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DAV-Boulderhalle:Die Konkurrenz wehrt sich

DAV Kletterzentrum in München, 2019

Vor dem Abriss stehen wohl die Freiluftfelsen im Kletterzentrum in der Sendlinger Bezirkssportanlage.

(Foto: Robert Haas)

Der Alpenverein modernisiert und vergrößert die Boulderanlage in seinem Kletterzentrum. Wenn er dafür Fördergeld von der Stadt bekommt, ist das für einen privaten Hallenbetreiber aus der Region Wettbewerbsverzerrung

Von Birgit Lotze, Sendling

Das geplante Boulderhallen-Projekt des Deutschen Alpenvereins (DAV) auf dem Areal des Kletterzentrums Thalkirchen hat die Konkurrenz auf den Plan gerufen: Ein privatwirtschaftlicher Betreiber mehrerer Boulderhallen im Raum München hat die Stadt aufgefordert, ihm Zugang zu amtlichen Informationen zu geben. Er will wissen, inwieweit der Deutsche Alpenverein (DAV) Sportförderung von der Landeshauptstadt erhält. Es bestehe "erhebliche Gefahr von Wettbewerbsverzerrung". Das Presseamt der Stadt München teilte dazu mit, das Referat für Bildung und Sport habe in der vergangenen Woche die gewünschten Auskünfte schriftlich an die Rechtsanwaltskanzlei erteilt.

Der Boulderhallenbetreiber ließ das Direktorium im Rathaus wissen, dass er sich schon seit geraumer Zeit einem ungleichen Wettbewerb mit den Boulderhallen des DAV ausgesetzt sehe. Denn der DAV habe in den vergangenen Jahren sein Boulderangebot sukzessive in einem Umfang erweitert, der nach Ansicht des privaten Betreibers weit über das für die DAV-Mitglieder erforderliche Maß hinausgeht. Als Verein könne der Alpenverein dabei auf Förderungen zurückgreifen, die privatwirtschaftlich organisierten Betreibern nicht zur Verfügung stehen. Konkret forderte der private Hallenbetreiber Informationen über die Konditionen der Erbpacht- und Kaufverträge und über die Sportfördersummen an die DAV-Sektion in Thalkirchen. Die Anwaltskanzlei interessiert sich auch dafür, ob der DAV bereits Förderungen für das geplante Hallenprojekt beantragt hat und, falls ja, in welchem Umfang.

Der Alpenverein will die Freianlage abreißen und stattdessen eine Halle für seine Boulderer hinstellen, die auch teils an den Außenwänden zu erklettern ist. Was dem privaten Boulderhallenbetreiber ein Dorn im Auge ist: Durch die "Großinstandsetzung der Beton-Freianlage" im Kletterzentrum Thalkirchen - als solche wird die bauliche Erweiterung vom DAV, im Stadtrat und teils auch von Behörden bezeichnet - entstehe eine zusätzliche Boulderfläche von mehr als 1500 Quadratmetern. Das weise auf eine "erhebliche Gefahr von Wettbewerbsverzerrung" hin, so die Kanzlei, sofern die Stadt diese Großinstandsetzung fördere. Nach dem Subsidiaritätsprinzip in den städtischen Sportförderungsrichtlinien müsse die Flächen- und Raumkapazität des Bauprojektes in einem angemessenen Verhältnis zum lokalen Sportbedarf stehen. Dies sei, da schon 2011 die Boulderfläche in der Anlage um 1200 Quadratmeter erweitert worden war, mehr als fraglich. Um Trainings- und Wettkampfmöglichkeiten im Breiten- und Leistungssport aufrechtzuerhalten, sei ein weiterer Ausbau von Kapazitäten im Kletterzentrum Thalkirchen nicht angezeigt. Der im Stadtgebiet bestehende Bedarf an künstlichen Boulderanlagen sei bereits abgedeckt. Könne der DAV seine Nachfrage nicht abdecken, solle er mit privaten Boulderhallenbetreibern kooperieren, bietet der Rechtsanwalt an. In den Sportförderrichtlinien der Landeshauptstadt werde darauf hingewiesen, dass lieber Flächen von privatwirtschaftlichen Betreibern gemietet werden sollen als neue Anlagen zu errichten.

Beim DAV hält man solche Vorschläge für "substanzlos". Michael Düchs, Vorstandsmitglied des Trägervereins des Kletter- und Boulderzentrums München, sagt, dass die Konkurrenz eine "uralte Geschichte" aufgreife, die vor Jahren bereits vor dem Europäischen Gerichtshof geklärt worden sei. Dieser habe damals entschieden, dass der DAV für seine Mitglieder Hallen bauen und betreiben dürfe. Düchs sagt auch, dass der DAV ein anderes Publikum anziehe und auch ein anderes Konzept verfolge. "Wir sehen uns nicht als Fitnessstudio, wir wollen unsere Mitglieder auch für unsere Werte begeistern, für den Natursport, für den Wert des Draußen-Seins."

Gegen die neue Anlage gibt es auch im Viertel Widerstand. Anwohner klagen nach wie vor über massive Parkplatzprobleme wegen per Auto anreisender Kletterer. Die Sendlinger Lokalpolitiker lehnen jede bauliche Erweiterung auf dem Gelände ab, der Grünzug stehe auf dem Spiel, die Frischluftzufuhr werde eingeschränkt. Auch vereinsintern gibt es Frust: Die Initiative "Rettet den Schrein" hat mehrfach die ihrer Ansicht nach einmalige Bedeutung der Außenfreianlage beschrieben, die abgerissen werden soll. Die Kletterhalle steht am Mittwoch auf der Tagesordnung des Planungsausschusses.

© SZ vom 28.10.2020

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