesem feierlichen Tag der Einweihung des neuen Headquarters wird die 1750. Lok dieses Modells erst enthüllt und schließlich ausgeliefert. Mehr als 2700 Einzelstücke hat Siemens bereits verkauft. Für Karl Blaim, Geschäftsführer von Siemens Mobility, ist die Vectron daher nicht weniger als ein Sinnbild für Europa. Eine Lok, die Kulturen und Länder verbinde – und das mit höchster Qualität und Leistung, wie er sagt. Insgesamt 1,2 Milliarden Betriebskilometer, so Blaim, hätten die bisher ausgelieferten Modelle bereits zurückgelegt, eine Strecke von München bis zum Saturn. „Eine gigantische Leistung“, sagt der Geschäftsführer.

Münchens OB Dieter Reiter (Dritter von links), Ministerpräsident Markus Söder und Siemens-CEO Roland Busch (von links) bei der Einweihung des neuen Headquarters der Mobility-Sparte des Weltkonzerns in Allach.
Münchens OB Dieter Reiter (Dritter von links), Ministerpräsident Markus Söder und Siemens-CEO Roland Busch (von links) bei der Einweihung des neuen Headquarters der Mobility-Sparte des Weltkonzerns in Allach. (Foto: Robert Haas)

Und damit diese Erfolgsgeschichte weitergehen kann, nimmt der Konzern am traditionsreichen Standort Allach viel Geld in die Hand. Etwa 250 Millionen Euro hat Siemens in den vergangenen zwei Jahren in das neue Headquarter der Mobility-Sparte investiert und die Bürofläche verdreifacht. Und auch der Wirtschaftsstandort München profitiert vom Ausbau im Münchner Westen: 500 neue Arbeitsplätze schafft Siemens in Allach. Hier sollen Produktion, Verwaltung, aber vor allem auch die Prozesse bei der Digitalisierung noch engmaschiger miteinander verflochten werden. Denn die Zeiten, in denen Züge, Loks und Passagierwagen rein mit Manneskraft und handwerklichem Geschick gebaut und gewartet wurden, sind längst vorbei.

Beim Bau und der Wartung von Zügen, sagt Mobility-CEO Michael Peter, spielten die Faktoren Digitalisierung und künstliche Intelligenz eine immer wichtigere Rolle. Diesen „Pioniergeist“ habe sich Siemens in den vergangenen Jahren zu eigen gemacht und dadurch Prozesse in Allach, aber auch allen anderen Standorten, deutlich beschleunigt und verbessert. Die Vectron sei mittlerweile ein digitales Produkt, ein „9000-PS-Supercomputer“, der dank KI 70 Prozent aller Wartungsaufträge selbständig erstellen könne. „Die Lok sagt selbst, was gewartet werden muss“, so Peter.

Dank der immer weiter fortschreitenden Digitalisierung und künstlicher Intelligenz, betont auch Siemens-CEO Roland Busch, sei es möglich, am teuren Standort Deutschland weiter zu produzieren. Er sieht seinen Konzern dabei in einer Vorreiterrolle: „Wir sichern die Wettbewerbsfähigkeit Deutschlands.“ Auch dank einer einheitlichen Produktion ähnlich der Fertigung von Autos am Fließband.

In Allach ist auf dem Betriebsgelände auch rein äußerlich erkennbar, dass der Konzern bemüht ist, die Tradition hochzuhalten und dennoch in die Zukunft zu investieren: Gründerzeitcharme verbindet sich hier mit moderner Industriearchitektur. Ministerpräsident Söder konstatiert: Siemens sei definitiv „keine alte Industrietante“. Vielmehr stehe der Konzern für einen „fundamentalen Transformationsprozess“, bei dem Bayern in Deutschland führend sei. Münchens OB Reiter sieht durch die Verlagerung des Headquarters die Landeshauptstadt als Industriestandort gestärkt. Siemens, so der Sozialdemokrat, setze ein starkes Zeichen gegen die Deindustrialisierung. Als der OB mit seinem Grußwort endet, rauscht im Hintergrund wieder ein Zug vorbei – möglicherweise eine Vectron-Lok aus Allach.

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