Siedlung in Schwabing:"Es ist eine Katastrophe"

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Wasserschäden in einem Wohngebäude in Schwabing, 2020

Überflutet: 30 Zentimeter stand die Garage der Anlage Genter Straße 13 a-f im Juli unter Wasser; die Lage sei unverändert, berichten die Bewohner.

(Foto: Catherina Hess)

Seit Monaten stehen an der Genter Straße Häuser unter Wasser. Nun präsentieren Anwohner ein Gutachten - und drängen die Stadt zum Handeln.

Von Stefan Mühleisen

Angesichts der seit Monaten andauernden Überschwemmung von Anwesen in einer Schwabinger Siedlung erheben Anwohner, der Vorsitzende des Bezirksausschusses, Patric Wolf (CSU), und der Landtagsabgeordnete Christian Hierneis (Grüne) Vorwürfe gegen die Stadtverwaltung. "45 Menschen sind in höchster Not, und der Stadt ist das egal. Es ist eine Katastrophe", sagte Wolf bei einer Pressekonferenz am Mittwoch vor der Wohnanlage Genter Straße 13 a-f.

Benno Ziegler, Anwalt der Anwohner-Interessengemeinschaft "Grundwasser Osterwaldstraße", bezichtigte die Münchner Stadtentwässerung (MSE), Informationen zurückzuhalten und gegen Vorgaben des Wasserrechtsbescheids für einen Regenwasserkanal zu verstoßen, jener Kanal, der nach Zieglers Worten als Hauptquelle zu identifizieren sei. "Die Ursache liegt auf der Hand, aber die Stadt tut nichts", sagte Ziegler.

Die Anwohner wollen nun mit einer Petition an den Bayerischen Landtag erwirken, dass die Regierung von Oberbayern als Rechtsaufsichtsbehörde die Stadt zum Handeln ermahnt, konkret Pumpen am Kanal installiert. Überdies soll die Regierungsbehörde "die Landeshauptstadt verpflichten, dass über die katastrophale Grundwassersituation wahrheitsgemäß berichtet wird". Ziegler zieht dabei Parallelen zu einem Überschwemmungsfall aus dem Jahr 2010 in Feldmoching. "Auch da ist erst etwas passiert, nachdem wir Druck auf die Stadt gemacht haben."

Der aktuelle Fall spielt sich zwischen Isarring im Süden und Westen sowie dem Englischen Garten im Osten ab, wo seit Monaten bei gut 40 Häusern Grundwasser in die Keller läuft, die Eigentümer an der Genter Straße 13 a-f sind bereits seit fünf Jahren betroffen; Vertreter des Referats für Gesundheit und Umwelt (RGU), der MSE sowie des Wasserwirtschaftsamts München hatten im Juli öffentlich eingeräumt, über die Ursachen nur spekulieren zu können.

Im Fokus steht ein Regenwasserkanal von den Ausmaßen eines halben U-Bahn-Schachts entlang des Karl-Arnold-Wegs. Dort sind drei Druckleitungen verbaut, so genannte Düker. Vom RGU hieße es zuletzt, diese seien "voll funktionstüchtig", sie entsprächen den wasserrechtlichen Vorgaben. Zudem wird vermutet, dass das Abpumpen des Kleinhesseloher Sees im Herbst 2019 oder auch Nachverdichtung in dem Gebiet als Ursachen in Frage kämen.

Ein hydrologisches Gutachten, welches Anwalt Ziegler für die Anwohner-Gemeinschaft in Auftrag gegeben hat, kommt zu einem eindeutigen Schluss: Es sei davon auszugehen, dass der Regenwasserkanal "zu einem deutlichen Grundwasseraufstau im Oberstrom und zu einer Vernässung der Keller an der Genter Straße führt", so das Fazit des Nürnberger Geowissenschaftlichen Büros Dr. Heimbucher (GBH). Der Pegel liege 0,52 Meter über dem natürlich anzusetzenden und 0,68 Meter über dem mittleren Grundwasserstand. Ziegler leitet aus den behördlichen Dokumenten ab, dass ein Aufstauen wasserrechtlich untersagt und die Stadt in der Pflicht sei, das Problem zu beheben. Grünen-Politiker Hierneis ergänzte, die MSE habe nur teilweise Einblick in die Unterlagen gewährt.

Der Stadtrat hatte im August die Verwaltung beauftragt, kurzfristig Abhilfe zu schaffen. "Man sollte meinen, dass jetzt viele Experten herumrennen und aufbohren. Aber es passiert nichts", sagte ein betroffener Anwohner aus der Osterwaldstraße bei der Pressekonferenz. Das ficht das RGU nicht an. Die Behörde sieht gemäß einer Stellungnahme ihr Vorgehen im Einklang mit dem Stadtratsbeschluss sowie einem runden Tisch mit Anwohnern und dem BA-Vorsitzenden im September. Demnach solle zunächst ein Ingenieurbüro angesichts "des Zusammenspiels einer Vielzahl von Faktoren" intensiv nach den Ursachen forschen und "eine belastbare gutachterliche Bewertung" erarbeiten.

Dafür seien eigens Grundwassermessstellen gebohrt worden. "Die Ergebnisse dieses Gutachtens werden dem Stadtrat im November vorgestellt", kündigt das RGU an. Den Verlauf des runden Tisches kommentierte BA-Chef Wolf bei dem Termin in Schwabing so: "Es gab einen Kurzvortrag über Düker, sonst nichts."

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