GastronomieFoodfluencerin Shabnam Rebo übernimmt Café in Neuhausen

Lesezeit: 4 Min.

Shabnam Rebo ist auf Instagram besser als thehungrywarrior bekannt, nun eröffnet die Foodfluencerin ihr erstes eigenes Café in Neuhausen.
Shabnam Rebo ist auf Instagram besser als thehungrywarrior bekannt, nun eröffnet die Foodfluencerin ihr erstes eigenes Café in Neuhausen. Catherina Hess

Die 43-Jährige steht auf Instagram für Gerichte, die nicht nur gesund sind, sondern auch schmecken. Ein paar wird man bald in ihrem ersten eigenen Lokal probieren können – wenn auch erst mal auf Zeit.

Von Jacqueline Lang

Wenn etwas aufhört, dann fängt meistens etwas anderes an – so auch im Fall von Christina Bongartz und Shabnam Rebo. Bongartz hatte sich, nachdem sie ihr Café „Suess & Buttrig“ in Neuhausen bereits von März an nur noch tageweise geöffnet hatte, im Juli dazu entschlossen, damit zu pausieren. Sie startete auf Instagram einen Aufruf: Wer Lust habe, sich für sechs Monate den Wunsch vom eigenen Café zu erfüllen, der oder die solle sich bei ihr melden. Bewerbungen gingen einige ein, am Ende entschied sich Bongartz für das Konzept von Rebo. Und so eröffnet sie nun im September mit „Fuud“ ihr erstes eigenes Café. Wenn alles nach Plan läuft, könnte es sogar schon vom 6. September an so weit sein.

Die 43-Jährige ist in der Münchner Food-Szene und weit darüber hinaus keine Unbekannte: Auf Instagram folgen ihrem Account @thehungrywarrior 277 000 Menschen, beim DK Verlag hat sie schon zwei Kochbücher veröffentlicht. Dass dem Account des neuen Cafés ebenfalls schon Wochen vor der Eröffnung mehrere Tausend Menschen folgen, dürfte wohl auch damit zu tun haben. Vielleicht liegt es aber auch daran, dass Rebo für Gerichte steht, die sich auf Instagram nicht nur hübsch präsentieren lassen, sondern auch gesund sind und schmecken.

Gastronomie
:Wie aus dem Café Guglhupf drei Lokale werden

Ende Juni hat das traditionsreiche Café Guglhupf in der Innenstadt zugemacht. Übernommen haben den Laden neue Betreiber, zwei davon sind schon bestens in der Münchner Gastroszene bekannt. Was sie in der Fußgängerzone vorhaben.

Von Jacqueline Lang

Zu ihrer rein pflanzlichen Küche, die auch antientzündlich sein soll, kam Rebo durch die Autoimmunkrankheit Colitis ulcerosa. Diese greift den Dickdarm an, meistens in Schüben. Schon 2007 wird sie bei Rebo diagnostiziert, 2015 erleidet sie einen derart lang anhaltenden Schub, dass sie eineinhalb Jahre mehr oder weniger dauerhaft im Krankenhaus verbringt. Man legt ihr sogar einen Port, um sie künstlich zu ernähren. „Mein Körper war wirklich an einem Tiefpunkt“, sagt Rebo über diese Zeit. Die Ärzte raten ihr, sich den entzündeten Dickdarm operativ entfernen zu lassen. Sie, die sich mittlerweile viel mit sich und ihrem Körper beschäftigt hat, aber will versuchen, ihre Krankheit anders in den Griff zu bekommen – und stellt ihre komplette Ernährung um.

Parallel dazu startet sie ihren Blog, postet Rezepte auf Instagram und merkt dabei schnell: Ihre Art sich zu ernähren, die interessiert nicht nur Menschen, die wie sie an einer Darmerkrankung leiden. Als sie 2019 Mutter wird, gibt sie ihren Job als TV-Redakteurin auf und widmet sich ganz ihrer Karriere als Foodfluencerin.

Einige Gerichte aus ihren Kochbüchern wird Shabnam Rebo sicherlich auch in ihrem Café kochen.
Einige Gerichte aus ihren Kochbüchern wird Shabnam Rebo sicherlich auch in ihrem Café kochen. Catherina Hess
Noch braucht es ein wenig Vorstellungskraft, aber schon bald soll in dem kleinen Laden in der Heideneckstraße das Café Fuud eröffnen.
Noch braucht es ein wenig Vorstellungskraft, aber schon bald soll in dem kleinen Laden in der Heideneckstraße das Café Fuud eröffnen. Catherina Hess

Nach all den Jahren auf Social Media hat sie dann zunehmend das Gefühl, einsam zu sein. Die Rezepte für ihren Instagram-Feed und auch ihre Kochbücher kreiert sie schließlich alle allein in ihrer Küche. Die Idee, ein eigenes Lokal zu eröffnen, wächst deshalb langsam in Rebo, die gerne Gastgeberin ist. Schon 2024 steht das Konzept für ihr Café „Fuud“, kurzzeitig sieht es sogar so aus, als hätte sie einen Laden gefunden – doch am Ende entscheiden sich die Vermieter doch gegen einen gastronomischen Betrieb.

Rebo packt ihr Konzept erst einmal wieder in die Schublade und nimmt Anfang des Jahres eine Stelle als Social-Media-Managerin an. Schnell merkt sie allerdings: Die Küche, das Kochen, all das fehlt ihr. Als sie Mitte Juli Christina Bongartz’ Aufruf auf Instagram sieht, muss sie nicht lange überlegen. Ihre Café-Idee erst einmal auf Zeit ausprobieren zu können, ohne großes Investment und Risiko, was könnte es besseres geben?

Ende August trifft man sie in der Heideckstraße in Neuhausen in einem Laden, der kaum wiederzuerkennen ist. Zwar fehlen noch Tische und Stühle, Rebos Handschrift lässt sich in den Details aber schon erahnen: zusammengewürfeltes Geschirr, ein sandfarbener Boden, kleine Hocker aus Edelstahl, der bauchige Schriftzug an der Tür. Natürlich hätte Rebo auch alles von Bongartz übernehmen können, aber ihr war wichtig, dass ihr erster eigener Laden zu ihr passt und zu dem, was ihre Community von Instagram kennt. Das eher verspielte Lokal von Bongartz ist deshalb gerade dabei, sich in ein stylishes, aber doch gemütliches Café zu verwandeln.

Das Interieur ist aber nur das Eine. Rebo geht es vorwiegend darum zu zeigen: „Gesunde Ernährung muss nicht langweilig sein.“ Allzu dogmatisch geht es deshalb weder auf ihrem Instagram-Account zu, noch soll das im Café Fuud der Fall sein. Essen, findet Rebo, darf und soll vor allem Spaß machen. Es soll bunt und aufregend sein, nur eben immer pflanzlich und auch gerne mal glutenfrei. Was genau Rebo im Fuud zum Brunch servieren wird, verrät sie zwar bisher nicht, fest steht aber: Es wird ein Spiel der Konsistenzen und Geschmacksrichtung sein. Auch auf eine kulinarische Richtung will sich Rebo nicht festlegen, einen „persischen Einschlag“, den wird man aber vermutlich stellenweise herausschmecken. Rebos Familie stammt aus Iran und auch wenn sie schon mit drei Jahren nach Deutschland gekommen und hier aufgewachsen ist: Zu Hause, in der Küche ihrer Mutter, das sei wie ein „little Iran“ gewesen – mit vielen frischen Kräutern und Gewürzen.

Ob es für sie in dem kleinen Café nach Ablauf der sechs Monate weitergehen wird, das weiß die 43-Jährige bislang nicht. Es hängt auch davon ab, wie Bongartz sich entscheidet; ob sie nach einem halben Jahr wieder selbst hinter dem Tresen stehen will oder nicht. Rebo könnte sich grundsätzlich vorstellen zu bleiben. Denn die etwas abgeschiedene Lage in einem Wohnviertel in Neuhausen schreckt sie nicht ab. Die Straße sei „super lebendig“, die Freude der Anwohner aufs neue Café groß, sagt Rebo. Später lugt, wie zum Beweis, eine neugierige Nachbarin durch die Tür, die sich gleich für die Eröffnung von Rebos Café ankündigt.

Mit Blick auf ihre eigenen Follower und namhafte Unterstützer wie Luis Fernando Gonzalez Cortes vom Food-Blog „Auf die Faust“ oder die Unternehmerin und Content-Creatorin Madeleine Darya Alizadeh darf man wohl ohnehin davon ausgehen, dass die Nachbarin nicht die Einzige sein wird, die Anfang September vorbeikommt, wenn Rebo die Tür zum Café Fuud offiziell aufschließt. Und wenn dem so ist, dann könnte es sein, dass sie auch schnell ihre Öffnungszeiten anpasst, los geht es aber erst einmal mit Freitag bis Sonntag.

© SZ - Rechte am Artikel können Sie hier erwerben.
Zur SZ-Startseite

Die Münchner Gastroszene
:Jung, bunt, experimentell

Wer an die Münchner Gastroszene denkt, denkt vermutlich vor allem an traditionelle Wirtshäuser, an Sterneküche. Doch mittlerweile gibt es auch immer mehr junge kulinarische Konzepte. Eine Auswahl.

SZ PlusVon Jacqueline Lang

Lesen Sie mehr zum Thema

  • Medizin, Gesundheit & Soziales
  • Tech. Entwicklung & Konstruktion
  • Consulting & Beratung
  • Marketing, PR & Werbung
  • Fahrzeugbau & Zulieferer
  • IT/TK Softwareentwicklung
  • Tech. Management & Projektplanung
  • Vertrieb, Verkauf & Handel
  • Forschung & Entwicklung
Jetzt entdecken

Exklusive Gutscheine für SZ-Abonnenten: