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Sendling:Tafel-Musik

KulturRaum an der Münchner Tafel

Nicht nur Lebensmittel, auch Live-Musik gibt es bald an der Sendlinger Ausgabestelle der Tafel.

(Foto: oh)

Der Verein Kulturraum startet Konzert-Projekt auf dem Areal der Großmarkthalle

Von Birgit Lotze, Sendling

Der Verein Kulturraum München wird auf dem Gelände der Großmarkthalle vor der Ausgabe der Münchner Tafel etwa zehn Live-Konzerte an der frischen Luft organisieren. Nikolaus Schön vom Kulturraum teilte mit, die Konzerte sollen zwischen August und November stattfinden. Von Klassik über Jazz bis zu neuer Münchner Volksmusik solle alles dabei sein. Nicht nur, wer sich in die Schlange einreiht, kann die Konzerte besuchen. "Wir verteilen am Westtoreingang eine begrenzte Anzahl an Konzert-Ausweisen an interessierte Nachbarn oder Freunde, Bekannte, Fans der auftretenden Musikgruppen", sagt Schön. Das Programm wird vom Sendlinger Bezirksausschuss unterstützt.

Kulturraum setzt sich für kulturelle Teilhabe armer und armutsgefährdeter Münchner ein. Der Verein vermittelt Eintrittskarten für Kulturveranstaltungen an Menschen, die diese sich sonst nicht leisten können, und engagiert sich mit verschiedenen Angeboten. Die Stadt fördert das Engagement finanziell seit 2012, seit zweieinhalb Jahren geht das Kulturraum-Team - es besteht aus neun bezahlten Mitarbeitern für die Organisation und etwa 150 ehrenamtlichen Unterstützern - auch in die Stadtviertel, mit einem Projekt "Kultur vor Ort". Kulturraum München hat damals eine Kooperation mit der Münchner Tafel geschlossen, schickte freitags und samstags ehrenamtliche Helfer ans Westtor an der Thalkirchner Straße, die die Tafelgäste zu kostenlosen Besuchen von Theater, Konzerten und Kinovorstellungen einluden. Außerdem wurde die Tafel-Musik initiiert, ein Chor sowie ein Musizier- und Singprojekt mit Kindern.

Die Arbeit des Vereins genießt unter den Sendlinger Lokalpolitikern nicht nur volle Unterstützung. Im vergangenen Jahr sollte den Tafelgästen während des Schlangestehens "ein neues Kunstgenre", ein Kreativprojekt namens "Tafel-Werk", angeboten werden; den Antrag auf Förderung in Höhe von 4200 Euro lehnte der Bezirksausschuss jedoch ab. Denn eine Sozialdemokratin in dem Gremium, die sich bei der Tafel und dem Kindermusikprojekt einen Eindruck verschafft hatte, war zu dem Schluss gekommen, solche Bastel- und Kreativprojekte an der Warteschlange bewirkten wenig, sie behinderten eher die Tafel-Helfer. Sie meinte auch, einen "Dissens" zwischen Tafel und Kulturraum bemerkt zu haben. Tafel-Chef Axel Schwaiger sowie Nikolaus Schön, die beide in der Versammlung zugegen waren, konnten sich dazu nicht mehr äußern, denn die Debatte im Gremium wurde durch einen Antrag zur Geschäftsordnung jäh beendet. Die Grünen hatten dieses Procedere damals heftig kritisiert.

Für das neue Musikprojekt bekam der Verein Kulturraum diesmal auch Stimmen aus der SPD.

© SZ vom 03.07.2020

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