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Initiative Seebrücke:Drinnen CSU-Ball, draußen Proteste

Demo für die Aufnahme jugendlicher Flüchtlinge aus Griechenland auf dem Nockherberg, wo Samstagabend der CSU-Ball über die Bühne geht.

(Foto: Catherina Hess)

Nockherberg, zwei Welten, strikt getrennt: Drinnen ein Ball für CSU-Granden. Draußen eine Demo für die Aufnahme von Kindern aus den Flüchlingslagern auf Lesbos.

Viele schwere Limousinen, einige mit Chauffeur, große Abendrobe, Parfümwolken, "confierte Eismeerforelle" auf der Speisekarte: Die Münchner CSU und deren Freunde ließen es sich am Samstagabend beim 13. CSU-Schwarz-Weiß-Ball "Münchner G'schichten" am Nockherberg gut gehen.

Eher auf abendliche und auch menschliche Kälte hatte sich demgegenüber eine Gruppe von rund 70 Menschen an der Hochstraße eingerichtet - bei einer Protestkundgebung unter dem Titel "Wir haben Platz - Evakuiert die griechischen Lager". Sie klagten an, dass auch die CSU vor wenigen Tagen im Innenausschuss des Bundestags die Erlaubnis verweigerte, dass München minderjährige unbegleitete Flüchtlinge von der griechischen Insel Lesbos aufnimmt. Die Münchner Gruppe der humanitären Initiative "Seebrücke - Städte sicherer Häfen" hatte zur Kundgebung gegen diese humanitäre Blockade aufgerufen.

Mehrere Rednerinnen und Redner, darunter die Münchner OB-Kandidaten Katrin Habenschaden (Grüne) und Thomas Lechner (Die Linke), richteten eindringliche Appelle und heftige Worte der Kritik an jene Bundestagsparteien, die eine Rettung jugendlicher Flüchtlinge aus den menschenunwürdigen Camps auf ostägäischen Inseln verhinderten. Wie die CSU hatten auch CDU, SPD und AfD im Bundestag dagegen gestimmt. Und das, obwohl sich inzwischen mehr als 120 deutsche Städte bereit erklärt hatten, aufzunehmen und zu helfen. Auch das von CSU und SPD regierte München wollte so ein "sicherer Hafen" sein, durfte aber nicht.

"Leute, es gibt sowas von nichts zu feiern"

"Leute, es gibt sowas von nichts zu feiern", rief eine Vertreterin des Bayerischen Flüchtlingsrates bei der Nockherberg-Demo ins Mikrofon, "gegenüber feiert die CSU", und denen sei das Elend der Flüchtlinge in den Camps auf Lesbos, wo es nicht einmal genügend Zelte und Nahrung gebe, "salopp gesagt: scheißegal". Zu direkten Begegnungen mit den Feiernden beim CSU-Ball kam es nicht, dafür schickte der Nockherberg-Wirt drei Bedienungen mit kostenlosem Glühwein in großen Plastikbechern hinaus zu den Demonstranten. Das Signal wurde gut aufgenommen, nur umgekehrt erreichten die Demonstranten die CSU-Politikerinnen und -Politiker nicht, die im Festsaal auf dem Nockherberg-Gelände gut abgeschirmt, auch durch Polizei, ihren Abend verbrachten.

Einig waren sich draußen an der Hochstraße alle Sprecherinnen und Sprecher, ob OB-Kandidaten oder junge Freiwillige, die im November das Elend auf Lesbos selbst erlebten: Die "Blockade" der Seenotrettung müsse aufhören, die menschenunwürdigen Lager seien sofort zu evakuieren - und insbesondere jugendliche Flüchtlinge, die mehr als ein Drittel der Bewohner der Camps ausmachten, müssten sofort gerettet und in die aufnahmebereiten deutschen Kommunen gelassen werden.

Eine Mutter hatte während der Demo zeitweise ihr Kleinkind auf den Schultern, es reckte eine von Hand beschriftete Papptafel in den Abendhimmel mit einem besonders eindringlichen Appell, der alle Reden gut zusammenfasste: "Holt die Kinder hier her! Sie frieren!"

© SZ.de/soy/lala

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