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Tipps:Welche Sehenswürdigkeiten es nicht in jeden Reiseführer schaffen

München hat viel mehr zu bieten als den Olympiaturm und das Hofbräuhaus. Ideen für einen Touristentag vor der eigenen Haustür.

Natürlich wollen immer alle ins Hofbräuhaus. Und auf den Olympiaturm. Und, wenn sie nicht aus Amerika kommen für den "Europe in three days"-Urlaub, vielleicht auch noch in die Residenz. Aber dafür brauchen sie erstens keinen Einheimischen als Stadtführer, zweitens hat dieser private Stadtführer das Hofbräuhaus dick, drittens den Olympiaturm schon vielmals per mechanischer Aufstiegshilfe erklommen und viertens die Residenz bis auf die dort beheimateten Pfälzer Weinstuben weitgehend ignoriert. So will er also, fünftens, den Gästen "sein" München zeigen, worunter Exotisches genauso fällt wie in den gedruckten Münchenführern als Pflicht Ausgewiesenes. Nur, dass all das halt aus ganz persönlicher Sicht angepriesen wird; oder eben auch nicht.

Es kann also sein, dass der Gast, wir erinnern uns an den lieben Onkel aus San Antonio in Texas, von dem man wusste, dass er Jazz liebte, dass dieser Onkel also vor sehr vielen Jahren deswegen in einem Jazzclub in Haidhausen landete, auch weil es dem Gastgeber so gefiel. Was dieser nicht eingeplant hatte: Dass der damals auf der Bühne agierende Schlagzeuger Ali Halmatoglu einen schlechten Tag hatte und anfing, das Publikum zu beschimpfen, weil es zu wenig Applaus erzeugte. Der Onkel verstand nur Bahnhof, klatschte weiter nicht und geriet deshalb in den Fokus des immer wilder tobenden Drummers, der da schrie: "Warum klatscht du nicht, du alter Sack?!" Da merkte der private Stadtführer, dass er einen Fehler gemacht hatte, verließ mit dem verdatterten Onkel den Laden. Und ging mit ihm ins Hofbräuhaus.

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Ganz anders viele Jahre später, diesmal kam der Besuch aus Chicago, Laura und Rex, eine Cousine also gattinnenseits samt Gespons, beide sehr lustig und sehr ausdauernd. Man schlenderte sommers übers Tollwood-Festival, auf Höhe des Andechser Zelts lärmte eine Gitarre, Soundcheck für den Abend. Rex blieb stehen und sagte: "Das ist Led Zeppelin." Nun, es waren nicht Led Zeppelin, sondern Zep Munich, die vielleicht beste Reinkarnation der Combo um Robert Plant weltweit. Rex war nicht mehr wegzukriegen aus dem Zelt, sang jeden Zeppelin-Song mit und war der glücklichste Mensch an diesem Abend. So kann es eben auch gehen. Wenn man Glück hat als privater Stadtführer. Darum ein Rat aus berufenem Munde: Über die Vorlieben des Gastes ein bisschen Bescheid zu wissen, schadet nicht. Und noch etwas: Ein Verhältnis von drei zu eins bei Nahrungsaufnahme und Kulturrezeption hat sich als angenehm erwiesen.

Also Nahrungsstart: Als Zweitfrühstücksort dient bevorzugt die Friesische Teestube am Pündterplatz, ein Wohnzimmer mit Teppichen und Schränkchen, hier ticken die Uhren seit fast einem halben Jahrhundert um die Hälfte langsamer; Wirt Ossi ist kein Friese, sondern Südtiroler, was aber nichts ausmacht. Große Verratschgefahr. Ebensolche besteht beim Café im Hinterhof in der Haidhauser Sedanstraße, dessen Eingang umrahmt ist von einem Esoterikladen und einem Keramikstudio. Es gibt hier köstliche von Territorien aller Welt geprägte Frühstücksvarianten und es verfügt über den vielleicht lauschigsten Hinterhof dieses an Cafés mit lauschigen Hinterhöfen so reichen Viertels.

Gefährlicher ist es, das (Zweit-)Frühstück im Fraunhofer im Glockenbachviertel einzunehmen, weil es dort, vor allem an Sonntagen der Monate mit "R", zum musikalischen Frühschoppen kommen kann, nach dessen spätem Ende man lieber ins Bett geht als etwa in die Residenz. Nicht viel besser ist es im Haidhauser Johannis-Café, wo auch eine gewisse Absturzgefahr besteht; also: vielleicht für später aufheben. Oder für schlechtes Wetter.

Denn bei Sonne und Föhn lässt sich der Olympiaturm nicht von der Wunschliste streichen, es sei denn, man überzeugt den Gast vom kostenfreien Besuch des Alten Peter am Marienplatz, doch Vorsicht: 300 Stufen bis zum Aussichtsglück! Also doch Olympiaturm. Man kann den Gast bis zu dessen Eingang am Fuß führen, um ihm dann zu sagen, er solle nach vollbrachter Tat das Olympiagelände in südsüdöstlicher Richtung überqueren, weil dort, ungefähr hinterm Olympiaberg, den zu ersteigen sich ebenfalls lohnt, die Olympia-Alm liegt. Einer der herrlichsten "hidden spots" Münchens; hier erholten sich schon die Arbeiter während des Baus der Olympiaanlagen für die Spiele '72, hier erholt sich der Münchner nach dem Hundespaziergang. Oder auch, wenn er sich gar nicht unbedingt erholen müsste nach dem Motto, hier verweil' ich doch, es ist so schön.

Es gäbe noch viele solcher Münchentageverköstigungsorte, zum Beispiel in der altehrwürdigen Seidlvilla am Nikolaiplatz nahe der Leopoldstraße, wo man auf der Terrasse wie an einem verwunschenen Ort preisgünstig eher trinken als essen kann, Selfservice im ersten Stock. Oder, längst dem Geheimtippstatus entwachsen, das Café im Vorhoelzer Forum an der Arcisstraße. Dieses ganz öffentlich Café befindet sich im obersten Stockwerk der Fakultät für Architektur der TU München (der Namensgeber des Forums schuf als Postbaumeister zum Beispiel das Paketzustellamt an der Arnulfstraße, das gerade in ein Nobelhotel umgebaut wird). Man betrete also das Gebäude durch den Innenhof, wende sich nach links und gehe bis zum Ende des Gangs, fahre mit dem Aufzug ganz nach oben und findet sich direkt in einem herrlich studentisch munteren, absolut uneitlen Café mit prächtigster Terrasse samt 300-Grad-Blick von den Highlight Towers an der Nürnberger Autobahn über fast tout Munich bis zum BMW-Hochhaus. So etwas hat die Ludwig-Maximilians-Universität nicht zu bieten!

Kunst und Kultur abseits der Pinakotheken

Jetzt wird es aber höchste Zeit für Kunst und Kultur. Die Pinakotheken liegen beim TUM-Café ja praktisch vor der Haustüre, und Münchens Kunsttempel sind in jedem Stadtführer ausgiebigst beschrieben, wobei der Privatstadtführer gerne den Hinweis gibt, sein diesbezüglicher Lieblingsort sei die Kunsthalle in den Fünf Höfen mit anschließender Getränkeaufnahme im nahen Hofgarten.

Sehr sinnvoll ist es in den wärmeren Monaten, sich nach stadtteilbezogenen Kunstevents und offenen Ateliertagen zu erkundigen. Als da wären zum Beispiel Kunst in Sendling (meist im Oktober), Open Westend oder Kunst im Karrée Mitte Juli, wo sich in Schwabing und in der Maxvorstadt die Ateliers und Galerien öffnen. In diesem Rahmen und auch sonst empfiehlt sich dort ein Besuch der Kunstgießerei im Hinterhaus der Schleißheimer Straße 72, wo seit Generationen Künstler aus vielen Nationen ihre Werke in Bronze, Messing, Silber oder Aluminium gießen lassen (Auskunft darüber, wann dort etwas los ist, unter info@kunstgiesserei-muenchen.de).

Nun unterstützt die Stadt ja nicht nur Theater und große Musikkultur (siehe gedruckte Stadtführer), sondern auch eine Reihe kleiner, oft sehr feiner Institutionen, in deren Programm sich oft eine wunderbare interdisziplinäre Multikulti-Mischung findet. Da wäre zum Beispiel das Zwischennutzungsprojekt Köşk (kommt aus dem Türkischen und bedeutet Pavillon) an der Schrenkstraße im Westend, ein im weitesten Sinn Treff jugendlicher Kreativer, der von Fotoausstellungen bis Indie-Band-Konzerten Überraschendes bietet, so lange die Zwischennutzung noch gilt.

Verbandelt ist das Köşk (und wie dieses vom Kreisjugendring unterstützt) mit der Färberei in Untergiesing, wo das Programm gleichsam ein bisschen erwachsener ist. Und wenn da einmal nichts los ist, kann man die paar Schritte entlang der Claude-Lorrain-Straße stadtauswärts gehen und, kurz vor der Eisenbahnbrücke an der Ecke zur Birkenau eines der lustigsten Griechenlokale der Stadt besuchen, es trägt den programmatischen Namen Lucullus.

Empfehlungen für den Abend und die Nacht

Womit wir wieder bei der Nahrungsaufnahme wären, jetzt aber schon in der Abenddämmerung. Zahl und Art der Lieblingslokale des Stadtführers sprengen natürlich den oft eng gesteckten Rahmen eines München-Besuchs. Drum nur, nach dem Griechen, drei Tipps unterschiedlichster Couleur, und zwar ohne Schweinsbraten, den gibt es ja sowieso an jeder Ecke.

Schnitzel zwar auch, aber die mit Abstand besten bietet ein österreichisches Lokal im Auge des touristischen Orkans nahe dem Feilitzschplatz in Schwabing. Es liegt in der Occamstraße 13, trägt den rätselhaften Namen Waldfee, ist mit einem jedes Auge beleidigendem Kitschinterieur geschmückt und bietet Speisen aus dem Nachbarland in einer Qualität, wie man sie auch dort nur selten findet. Bitte nicht zuviel Hauptspeis' essen, es muss noch Platz bleiben für den besten Kaiserschmarrn von ganz München.

Ganz anders lebt und isst man im Makassar in der Dreimühlenstraße. Hier regiert Frankreich mit seinen Ablegern in der Karibik und im Pazifik die Speise- und Getränkekarte. Allein die Krabben im Sesammantel - ein Gedicht. Und die Cocktails? Sehr, sehr gefährlich. Dort zu speisen ist besonders zu empfehlen, wenn der Gast aus der Ferne die Rechnung übernimmt (Vorsicht, nur Barzahlung!).

Wenn, was ja immer häufiger vorkommt, einer der Gäste auf Vegetarisches steht, gibt es immer mehr Verköstigungsstätten, die hier flexibler sind als das normale bayerische Wirtshaus, wo dem Freund fleischfreier Ernährung meist nur Kässpatzen oder Salatschüssel offeriert werden. Eine solche findet sich etwa am Resi-Huber-Platz an der Grenze zwischen Untersendling und Thalkirchen, wo das nach dem Platz benannte Lokal dank seiner gehobener Küche viel Schmackhaftes aus dem Vegetarier- und auch Veganerkatalog anbietet.

Nun ist die Nacht ja noch jung, zumindest oft aus Sicht des Gastes. Weil aber der Stadtführer sich in einem Alter befindet, in dem man den Nightcup gerne zu Hause in Bettnähe genießt, gibt er dem Besucher noch ein paar Tipps mit für den Rest des Tages und den Anfang des nächsten. Guten Jazz gibt es nicht nur in der renommierten Unterfahrt, sondern auch in der Musikbar Vogler in der Rumfordstraße, guten Blues im Hide Out am Rotkreuzplatz, Country und Blue Grass im Rattlesnake Saloon in der Schneeglöckchenstraße (weit draußen im Nordwesten, aber lustig).

Bars für den Absacker findet man ohne Zahl, aber auch hier eine kleine Empfehlung: Die New Orleans-Bar Mr. Mumble's in der Klenzestraße 5 bietet angenehmstes Ambiente mit Südstaatenflair und sehr gepflegte Cocktails. Der etwas heimtückische Trick dort: Man gibt ins Glas einen so mächtigen Eiswürfel, dass er den Aggregatszustand weit über die Zeit bis zur Leerung übersteht und man unbedingt nachfüllen lassen muss.

Am letzten Tag des Besuchs gehen wir dann doch noch ins Hofbräuhaus. Aber nicht in das große am Platzl, sondern ins Mini-Hofbräuhaus im Englischen Garten, gelegen zwischen der Gysslingstraße und der Studentenstadt und immer dem Hundegebell nach. Münchnerischer ist München nirgendwo, besser der Schweinsbraten auch nicht, und das Hofbräubier süffiger als sonstwo.

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