Sommer in München:Wer hält die Freibäder am Laufen?

Bädergeschichte

Zum Ferienende wird es nochmal warm, da lockt ein Sprung ins Wasser. Noch bis zum 13. September sind die Münchner Freibäder geöffnet.

(Foto: Friedrich Bungert)

Ein Sommer ohne Freibad ist für viele Münchner undenkbar - selbst in diesen verregneten Ferien. Viele Menschen werden benötigt, damit alles funktioniert. Gespräche mit einer Bademeisterin, einer Schwimmlehrerin, Kioskbetreibern und einer Schichtleiterin.

Von Sophia Oberhuber und Tiana Zoric

Seit 6.30 Uhr morgens ist Denise Zeiner an diesem Tag bereits im Prinzregentenbad im Einsatz. Ihr Arbeitsalltag beginnt damit, das Areal aufzuschließen, die Becken zu reinigen und das Gelände nach Glasscherben abzusuchen, an denen sich Gäste verletzen könnten. Eigentlich arbeitet die 36-Jährige im Müller'schen Volksbad. Wegen der Corona-Pandemie, aber auch wegen Personalmangels hat das Hallenbad aber weiterhin geschlossen. Deshalb übernimmt die Schwimmmeisterin nun Schichten im Freibad an der Prinzregentenstraße.

Zeiner beaufsichtigt die Schwimmer im Becken. Und denjenigen, die dort noch nicht vor sich hin planschen, bringt sie das Schwimmen bei. Hierfür hat Zeiner eine Lehre absolviert, zur sogenannten Fachangestellten für Bäderbetriebe. Vor einigen Jahren hat sie noch einen Meister obendrauf gesetzt. Ihre Schüler reichen von Babys bis zu Erwachsenen. Am meisten Spaß bereitet es Zeiner, kleinen Kindern das Schwimmen beizubringen. "Wenn die dann am Schluss das Seepferdchen machen, vor einem stehen und total stolz sind, dass sie das geschafft haben - das ist für mich der Lohn", schwärmt sie. Einen Platz in einem Schwimmkurs zu bekommen, sei für viele Kinder aber aktuell nicht möglich. "Die Schwimmkurse sind wahnsinnig überlaufen, weil den Kindern das gesamte Corona-Jahr fehlt. Wir haben ganze viele Eltern, die nach Kursen fragen."

Sommer in München: Denise Zeiner war schon als Schülerin bei der Wasserwacht und gewann später Wettbewerbe. Jetzt kümmert sich die Schwimmmeisterin um die Sicherheit im Prinzregentenbad.

Denise Zeiner war schon als Schülerin bei der Wasserwacht und gewann später Wettbewerbe. Jetzt kümmert sich die Schwimmmeisterin um die Sicherheit im Prinzregentenbad.

(Foto: Alessandra Schellnegger)

Zeiner sagt von sich, dass sie das Wasser liebt. Schon in ihrer Kindheit und Jugend schwamm sie für die Deutsche Lebens-Rettungs-Gesellschaft und die Wasserwacht. Auch Wettkämpfe. 2013 wurde sie mit ihrer DLRG-Staffel Deutsche Seniorenmeisterin - beim Wort "Senioren" muss die 36-Jährige lachen.

Das Alter spielt auch beim Schwimmen lernen eine Rolle. "Erwachsene, die erst relativ spät schwimmen lernen, haben irgendeine Vorgeschichte mit dem Wasser", erzählt Zeiner. Das Schwierigste sei, die Schwimmschüler zu überzeugen, überhaupt erst einmal in das Wasser zu gehen. Viele hätten negative Erfahrungen gemacht. Beispielsweise Geflüchtete, die einen Menschen ertrinken gesehen haben. "Da muss man ganz viel Einfühlungsvermögen haben", sagt Zeiner. Manchmal gebe es in solchen Fällen Sprachbarrieren. Dann sei auch einmal im Schwimmkurs Kommunikation mit Händen und Füßen gefragt.

Bädergeschichte

Sabrina Bayer leitet das Westbad in München. Sie sorgt für Reinheit, funktionierende Technik und die Sicherheit von Personal und Besuchern. Die dürfen jetzt auch wieder ohne Anmeldung kommen.

(Foto: Friedrich Bungert)

Für Sabrina Bayer gibt es keinen besseren Beruf als Fachangestellte für Bäderbetriebe. "Den Beruf kennt eigentlich niemand", sagt die 32-Jährige. 2005 begann sie die Ausbildung, 2013 legte sie den Meister nach. Heute leitet sie das Westbad im Münchner Stadtteil Pasing. Am meisten genießt sie die Abwechslung in ihrem Beruf: "Kein Tag ist wie der andere. Es gibt so viele Situationen, in denen ich mir heute noch denke: Okay, das habe ich noch nie erlebt."

Bayer ist die Frau für alle Fälle: "Wir machen alles, was im Hintergrund notwendig ist, damit das Bad funktioniert." Das heißt: Personalplanung, Bestellungen, Events planen. Außerdem sorgt sie für die Wasserqualität im Bad. "Seit ich weiß, auf was es ankommt, würde ich nie wieder in irgendeinen Hotelpool springen", sagt Bayer. Mehrmals täglich misst sie den pH-Wert des Wassers und das gebundene und das freie Chlor im Wasser. "Das gebundene Chlor ist das, was stinkt", erklärt sie, "das freie hingegen kann noch mit dem Schmutz reagieren." Um das Wasser zu reinigen, wird es 24 Stunden am Tag "umgewälzt". Alles, was über die Rinne schwappt, landet in der Technik und wird wieder frisch aufbereitet. "Die Münchner schwimmen hier in Trinkwasser, das finde ich schon krass", sagt sie.

Seit der Pandemie hat sich ihr Arbeitsalltag stark verändert. Früher kamen die Gäste spontan ins Schwimmbad, diesen Sommer mussten Reservierungen kontrolliert werden. Im Umkleidebereich, im Biergarten und in den Toiletten muss Maske getragen werden - auch dort müssen Mitarbeiter auf die Regeln aufmerksam machen. "Für uns ist das alles viel aufwendiger geworden", sagt Bayer.

Auch die Anzahl der Personen im Bad war begrenzt. Wo zu normaleren Zeiten bis zu 10 000 Menschen vorbei kamen, waren es diesen Sommer noch 2000. Gerechnet hat sich das nicht, sagt sie. "Also vom Kosten-Nutzen-Faktor müssten wir es bleiben lassen." Mittlerweile dürfen wieder mehr Menschen in die Münchner Freibäder. Durch die neue Coronaverordnung entfällt die Reservierungspflicht, auch spontane Besuche sind also wieder möglich.

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Seit 2020 betreiben Moritz Petan und Maximilian Weber den Kiosk im Michaelibad. Mit ihrem alternativen Konzept wollen sie die Gäste überzeugen.

(Foto: Friedrich Bungert)

Was wäre ein Tag im Freibad ohne eine Portion Pommes oder eine gemischte Tüte voller Weingummi? Im Michaelibad kümmern sich seit einem Jahr Maximilian Weber und Moritz Petan um den Kiosk der etwas anderen Art. "Wir waren beide während Corona sehr betroffen von den Gegebenheiten", sagt Petan, der damals noch in der Event-Branche arbeitete. Weber arbeitete seit acht Jahren in der Gastronomie. Durch den Lockdown war für beide erst einmal Kurzarbeit angesagt. Mitten in der Pandemie bewarben sie sich auf die Ausschreibung des Kiosks und bekamen den Zuschlag. "Dieser Beruf ist auch nicht krisensicher", sagt Petan, "aber wir haben versucht, die Krise als Chance zu sehen." Es sei eine große Entscheidung gewesen, die Voraussetzungen schwierig: eine große Fläche mit Café, gleichzeitig keine volle Auslastung als Folge der Pandemie. Da die Stadtwerke München jedoch ihre Unterstützung in der Sache versprachen, sagten die beiden zu.

Neben dem Kiosk betreiben die beiden auch den Biergarten auf der anderen Seite des Zauns. Nach Betriebsschluss im Bad geht die Arbeit dort weiter. In ihrem Team arbeiten vor allem junge Leute, sagt Petan. "Manche von ihnen schnuppern gerade auch das erste Mal in die Gastronomie bei uns rein." Die einzige Grundvoraussetzung sei es, dass die Leute freundlich sind. "Alles andere lernen sie ja von uns", sagt Weber, "und das versuchen wir auch so zu leben."

Auf der Speisekarte des Kiosks stehen neben den Klassikern Currywurst und Pommes vor allem fleischlose Alternativen. Diese kämen auch bei den Gästen gut an. "Es gibt viele Leute, die das gern probieren oder vielleicht auch schon kennen", sagt Petan.

"Wir wollen die Leute begeistern", sagt Weber. Das fange bei den einfachen gastronomischen Regeln an, aber gehe auch weit darüber hinaus. So bekommen Badegäste umsonst eine gefrorene Zwiebel, wenn sie von einer Biene gestochen worden sind - ein altes Hausmittel, das antiseptisch und kühlend wirkt. Solche Kleinigkeiten machen einen guten Kiosk aus, finden die beiden.

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Bademeisterin Jana Gmach ist eigentlich Lehrerin. Deshalb sorgt sie sich um die Kinder, die während der Corona-Pandemie keinen Schwimmunterricht hatten.

(Foto: Friedrich Bungert)

Jana Gmach ist eigentlich Lehrerin für Sport und slowakische Sprache. Als die 39-Jährige aus der Slowakei nach München kam, sah sie auf der Internetseite der Stadtwerke, dass diese Mitarbeiter für ihre Bäder suchen. Gmach hat sich beworben und arbeitet inzwischen seit fünf Jahren hauptberuflich als Bademeisterin. Eigentlich im Cosimabad, diesen Sommer aber coronabedingt im Freibad. Aus Liebe zum Wasser macht sie den Beruf nicht. Da ist Gmach eher pragmatisch: "Schwimmen kann man ja, wenn man Sport studiert hat." Die Arbeit zusammen mit ihren Kollegen und Kolleginnen macht ihr Spaß, genauso wie Badegästen in brenzligen Situationen zur Seite zu stehen. Meistens gehe es da eher um kleinere Unfälle: Gmach verteilt Pflaster und hilft, wenn Insekten mal wieder zugebissen haben. Aber auch Notfälle gibt es im Arbeitsalltag von Gmach: "Ich musste vergangenes Jahr im Schyrenbad eine Frau aus dem Wasser holen und im Cosimabad einen jungen Mann." Beide haben überlebt und brauchten noch keine Beatmung.

Gmach bemerkt, dass sich vor allem Kinder im Corona-Sommer 2021 im Schwimmbad unsicherer verhalten. "Die Schwimmkurse und der Schwimmunterricht in der Schule fehlen einfach. Sogar größere Kinder haben teilweise sicherheitshalber Schwimmflügel oder Schwimmringe um", berichtet die Bademeisterin. Viele Eltern würden versuchen, Plätze in Schwimmkursen zu ergattern, aber diese seien komplett ausgebucht.

Nicht nur für Schwimmkurse sind die Plätze knapp. Auch der Einlass in das Ungererbad klappte wegen der Corona-Vorschriften nur mit Reservierung. Das veränderte auch den Alltag von Gmach, weil weniger Gäste im Freibad zugelassen waren. 2600 Besucher durften sich auf einmal auf dem Areal aufhalten.

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