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Verzögerung beim Umbau:U-Bahnhof am Sendlinger Tor wird erst 2023 fertig

Der Umbau der U-Bahn-Haltestelle Sendlinger Tor verzögert sich bis 2023.

Die neuen Bahnsteig-Platten müssen auf den Millimeter genau verlegt werden. Dafür wurde am Wochenende die Strecke von U 3 und U 6 weitgehend gesperrt.

(Foto: Robert Haas)
  • Der U-Bahnhof am Sendlinger Tor wird runderneuert, aber erst 2023 fertig.
  • Denn beim Graben der beiden neuen Zugänge zu den Bahnsteigen waren mehr Beton und Stahl im Weg als gedacht.
  • Den ersten werden die Fahrgäste schon bald nutzen müssen - vor allem als Umleitung.

Seit Frühjahr 2017 laufen die Umbauarbeiten am U-Bahnhof Sendlinger Tor. Jetzt hat sich herausgestellt, dass die Modernisierung nicht wie geplant Ende 2022 abgeschlossen sein wird, sondern erst im Laufe des Jahres 2023. Der Grund: Bei den Bauarbeiten zu den beiden neuen Zugangsgebäuden fanden die Arbeiter Material im Untergrund, mit dem sie nicht gerechnet hatten. Deshalb gestaltete sich etwa der Durchbruch zu den bestehenden U-Bahn-Röhren langwieriger als geplant.

Laut Projektleiter Christoph Schaller war einerseits die Tunneldecke aus Beton dicker, als in den Plänen verzeichnet. Andererseits hinterließen die Bauarbeiter Anfang der Siebzigerjahre beim Tunnelvortrieb für die Strecke der U 1 und U 2 Stahlträger, die nun aufwendig entfernt werden mussten. Dabei waren die Durchbrüche zu den Bahnsteigen schon aufwendig genug. Bevor sie mit den Bohrungen loslegen konnten, mussten die Arbeiter das Erdreich einfrieren. Dazu waren Geräte mit einer Leistung von 400 Eisschränken nötig.

Auch wenn sich das Projekt nun verzögert, zusätzliche Einschränkungen für Fahrgäste werde es keine geben, verspricht Schaller. Allerdings wird die Einweihung des modernisierten U-Bahnhofs und die Eröffnung der Geschäfte erst später erfolgen. Welche Läden in das Zwischengeschoss einziehen werden, ist laut Matthias Korte, dem Sprecher der Münchner Verkehrsgesellschaft (MVG), noch offen. Aber als abgeschlossen betrachte man die Modernisierung erst, "wenn in den Läden das Licht angeht", sagt Korte.

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Schaller zeigt sich dennoch, wie er sagt, "unglaublich stolz", dass inzwischen die neuen Erweiterungsbauten an der Sonnenstraße und an der Blumenstraße im Rohbau fertig sind. Der Bau an der Sonnenstraße soll bereits im kommenden Frühjahr eröffnet werden. Er wird auch dringend gebraucht, denn die für die Passagiere einschneidendste Maßnahme steht noch bevor. Die derzeitigen direkten Übergänge von der U 1 und U 2 zu den darüberliegenden Bahnsteigen der U 3 und U 6 werden im kommenden Jahr für eineinhalb Jahre gesperrt. Der Grund: Dort werden neue Rolltreppen gebaut, die die Fahrgastströme entzerren sollen. Weil dies ein relativ großer Einschnitt ist, müssen Fahrgäste, die zwischen den beiden U-Bahn-Röhren umsteigen wollen, über den neuen Erweiterungsbau an der Sonnenstraße in das Zwischengeschoss gehen und dann wieder hinunter zum Bahnsteig. Das wird die Reisezeiten deutlich verlängern.

Einen ersten Eindruck, wie der Bahnhof einmal aussehen wird, bekommen Passagiere nun auf der Ebene der U3/U6. Dort wird bereits der neue Bodenbelag verlegt. Es handelt sich um spanische Granitplatten, die den Bahnsteig um etwa fünf Zentimeter höher machen, was ein barrierefreies Einsteigen in die Züge ermöglichen soll. Diese Platten müssen millimetergenau verlegt werden, was bei dem leicht gekrümmten Bahnsteig eine Herausforderung darstellt. Ungenauigkeiten, auch wenn es nur um einen Millimeter ist, dürfen sich die Arbeiter nicht erlauben. Bekanntermaßen mussten die Stadtwerke die Bahnsteige teilweise an der Seite abschleifen, damit die neuen U-Bahn-Züge dort fahren dürfen.

Gesperrt werden die Bahnsteige, an denen gearbeitet wird, allerdings nur an Wochenenden und nachts - anders als an den S-Bahnhöfen, wo die Deutsche Bahn derzeit ebenfalls neue Böden verlegt und die Stationen gleich eine ganze Woche für jeweils eine Richtung sperrt. Solche Sperrungen könne man sich bei dem Betrieb am Sendlinger Tor gar nicht leisten, sagt MVG-Projektleiter Schaller. Im ganzen Bahnhof werden nach und nach insgesamt 6700 Quadratmeter Natursteinplatten verlegt und 4700 Quadratmeter neue Wandverkleidungen angebracht. Die bestehenden Aufgänge werden modernisiert und teilweise erweitert. Es wird ein neues Leitsystem für Sehbehinderte geben, am Platz vor der Stadtsparkasse, also am Ausgang Müllerstraße, werden zusätzliche Rolltreppen eingebaut.

Täglich nutzen etwa 150 000 Menschen den U-Bahnhof Sendlinger Tor, Tendenz: steigend. Um dem Gedränge ein Ende zu setzen, bekommen die Fahrgäste etwa 3000 Quadratmeter mehr Platz. Einen komplett neuen Ein- und Ausgang zur Station wird es an der Blumenstraße geben. Trotz Modernisierung behalten die Bahnsteigebenen ihr ursprüngliches Farbkonzept: Gelb bleibt die untere Ebene der U 1 und U 2, blau die Ebene der U 3 und U 6. Die Decke im Zwischengeschoss wird schwarz.

Und wenn alles fertig ist, wird die von den Architekturbüros Raupach und Bohn neu gestaltete Station auch die Handschrift des kürzlich gestorbenen Ingo Maurer tragen, er hat das Lichtkonzept entworfen. Bis dahin müssen sich die Fahrgäste noch durch die Baustelle drängeln. Auch an der Oberfläche werden die Verkehrseinschränkungen voraussichtlich noch bis 2022 erhalten bleiben.

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