Stalking, häusliche Gewalt, Vergewaltigung, sexuelle Übergriffe im Internet: Männliche Gewalt gegen Frauen nimmt zu. Der massive Anstieg einschlägiger Zahlen in Stadt und Landkreis München ist nur zum Teil auf schärfere Gesetze und forcierte Strafverfolgung zurückzuführen. Das geht aus dem Sicherheitsreport des Polizeipräsidiums für 2025 hervor. Die Tatverdächtigen sind in vielen Fällen Ehemänner, Familienväter, ehemalige Partner.
Dass Frauen für manche Männer lediglich Objekte sind, denen die Täter keinen eigenen Willen zubilligen, zeigen etwa 325 Fälle von strafbarer Nachstellung („Stalking“), die der Polizei bekannt wurden – das sind doppelt so viele wie noch vor zehn Jahren. In ihrem Besitzanspruchsdenken greifen die Täter dabei nicht selten zu perfiden Methoden. So deponierte vor einem Jahr ein 37-Jähriger eine Handgranate an seinem Porsche und beschuldigte eine Ex-Partnerin. Als den Ermittlern die Angelegenheit seltsam vorkam und sie die Wohnung des Münchners durchsuchten, stießen sie auf Hinweise, dass der Mann bereits mehreren ehemaligen Freundinnen nachgestellt hatte.
Vor zwei Monaten meldete ein 34-Jähriger seine Lebensgefährtin bei der Polizei als vermisst. Immer wieder erkundigte der Mann sich bei der Kriminalpolizei, ob der Aufenthaltsort der 39-Jährigen mittlerweile ermittelt sei. Schließlich stellte sich heraus: Die Frau hatte sich von ihm getrennt – und er versuchte auf diesem Weg, sie aufzuspüren.
Im Bereich der häuslichen Gewalt kam es zu zehn vollendeten oder versuchten Tötungsdelikten, sechs mehr als im Jahr zuvor. 94 Fälle von Vergewaltigung, sexueller Nötigung und sexuellen Übergriffen im besonders schweren Fall wurden innerhalb von Familien oder Partnerschaften registriert, dazu 617 gefährliche oder schwere Körperverletzungen. Drei Viertel aller 3663 Tatverdächtigen im Bereich häuslicher Gewalt waren Männer.
Insgesamt stieg die Zahl der Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung um fast 66 Prozent. Der Großteil dieses Anstiegs entfällt dabei auf die Verbreitung, den Erwerb, den Besitz und die Herstellung kinderpornografischer Inhalte. Darunter sind zahlreiche Fälle aus dem Vorjahr, die erst jetzt in die Statistik eingingen. Doch auch unter Berücksichtigung dieser statistischen Besonderheit ist der Anstieg erschreckend hoch: von 351 Fällen im Jahr 2024 auf jetzt 1181. Die vermeintliche oder tatsächliche Anonymität des Internets nutzen zahlreiche Täter. Insgesamt wurden 1482 Sexualdelikte in der digitalen Welt begangen – das sind mehr Fälle als Computerbetrug und Hassverbrechen zusammengenommen.
Was in der digitalen Welt sichtbar wird, setzt sich im realen Leben ungebremst fort. Die Zahl der Vergewaltigungen, sexuellen Nötigungen und sexuellen Übergriffe im besonders schweren Fall nahm laut Kriminalstatistik um 22,8 Prozent auf 383 Fälle zu. In mehr als Dreiviertel dieser Fälle bestand eine Vorbeziehung zwischen Täter und Opfer. Jeder fünfte Täter kam sogar aus der eigenen Familie. Im Präsidialbereich konnten Ermittler insgesamt 2401 Verdächtige von Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung identifizieren. Vier von fünf Opfern waren Frauen.
„Jede Tat ist eine zu viel“, sagt Polizeipräsident Thomas Hampel. „Umso wichtiger ist neben der konsequenten Strafverfolgung auch die Präventionsarbeit.“ Die Aufklärungsquote liege immerhin bei „sehr guten“ 77,6 Prozent. Das heißt aber auch: Jeder vierte Täter kommt davon. Und das betrifft nur die Fälle, die der Polizei bekannt werden. Experten gehen davon aus, dass lediglich jede zehnte Sexualstraftat angezeigt wird.


