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München:Sich selbst und dann dem Kind helfen

Elterntraining

Wechsel der Perspektiven: Katrin Normann verändert mit Rollenspielen die Sichtweisen der Eltern.

(Foto: Privat)

Katrin Normann gibt Elterntrainings für Mütter und Väter in Trennung

Eine Trennung ist nie einfach, besonders schwer wird es aber, wenn Kinder beteiligt sind. Damit diese mit diesem Einschnitt im Familienleben besser umgehen können, gibt es das Elterntraining "Kinder im Blick". Der Kurs wurde 2005 von der Ludwig-Maximilians-Universität und dem Team des Familien-Notrufs entwickelt. Diplomsozialpädagogin Katrin Normann ist eine der Initiatorinnen. Sie ist freiberuflich als Paartherapeutin tätig und bildet die Trainer für das Elterntraining aus. Ein Kurs umfasst sieben Sitzungen mit jeweils ein bis zwei Themen. Zusätzlich lernen die Eltern durch Rollenspiele sich in verschiedene Perspektiven hineinzuversetzen. Im SZ-Interview blickt Katrin Normann auf die Entwicklung des Elterntrainings zurück.

SZ: Das Elterntraining "Kinder im Blick" gibt es jetzt schon seit 15 Jahren. Warum ist das Programm so erfolgreich?

Katrin Normann: Die Eltern beschäftigen sich im Kurs mit drei verschiedenen Perspektiven, der Ich-Perspektive, der Perspektive des Kindes und der als Eltern. Es geht darum, was ich für mich tun kann, um zur Ruhe zu kommen. Was braucht mein Kind? Und was brauchen wir, als Eltern? An diesem Grobkonzept hat sich nichts geändert und wir bekommen nur positives Feedback von den Eltern. Zudem ist es für die Teilnehmer ein wichtiger Aspekt, dass sie unter Gleichgesinnten sind. Es gibt gemischtgeschlechtliche Gruppen und die Eltern können voneinander lernen. Das war anfangs zeitlich gar nicht vorgesehen, weil wir ja ein anspruchsvolles Programm haben.

Welche der drei Perspektiven finden Sie am wichtigsten?

Den "Ich-Teil" halte ich schon für sehr wichtig. Die Eltern lernen, was sie für sich tun können, um zur Ruhe zu kommen. Denn das brauchen sie als Voraussetzung, um mit Konflikten umzugehen.

Obwohl man etwas für die Kinder tun möchte, lernt man erst einmal, bei sich selbst anzufangen. Ist dies das Besondere an dem Elterntraining?

Ja, das unterrichten wir tatsächlich schon in der ersten Einheit. Es ist wie im Flugzeug: Erst soll man sich selbst die Atemmaske überziehen, bevor man anderen hilft. Und so soll es eben auch sein. Man braucht schon ein einigermaßen stabiles Ich, um anderen Unterstützung geben zu können.

Gibt es etwas, das über die Jahre nicht so gut funktioniert hat und das sie verändern mussten?

Wir überlegen immer noch, wie wir die Kommunikation zwischen den Eltern verbessern können. Die Eltern werden häufig vom Familiengericht geschickt, und die Konflikte sind dann häufig schon sehr stark eskaliert. Da können wir mit einer Einheit in Bezug auf die Kommunikation noch nicht so viel erreichen. Aber dass etwas gar nicht funktioniert hat, kann man so nicht sagen.

Vor fünf Jahren kam eine neue Einheit hinzu, die sich mit neuen Familienformen befasst. Warum war das auch Ihrer Sicht notwendig?

In der Regel hat mindestens ein Elternteil nach einer gewissen Zeit wieder einen neuen Partner. Der Übergang in die neue Familienform ist für die Kinder oft eine Herausforderung. Wir unterstützen die Eltern dahingehend und zeigen ihnen, was sie tun können, damit die Kinder die Anpassung an die neue Patchworkfamilie schaffen.

© SZ vom 17.02.2020
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