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Städtebauliche Entwicklungsmaßnahme:Das sind die besten Ideen für Münchens Nordosten

So könnte das neue Stadtquartier im Münchner Nordosten einmal aussehen - eine Visualisierung des Siegerentwurfs von Rheinflügel Severin, Düsseldorf.

  • Eine Jury hat Vorschläge für die Gestaltung eines der größten Neubaugebiete der Stadt ausgezeichnet.
  • Der Siegerentwurf ist ein Werk des Düsseldorfer Architekturbüros Rheinflügel Severin und der Berliner BBZ Landschaftsarchitekten.
  • Das Ergebnis des Wettbewerbs ist noch keine Entscheidung über die Frage, welche städtebauliche Entwicklung das Gebiet im Münchner Nordosten nehmen wird.

Prägende Grünzüge, die "beste bauliche Dichte" und "überzeugende räumliche Qualitäten" zeichnen nach Auffassung der Jury den Siegerentwurf des städtebaulichen und landschaftsplanerischen Ideenwettbewerbs für den Münchner Nordosten aus. Die preisgekrönte Arbeit ist ein Werk des Düsseldorfer Architekturbüros Rheinflügel Severin und der Berliner BBZ Landschaftsarchitekten. Den zweiten Platz belegt das Architekturbüro Cityförster aus Hannover, den dritten Preis erhält das Stuttgarter Büro Performative Architektur.

Zudem zeichnete die Jury zwei weitere Entwürfe mit einer Anerkennung aus. Eine Entscheidung über die Frage, welche städtebauliche Entwicklung das 600 Hektar große Gebiet östlich von Daglfing, Johanneskirchen und Englschalking nehmen wird, bedeutet das Wettbewerbsergebnis keineswegs. Vielmehr sollen die nun ausgezeichneten Pläne als Grundlage für die Diskussion in der Stadtgesellschaft und in den städtischen Gremien dienen.

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"Ein Projekt in dieser Dimension betreut man eigentlich nur einmal im Leben", sagte Stadtbaurätin Elisabeth Merk, als sie gemeinsam mit dem Vorsitzenden des Preisgerichts, dem Architekten Markus Allmann, und anderen Beteiligten das Wettbewerbsresultat der Presse vorstellte. Zusammen mit Freiham, wo auf 350 Hektar ein neues Stadtquartier entsteht, ist der Münchner Nordosten derzeit das wichtigste Gebiet, auf dem München in größerem Stil wachsen kann. Nach dem Willen der Stadt soll das Wachstum den Vorgaben eines Masterplans folgen. Dazu hatte der Stadtrat vor rund einem Jahr das Planungsreferat beauftragt, einen offenen Ideenwettbewerb auszuloben, an dem sich insgesamt 32 Architekturbüros beteiligt haben.

Unter anderem hatten die Wettbewerbsteilnehmer die Aufgabe, Ideen für eine Besiedelung mit 10 000, 20 000 und 30 000 Menschen zu entwickeln. Auf mindestens der Hälfte der Fläche sollte jedoch Raum für bestehende Nutzungen wie Landwirtschaft und Pferdesport sowie für Grün- und Freizeitanlagen freigehalten werden. Juryvorsitzender Allmann beschreibt die Aufgabenstellung so: "Für die teilnehmenden Planungsbüros galt es, Lösungen zu finden, die eine Balance zwischen Stadt und Landschaft herstellen. Bestehende Freiräume, Nutzungen und Strukturen sollten dabei berücksichtigt und mit den historischen Ortskernen respektvoll umgegangen werden."

Am besten ist dies nach Auffassung des Preisgerichts, dem neben Architekten auch Oberbürgermeister Dieter Reiter, Stadträte und Bezirksausschussmitglieder angehörten, dem Büro Rheinflügel Severin gelungen. Gemäß den Vorgaben haben die Düsseldorfer drei Konzepte vorgelegt, für 10 000, 20 000 und 30 000 Einwohner. Besonders beeindruckt hat die Jury das "Freiraumgerüst mit prägenden Grünzügen", das die Neubaugebiete vom Bestand separiert. Weil die Bebauung sehr dicht ist, bleibt viel Platz für öffentliche Grünflächen.

Westlich des Hüllgrabens haben die Architekten einen Badesee platziert, entlang der Bahnstrecke soll ein Friedhof entstehen. Die U-Bahnstation ist nach dem Urteil der Jury "schlüssig integriert"; die Trambahnstrecke, die an der Nahtstelle von Alt und Neu verläuft, bediene beide Bereiche gut und gleichwertig. Baurätin Merk gibt sich sehr angetan vom Siegerentwurf: "Ein für alle attraktives urbanes Zentrum, direkt an einem neuen See gelegen, bietet vielfältige Nutzungsmöglichkeiten an. Aus meiner Sicht ist der erste Preisträger sehr gut geeignet, um in die weitere gesamtstädtische Diskussion über den Münchner Nordosten einzusteigen."

Ebenfalls einen Badesee sieht der Entwurf von Cityförster vor, die den zweiten Preis erhalten. Auch hier gibt es umfangreiche Grünflächen, darunter die sogenannte Allmende, die der Jury zufolge "eine gute und sensible Verzahnung" zwischen bestehenden und neuen Siedlungsbereichen schafft. Generell urteilt die Jury: "Die Arbeit gehört zu den sensibelsten Arbeiten hinsichtlich der Qualität und Atmosphäre des Ortes, weil sie sich intensiv mit den vorhandenen Strukturen auseinandersetzt und diese schlüssig ins Gesamtkonzept integriert."

Der dritte Preisträger sticht durch die Idee einer Wasserlandschaft hervor, die mit Bachläufen und Wasserflächen gestaltet wird. Auch bei den Stuttgartern lobt die Jury das Landschaftsnetz, das als stabiles Gerüst und Ausgangspunkt der Stadtentwicklung fungiert. Überzeugt hat das Preisgericht auch, dass die jeweilige Siedlungserweiterung mit ihrer neuen Mitte an das bestehende Zentrum anknüpft.

Wie geht es weiter? Zunächst einmal können sich Bürger selbst ein Bild von den eingereichten Ideen machen. Sämtliche Arbeit sind von 4. bis 16. Februar (14 bis 19 Uhr) im Isar-Forum im Deutschen Museum zu sehen. Am Montag, 3. Februar, 19 Uhr, wird die Ausstellung eröffnet. Auch der Stadtrat wird sich mit dem Wettbewerb beschäftigen, allerdings erst nach der Kommunalwahl. Dabei soll das Ergebnis als Entscheidungshilfe dienen, etwa bei der Frage, welchen Umfang das Wachstum haben und wie die Städtebauliche Entwicklungsmaßnahme (SEM) für den Münchner Nordosten weiter betrieben werden soll.

Derzeit gibt es zwei Bürgerinitiativen, die gegen das Projekt Stimmung machen. Da eine ganze Reihe von Verfahrensschritten bevorstehen, ist nicht damit zu rechnen, dass noch in diesem Jahrzehnt die Bauarbeiter im Nordosten anrücken. Wie die Gebäude einmal aussehen werden, ist ebenfalls eine Frage der weiteren Planung. Was ihre Höhe betrifft, so fällt sie bei den Siegerentwürfen "moderat" (Allmann) aus. Möglich, dass die Gegner des Projekts dies anders sehen.

© SZ vom 27.01.2020/amm
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