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Kommentar:Jetzt ist es zu spät

Immer höher, auch wenn es nur über Beton geht? Das Projekt des Deutschen Alpenvereins für den Bau einer neuen Boulderhalle in der Frischluftschneise an der Isar sorgt nach wie vor für Aufregung

Von Birgit Lotze

Es müsste schon ein Wunder geschehen, damit der Stadtrat den vom Alpenverein gewünschten Bau einer Boulderhalle auf der Bezirkssportanlage ablehnt. Diejenigen, die sich seit Jahren vehement gegen die Bebauung des Grünzugs neben den Isarauen stemmen, wird der positive Beschluss so fassungs- wie ratlos zurücklassen. Dass es sich um eine besondere Gegend handelt, zeigt ein Blick auf die städtische Klimafunktionskarte, die das Grundstück als Freifläche von bioklimatisch hoher Bedeutung ausweist, einer der wenigen grünen Ausreißer entlang der Frischluftschneise, die die Isarauen in der Stadt schlagen.

Eigentlich hatte es ganz harmlos begonnen: In den Achtzigerjahren wollte die Stadt mit einem Klettergarten den Bürgern eine weitere Möglichkeit für Outdoor-Sport in der Bezirkssportanlage geben, der Klettergarten wurde dem Alpenverein (DAV) übergeben. Der Alpenverein gab sich zunächst mit der Freiluftanlage zufrieden, doch dann wollte man auch im Winter an die Wände. Erst wurde eine Halle gebaut, dann eine zweite, heute steht auf der Bezirkssportanlage das größte Kletterzentrum Europas.

Die Stadtratsgremien setzten, nach ein paar Einkürzungen, immer wieder ihren Servus unter die DAV-Pläne. Schließlich ist der DAV einer der beliebtesten Vereine Münchens und wohl auch der mitgliederstärkste. Doch im Bezirksausschuss warnten die Lokalpolitiker von der ersten Halle an, waren vehement gegen einen geschlossenen Bau im Grünzug entlang der Frischluftschneise. Ihr Credo: Hat sich festgesetzt, dass dort Bebauung möglich ist, werden weitere Bauansprüche folgen. Klar, dass dann auch der benachbarte Tennisklub seinen Mitgliedern mit einer eigenen Halle Wintertraining ermöglichen wollte. Auch da sagte der Stadtrat zu. Der Bezirksausschuss konnte in jüngster Zeit lediglich verhindern, dass ein Teil der ebenfalls auf der grünen Fläche ansässigen Kleingärten für Wohnungsbau aufgelöst wurde.

Mit dem Ja zur dritten Kletterhalle wird der Stadtrat sozusagen Opfer seiner eigenen früheren Beschlüsse. Offenbar ist bereits eingetreten, wovor die Sendlinger Lokalpolitiker immer gewarnt haben. Wie heißt es in der Beschlussvorlage des Baureferats: Angesichts der bestehenden Bebauung und der schon heute bestehenden Versiegelung der Flächen seien nun keine anderen öffentlichen Belange mehr ersichtlich, die dem Vorhaben des DAV entgegengehalten werden müssten.

© SZ vom 28.10.2020
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