Immobilien in MünchenDas „Sendlinger Loch“ wird gestopft

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So soll die Wohnanlage an der Alramstraße 14 in München-Sendling einmal aussehen.
So soll die Wohnanlage an der Alramstraße 14 in München-Sendling einmal aussehen. Visualisierung: Comm AG
  • Nach jahrelangem Stillstand laufen wieder Bauarbeiten im „Sendlinger Loch“, der berühmten Münchner Baugrube an der Alramstraße 14.
  • Statt der ursprünglich geplanten 128 Luxus-Eigentumswohnungen entstehen nun 186 Mietwohnungen, die Fertigstellung ist für Mitte 2028 geplant.
  • Der neue Eigentümer Pembroke schweigt zu den künftigen Mietpreisen, Aktivisten schätzen diese auf 40 Euro pro Quadratmeter.
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Nach jahrelangem Stillstand laufen wieder Arbeiten in Münchens berühmtester Baugrube. In dem Neubau entstehen deutlich mehr Wohnungen als ursprünglich geplant. Aber eine entscheidende Frage bleibt unbeantwortet.

Von Sebastian Krass

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Es war am Ende doch mehr Leben im Loch als erwartet. „2000 Fische haben wir vorgefunden“, erzählt Michael Ehret, hinter ihm ein Bauzaun und dahinter das „Sendlinger Loch“, die Baugrube an der Alramstraße 14, in der nach einem Baustopp über Jahre etwa zehn Meter hoch das Grundwasser stand.

Inzwischen aber ist das Wasser abgepumpt, die Fische sind weg. Unten im Loch laufen intensive Bauarbeiten. Von oben, einem kleinen Balkon an den Baucontainern, ist zu sehen, dass die Bodenplatte für die Tiefgarage fast fertig ist. Nur rechts fehlen noch Stücke, dafür sind links schon Teile des untersten Geschosses der Tiefgarage betoniert, hinten ist die Zufahrtsrampe zu erkennen.

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„In wenigen Monaten wird die Baugrube Vergangenheit sein“, kündigt Michael Ehret an, Gründer des Starnberger Immobilienunternehmens Ehret und Klein, das im Auftrag der Grundstückseigentümer, einem US-Unternehmen namens Pembroke, den Bau einer großen Wohnanlage umsetzt. Er redet am Montagnachmittag auf einer Feier zur Grundsteinlegung.

Auch Stadtbaurätin Elisabeth Merk ist gekommen. Sie spricht von einem „schönen und ehrgeizigen Projekt“, besonders lobend erwähnt sie, dass „ungefähr 50 Prozent mehr Wohnungen entstehen“. Tatsächlich haben Pembroke und Ehret und Klein in den vergangenen Monaten im Inneren des Gebäudes erheblich umgeplant, vor allem die Grundrisse. Statt der vom ursprünglichen Bauherrn geplanten 128 Luxus-Eigentumswohnungen sollen nun 186 Mietwohnungen entstehen.

Die Fertigstellung ist für Mitte 2028 geplant, dann wird auch wieder ein Rewe-Supermarkt eröffnen, wie es ihn früher über Jahrzehnte an der Alramstraße 14 gegeben hatte. Auch eine Kita wird entstehen.

Eine entscheidende Frage allerdings bleibt an diesem Tag unbeantwortet: Was die neuen Wohnungen kosten sollen. „Das wissen wir noch nicht“, sagt Christian Bosiljanoff, Deutschland-Chef von Pembroke. „Wir haben ja gerade erst die Baugenehmigung für die neue Anzahl an Wohnungen bekommen.“ Die Vermarktung müsse man erst noch planen.

Es ist unwahrscheinlich, dass Bosiljanoff wirklich nichts weiß über die künftigen Preise, schließlich basiert die Kalkulation eines Immobilienprojekts auf den zu erwartenden Einnahmen. Aber sagen will er partout nichts dazu. Auf den Hinweis, dass die Wohnraum-Aktivisten, die das Investorenprojekt „Sendlinger Loch“ über die Jahre begleitet haben, aus dem Kaufpreis für das Grundstück und den Baukosten eine zu erwartende Miete von 40 Euro pro Quadratmeter abgeleitet haben, antwortet Bosiljanoff: „Dazu kann ich nichts sagen.“ Auch ob die Zahl zu hoch oder gar zu niedrig gegriffen sei, will er nicht kommentieren.

Die Bauarbeiten im „Sendlinger Loch“ schreiten schnell voran. Im Bild zu sehen ist die Decke des untersten Geschosses in der Tiefgarage.
Die Bauarbeiten im „Sendlinger Loch“ schreiten schnell voran. Im Bild zu sehen ist die Decke des untersten Geschosses in der Tiefgarage. Florian Peljak
Das Befüllen einer Zeitkapsel gehört zu den Ritualen einer Grundsteinlegung, hier im Bild: Michael Ehret, Gründer von Ehret und Klein, Stadtbaurätin Elisabeth Merk und Christian Bosiljanoff, Deutschlandchef von Pembroke (v. l.).
Das Befüllen einer Zeitkapsel gehört zu den Ritualen einer Grundsteinlegung, hier im Bild: Michael Ehret, Gründer von Ehret und Klein, Stadtbaurätin Elisabeth Merk und Christian Bosiljanoff, Deutschlandchef von Pembroke (v. l.). Florian Peljak

Klar ist aber, dass der Wohnraum aus baurechtlichen Gründen komplett frei finanziert ist, die Stadt also keine Vorgaben für geförderten oder preisgedämpften Wohnraum machen konnte. Aber Bosiljanoff versichert, dass Pembroke die Wohnungen langfristig im eigenen Bestand zur Vermietung behalten werde. Und sie würden auch nicht möbliert und sonst wie preissteigernd vermarktet, „es werden ausschließlich normale Mietwohnungen sein“, verspricht Bosiljanoff.

Zuvor in seiner kurzen Ansprache hatte er knapp auf die Vorgeschichte Bezug genommen: „Dieser Ort war über Jahre ein sichtbares Zeichen für Stillstand in München. Es war ein Ort der Unsicherheit, der Frustration, auch der Kreativität.“

Eigentlich hatte der Luxus-Bauträger M-Concept das Projekt „Alram 14“ geplant, nachdem er das Grundstück im Jahr 2017 für 73 Millionen Euro gekauft hatte. Das Unternehmen ließ die Baugrube ausheben, kam dann aber nach Ausbruch der Immobilienkrise mit dem Vorverkauf der Eigentumswohnungen nicht voran – und erhielt somit nicht die Kredite, um das Projekt umzusetzen. Etwa fünf Jahre lang stand die Baustelle still. Das „Sendlinger Loch“ wurde zu einem Sinnbild der Immobilienkrise.

Aktivistinnen und Aktivisten nutzten diese Phase für künstlerische und satirische Aktionen. Eine davon war die Forderung, den See auf dem Grundstück zu belassen und darauf Hausboote mit bezahlbarem Wohnraum schwimmen zu lassen. Auch diverse Plansch-Utensilien, etwa aufblasbare Flamingos, sammelten sich auf der Wasseroberfläche.

Im Sommer 2025 dann übernahm Pembroke das Grundstück von M-Concept, für nur noch 53,36 Millionen Euro, und trat mit dem Versprechen an, das Bauprojekt schnell wieder in Gang zu bringen – was, nach aktuellem Stand, auch gelungen ist.

Bleibt am Ende die Frage, was mit den Fischen passiert ist. Es waren hauptsächlich zwei Arten, die sich im „Sendlinger Loch“ ausgebreitet hatten: heimische Rotaugen, die nahe dem Flaucher ausgesetzt wurden, und Giebel, die vermutlich aus einem Aquarium stammten. Die aber gehören nicht zum hiesigen Ökosystem und breiten sich schnell aus. Sie seien in die Reptilien-Auffangstation gebracht worden, heißt es von Ehret und Klein.

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